24. Dezember 2017, 08:15 Uhr

Cleverness fehlt

Hüttenberger Charakter stimmt, Abschluss nicht

Wenn es für Charakterstärke und Moral Punkte gäbe, würde sich TV 05/07 Hüttenberg ganz sicher unter den Top Ten der Handball-Bundesliga einreihen können…
24. Dezember 2017, 08:15 Uhr
So geht’s – theoretisch: Absprachen zwischen (v. l.) Moritz Zörb, Dominik Mappes und Moritz Lambrecht. (Foto: Friedrich)

TV 05/07 Hüttenberg


… gibt es aber nicht, weshalb sich der Aufsteiger über Weihnachten auf einem Abstiegsplatz befindet. Das Heim-20:24 (8:13) am Mittwoch vor über 2000 Zuschauern in der Gießener Sporthalle Ost gegen SC DHfK Leipzig ließ die Mannschaft von Trainer Emir Kurtagic bei 7:29 Punkten wieder auf den 17. Tabellenplatz zurückfallen. Die Chance, während der EM-Pause dennoch auf einem Nichtabstiegsplatz zu überwintern, bietet sich den Mittelhessen aber noch einmal am 27. Dezember, wenn zum Jahresabschluss die Auswärtspartie bei Frisch Auf Göppingen (19 Uhr) ansteht.

Dann aber darf man sich in der Anfangsphase nicht erneut solche Rückstände einhandeln wie u. a. in den Heimpartien gegen Minden (5:14, 20.) oder eben Leipzig (1:7, 13.) – diese sind selbst bei noch so aufopferungsvoller Spielweise auf Erstliga-Niveau kaum mehr zu kompensieren. »Nach dem 1:7 haben wir nicht den Druck auf Leipzig ausüben können, wie das etwa bei einem 4:6 der Fall gewesen wäre. Bis zu den Chancen haben wir ja einiges gut gemacht, diese aber nicht genutzt. Das ist unser Manko«, analysierte TVH-Coach Kurtagic.

Aber sind es wirklich allein die Mängel im Abschluss? Man wird in den Anfangsphasen den Eindruck nicht los, dass die Hüttenberger Neulinge zuviel auf einmal wollen, überdrehen und ein Tempo gehen, welches sie – von der 3. über die 2. Liga kommend – noch nicht beherrschen. Sicher, die Leipziger Abwehr mit Rojewski, Roscheck, Rivesjö und Pieczkowski ist ein ordentliches Pfund, die permanent TVH-Fehler im Aufbau provozierte; aber bei den Gastgeber fehlten gerade hier Ruhe und Abgeklärtheit, die ordnende, das Tempo variierende, das Fehlerrisiko minimierende Hand.

»Wir müssen abgeklärter werden im Abschluss. Wir arbeiten 30, 40 Sekunden hart und belohnen uns nicht dafür. Bis zum 1:7 nach 13 Minuten haben wir schon vier klare Chancen von sechs Metern vergeben«, sagt Kurtagic. Stimmt! Aber bei Rückständen mit sechs oder sieben Treffern kommt die Angst vor weiteren Fehlern hinzu (5:12, 27.), werden Gegenstöße in die Hände des Gegners gespielt, wird bei Überzahl das leere Tor verfehlt und unter Druck zu schnell der Abschluss (11:17, 40.) gesucht.

Leipzigs Geschäftsführer Karsten Günther gefällt das TVH-Spiel dennoch, weshalb er hofft, »das Hüttenberg mit dieser beherzten Spielweise die Sensation schafft und die Klasse hält«. Die Qualität eines Niclas Pieczkowski fehlt dem TV 05/07 zwar, gelingt es Trainer und Mannschaft aber, die wurfstarken Halben Szymon Sicko und Vladan Lipovina stärker zu integrieren, wäre ein weiterer Schritt nach vorn gemacht. Vielleicht würde es helfen, die eine oder andere Konzeption weniger zu spielen und öfter mit Doppelblöcken, Sperren und Doppelkreuzen für die zu sehr noch nach individuellen Lösungen suchenden, fast isolierten Halben zu arbeiten. Aber auch das ist nur Theorie. Entscheidend ist die jeweilige Umsetzung. Nutzen die Wernig und Co. ihre Chancen gleich zu Beginn, muss später nicht über verpasste Möglichkeiten und andere Handball-Systeme philosophiert werden.

Schon Mittwoch bei Frisch Auf Göppingen, das nach einer enttäuschenden Vorrunde mit 14:22 Punkten mächtig unter Druck steht, muss Trainer Kurtagic wieder an den natürlichen Abwehr-/Angriff-Baustellen eines Aufsteigerteams drehen, vor allem einen neuerlichen Fehlstart verhindern und die Moral hoch halten. Denn dass der TV 05/07 Hüttenberg ein reelle Chance auf den Erstliga-Erhalt hat, ist nach wie vor die erfreulichste Feststellung zum Jahreswechsel. (ra)

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