03. Mai 2018, 13:31 Uhr

Fußball / Eintracht Frankfurt

Henni ängstigt sich nicht vor den Bayern

Die »Badesalz«-Hälfte Henni Nachtsheim und Redakteur Ronny Th. Herteux haben die Geschehnisse rund um die Frankfurter Eintracht unter die Lupe genommen.
03. Mai 2018, 13:31 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)

Eintracht Frankfurt


Hallo Herr Nachtsheim, was nutzt einem die ganze Zuspitzung, wenn der Schlussakt schal und nicht von erhoffter Intensität ist. Kennen Sie das?

Henni: Beruflich gesehen nicht, aber in privaten Situationen habe ich das auch schon erlebt. Wenn zum Beispiel im Restaurant die Vor- und Hauptspeise gut waren, aber der Nachtisch alles kaputtgemacht hat. Oder du fährst nach Nord-Holland und kommst super durch, aber 50 Kilometer vor dem Ziel stehst du sechs Stunden im Stau, und wenn du endlich im Hotel ankommst, hat das schon zu und du musst die Nacht im Auto schlafen. So ähnlich könnte sich die Saison in zwei Wochen für uns auch anfühlen.

Genau. Auf die Frankfurter Eintracht gemünzt, es scheint so, als verspiele die Mannschaft in wenigen Wochen all das in den Monaten zuvor Geleistete. Mir fällt dazu auch der Begriff Déjà-vu ein. Ich wünschte mir, dies alles nur schon einmal geträumt und nicht auch in der Wirklichkeit erlebt zu haben mit der Eintracht. Was ist da los?

Henni: Ich weiß, die letzte Saison! Nach der Hinrunde Dritter, nach der Rückrunde 13.! Das meine ich ja, wenn ich sage: »Die Eintracht zu lieben, ist manchmal wie auf den Malediven einschlafen und in Nordkorea wach werden!« Bezüglich der möglichen tabellarischen Fallhöhe würde das auch dieses Jahr zutreffen.

Das sind Profis, das Umfeld sollte ebenso professionell sein. Wohl und Wehe einer ganzen Saison hängen ab von den jetzigen Auftritten, und dann lässt man sich vier Stück reinhauen gegen eine Bayern-Mannschaft mit Dorsch, Evina, Mai und Shabani. Das war allenfalls eine C-Auswahl.

Henni: Es sind aber auch, wenn auch sehr gut bezahlt und unter großartigen Bedingungen arbeitend, trotzdem Menschen. Wir wissen nicht, was der Trainerwechsel in einigen ausgelöst hat. Oder ob das gewonnene Halbfinale nicht doch einen gewissen Sättigungsfaktor beinhaltet. Was natürlich nicht nur gefährlich, sondern auch etwas naiv wäre, denn auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen – die Chance, das Endspiel zu gewinnen, liegt jetzt nicht unbedingt bei 70, sondern eher bei sieben Prozent!

Für Profis, die sich jetzt echt hängen lassen, ein Tipp: jeder Spieler muss damit rechnen, dass der neue Trainer schon ganz genau hinschaut, wer alles gibt oder wer es schleifen lässt.

Henni: Ja, aber erfahrungsgemäß machen neue Trainer eine Art Zäsur und interessieren sich nicht sonderlich für die Situation unter ihrem Vorgänger. Wenn ein Gefängnisdirektor einen neuen Knast übernimmt, hat er ja auch nicht unbedingt dieselben Häftlinge auf dem Kieker wie der Direktor vor ihm.

Wenn die Bayern mit ihrer Topelf im eigenen Stadion 1:2 gegen Real Madrid verlieren und mit einer besseren C-Elf 4:1 gegen Frankfurt gewinnen – wie groß ist dann der Abstand zwischen Real und Eintracht?

Henni: Wieso schulen Sie nicht gleich auf Milchmädchen um? Wer so alberne Rechnungen aufstellt, hat jedenfalls beste Voraussetzungen!

Kommen wir zur erfreulichsten Eintracht-Meldung der letzten Zeit: die SGE steht im Pokalfinale. Ausgerechnet gegen Bayern München. Sollen wir uns auf dieses Spiel freuen und uns in den nächsten Tagen eher davor ängstigen?

Henni: Wieso ängstigen? Es gibt doch nichts zu verlieren. Stellen Sie sich einfach vor, Sie müssen ohne Nahrung, ohne Waffen und nur in der Unterhose einen Monat lang durch den dichtesten und gefährlichsten Dschungel im Amazonas laufen. Wenn Sie das nicht schaffen, wird das jeder verstehen, und sagen: »De Ronny hat’s zumindest versucht!« Wenn Sie es aber doch packen, haben Sie was wirklich Großes, Überraschendes erreicht. So ähnlich sehe ich als Eintracht-Fan das Pokalfinale!

Wenn alles »normal« läuft, bleibt für die Eintracht am Ende der Saison festzuhalten: Von Anfang an mit dem Abstieg nichts zu tun gehabt zu haben.

Henni: Zumindest hatten wir eine Menge guter Spiele und Erfolgserlebnisse. Und, wie Sie richtig sagen, nie was mit dem Abstieg zu tun, sondern stets das Gefühl, zum ersten Drittel zu gehören. Das ist ja schon mal was. Deswegen: eine schlechte Saison war es auf keinen Fall. Aber womöglich auch keine so gute, wie wir mittendrin gedacht haben.

Apropos Abstieg: Die Kölner Geißböcke haben’s verbockt, sind weg. Hamburg hofft weiter. Sind die unabsteigbar?

Henni: Scheint fast so! Die haben so eine Art »Relegations-Gen« entwickelt. Und Hamburg gegen Kiel hätte schon was.

Falls es zwischen Wolfsburg und Hamburg zu entscheiden ist, wer soll runter?

Henni: Da ich ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Hamburgs Stadionhymnen-Sänger Lotto King Karl habe, würde ich mich in diesem Fall für Wolfsburg entscheiden.

Zum Abschluss, wenn alles normal läuft, dann wird die Eintracht im Pokalfinale ...

Henni: ...auflaufen!

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