18. April 2018, 17:25 Uhr

Spielmacher

»Ich bin schließlich keine 20 mehr«

Nach der 28:26-Sensation des TV 05/07 Hüttenberg bei der MT Melsungen erklärt der tschechische Spielmacher Tomáš Sklenák, weshalb es dennoch wichtig ist, von Spiel zu Spiel zu schauen.
18. April 2018, 17:25 Uhr
Den Blick für den Augenblick. Hüttenbergs Spielmacher Tomáš Sklenák. (Foto: ras)

TV 05/07 Hüttenberg


Sechs Spieltage sind es noch in der Handball-Bundesliga. Sechs Spiele, in denen der TV 05/07 Hüttenberg von seinem aktuell vorletzten Tabellenplatz noch mindestens einen Rang nach oben klettern will, der den Klassenerhalt bedeuten würde und mindestens genauso eine Sensation darstellen würde wie der Aufstieg im letzten Sommer nach dem Durchmarsch aus der 3. Liga. Durch den überraschenden Erfolg am Wochenende bei der MT Melsungen hat die Hoffnung darauf neue Nahrung erhalten. Vor den finalen Begegnungen haben wir mit Routinier Tomáš Sklenák über die Chancen für den Ligaverbleib, aber auch über seine persönliche Zukunft gesprochen.

Herr Sklenák, der Sieg in Melsungen war natürlich ein Paukenschlag. Was waren aus ihrer Sicht die Gründe ?

Sklenák: In Melsungen hat bei uns alles geklappt. Wir haben sehr konzentriert unsere Konzepte gespielt und haben gekämpft. Das waren natürlich absolut zwei Überraschungspunkte.

Trotzdem müssen für den Klassenerhalte weitere Punkte her. Es stehen nun drei vermeintlich machbare Aufgaben an. Was erwarten Sie ?

Sklenák: Das ist schwierig zu sagen. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Unser Ziel ist es, bis zum Saisonende zu machen was geht – das Maximum also. Wir sind auch in den nächsten Spielen kein Favorit. Aber unsere Mannschaft hat Herz, jeder kämpft für den anderen. Das macht uns stark.

Was wird diese Spiele sowie die weitere wichtige Partie gegen Gummersbach entscheiden ?

Sklenák: Ich habe keine Erwartung. Man fährt zu guten Mannschaften und kann überraschen. Aber es ist viel schwerer, wenn man muss. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärke, vorne wie hinten. Natürlich wollen wir speziell zu Hause vor unseren tollen Fans etwas erreichen.

Am Samstag geht es gegen den HC Erlangen. Besondere Brisanz hat diese Begegnung unter anderem dadurch, dass mit Aðalsteinn Eyjólfsson bei den Gästen der Trainer auf der Bank sitzt, der bis vor einem halben Jahr noch in Hüttenberg erfolgreich arbeitete und mit dem Team von der 3. in die 1. Liga aufgestiegen ist. Zudem haben Sie mit »Adli« auch schon in Eisenach lange zusammen gearbeitet. Also ein besonderes Spiel ?

Sklenák: Nein, das glaube ich nicht. Ich habe so viele Trainer gehabt, auch in Eisenach. Ich gehe in das Spiel ganz normal rein. Klar hatte ich mit Adli in acht Jahren gute und auch schlechte Zeiten. Das wissen wir beide. Aber ich denke, dass wir auch nach dem Spiel noch Freunde sein werden.

Sie sind mit fast 36 Jahren im gehobenen Handballalter, stehen aber mittlerweile – aufgrund der personellen Probleme im Rückraum – zumindest im Angriff fast in jedem Spiel 60 Minuten auf dem Feld. Ist das auf diesem Level der Bundesliga überhaupt machbar ?

Sklenák: Klar fühle ich mich nicht immer gut. Aber wenn es bei uns drei im Rückraum (Mappes, Johannsson und Sklenák – Anm. d. Red.) so läuft wie in Melsungen, macht es das einem leichter. Natürlich merke ich, dass es viel Kraft kostet. Ich bin schließlich keine 20 mehr. Aber der Trainer dosiert das auch gut mit den Wechseln in der Abwehr. Zudem kann ich in der Trainingswoche ein bisschen mehr regenerieren. Am meisten hilft aber die Lust am Handball.

Sie sind kein Handball-Vagabund. Nach zehn Jahren Eisenach und nun drei Jahren Hüttenberg haben Sie ihren Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert. Die Familie Sklenák fühlt sich also wohl in Mittelhessen ?

Sklenák: Ja. Nach zehn Jahren in Eisenach war es natürlich zuerst schwierig. Man hat in Eisenach alles gekannt. Aber ich bin sehr zufrieden hier mit dem Verein und mit dem kleinen Dorf. Das ist alles wie eine große Familie. Das gefällt mir, das macht den Verein noch größer. Ich bin jemand, der immer mit Herz Handball spielt. Das passt hier einfach. In Melsungen haben uns die Fans nicht nur im Spiel großartig unterstützt, sondern nach dem Spiel noch eine Stunde auf dem Parkplatz gewartet, um uns zu feiern. Das habe ich noch nie erlebt.

Daran ändert auch ein möglicher Abstieg nichts? Sie würden auch mit dem TVH in die 2. Liga gehen? Und vielleicht auch nach der aktiven Zeit hier bleiben?

Sklenák: Vielleicht würde die 2. Liga etwas weniger Kraft kosten. Aber wir kämpfen bis zum Ende und schauen dann, was kommt. Vielleicht sind es meine letzten zwei Jahre in Deutschland. Ich habe über unsere Zukunft natürlich mit meiner Frau gesprochen. Mit Kindern ist es nicht mehr so einfach. Meine Frau fährt mit der großen Tochter in den hessischen Ferien in die Tschechei, wo sie dann zur Schule geht. Das ist nicht einfach. Gerade die Sprache in der Schule ist schwierig. Die Kinder müssen zwei Sprachen lernen. Und sie vermissen die Omas und Opas. Aber vielleicht kann ich in zwei Jahren noch einmal verhandeln und sie gehen erst einmal alleine zurück und ich mache hier vielleicht noch etwas.

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