24. Mai 2018, 12:38 Uhr

Henni Nachtsheim entlässt Kovac als schuldenfrei

Redakteur Ronny Th. Herteux hat sich mit Eintracht-Fan Henni Nachtsheim vom Comedy-Duo Badesalz über den 3:1-Pokaltriumph gegen Bayern München unterhalten.
24. Mai 2018, 12:38 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)

Eintracht Frankfurt


Hallo Herr Nachtsheim, eigentlich, also eigentlich hatte ich mir etwas ganz anderes für den Einstieg ausgedacht. Etwas Biestiges. Das können Sie mir glauben. Und das glauben Sie mir bestimmt auch.

Henni: Ja klar, ich kenne Sie ja jetzt auch schon einige Jahre. Eine standesgemäße Niederlage gegen die Bayern hätte wie so oft mal wieder den tief in Ihnen verankerten fußballerischen Sozialneid nach oben gespült. Wie bei mir auch...

Mal Hand aufs Herz, haben Sie im Vorfeld wirklich daran geglaubt, dass die Eintracht am Samstag die Bayern im Pokalfinale wird schlagen können?

Henni: Wenn ich jetzt sage »geglaubt«, wäre das gelogen. Ich habe aber in der Nacht davor geträumt, dass die Eintracht 2:1 gewinnt und dass sich um mich herum Tausende von Menschen glücklich in den Armen liegen. Als es dann 2:1 stand, habe ich gedacht: »Vielleicht wird mein Traum ja wahr!«

Was ja nicht der Fall war, ging ja 3:1 aus!

Henni: Sie sind eine echte Spaß-Granate Herr Herteux, Sie sollten Komiker werden!

Nach Ante Rebic’ Tor zur 1:0-Führung habe ich mir gedacht, das ist in der elften Minute vielleicht etwas zu früh.

Henni: Ja, so was Ähnliches ging mir auch durch den Kopf. Ich musste dran denken, wie ich früher auf den Partys bei uns zu Hause in der ersten Stunde immer ein bisschen den Aff machen durfte, bis dann mein großer Bruder das Kommando übernahm und ich ins Bett musste.

Wie war Ihre Befindlichkeit, als Robert Lewandowski in der 53. Minute das 1:1 erzielte?

Henni: Um beim Vergleich zu bleiben – ich dachte: »Jetzt müssen wir ins Bett!« Was aber definitiv nicht so war. Diesmal durften wir am längsten aufbleiben!

Und dann die 82. Minute, Rebic trifft zum 2:1. Können Sie irgendwie in Dezibel angeben, wie laut Ihr Torschrei ausgefallen ist. Als Hilfe: Ein Benzinrasenmäher hat so bis zu 80 dB, eine Motorsäge bis zu 110 dB und leicht darüber. Die Schmerzgrenze liegt übrigens bei 130 dB.

Henni: Schwer zu sagen, weil ich in einer Art Übersprungshandlung spontan meinen Rasen gemäht, parallel dazu meine Birke abgesägt und dabei hysterisch rumgeschrien habe. War auf jeden Fall laut!

Fußball-Deutschland diskutiert noch heute über die Entscheidung von Schiedsrichter Felix Zwayer, den Tritt von Kevin-Prince Boateng nicht als ursächlich für das Fallen von Javi Martinez zu werten. Wie haben Sie die Situation gesehen?

Henni: Ich habe mich beim Wiederholen der Szene tatsächlich gefragt, wie es wohl medizinisch zu erklären ist, dass er einen Tritt an das linke Bein bekommt, das rechte aber abhebt.

Bis auf Neuer, Salihamidzic und Starke ist die komplette Bayern-Abteilung noch vor der Siegerehrung in den Katakomben verschwunden. Sind die Bayern schlechte Verlierer?

Henni: Addiert man dazu noch das Wegwerfen der Silbermedaille ins Publikum von Sandro Wagner muss man zumindest konstatieren: Bewerbungen für den Fair-Play-Preis des Jahres sehen irgendwie anders aus! Und auch Uli Hoeneß wirkte nach dem Spiel auf mich weniger wie ein enttäuschter Sportsmann, sondern eher wie ein wütender Feldherr, der gerade eine wichtige Schlacht verloren hat und deswegen überlegt, wen er dafür einsperren kann.

Hervorragende Gewinner waren dagegen die Frankfurter, der Römer hat am Sonntag gebebt. Wie haben Sie den Pokalsieg gefeiert?

Henni: Genau genommen schon in derselben Nacht, indem ich mir nach der Pokalüberreichung wirklich jedes Interview, jede Impression reingezogen habe, um mir dann auf Sky dank der dortigen Wiederholung des Spiels die zweite Halbzeit noch mal komplett anzuschauen. Ich glaube, das Tor zum 3:1 hätte ich mir auch ein paar Stunden am Stück anschauen können.

Viele sprechen davon, dass der Pokalsieg »epochal« sei. Soll das bedeuten, dass die SGE-Anhänger eventuell wieder 30 Jahre auf den nächsten Titel warten müssen?

Henni: Ich würde das »epochal« einfach mal auf die Vergangenheit münzen. Ich glaube, dass es diesmal nicht wieder so lange dauert.

So ganz nebenbei, die Eintracht hat sich durch den Pokalsieg für die Europa League qualifiziert. Welche drei Mannschaften würden Sie gern in Frankfurt begrüßen?

Henni: Ja, so sind wir Hessen. Eben noch gedacht, dass es dieses Jahr für einen Urlaub nicht reicht, um dann, weil es eben doch reicht, zu überlegen, welche Luxushotels es denn sein dürfen. Aber gut, dann sage ich mal zwei vermeintlich eher leichte Gegner und eine englische Mannschaft. Das würde mir zum Auftakt genügen.

Zum Schluss, das gibt uns das Leben vor, heißt es Abschied zu nehmen. Niko Kovac geht, möchten Sie ihm noch etwas nachrufen?

Henni: Nein, es ist alles geklärt. Er wechselt zwar ausgerechnet zu den Bayern und hat uns das mit einer etwas merkwürdigen Geschichte versucht zu verklickern, aber wenn man überlegt, dass er uns dafür vorm Abstieg gerettet, sportlich in höhere Regionen geführt und sich mit dem Pokalsieg verabschiedet hat, muss man feststellen, dass er mehr als nur schuldenfrei ist. Das sollten wir nicht vergessen!

Adolf Hütter kommt, möchten Sie ihn hier begrüßen?

Henni: Gude Addi!

Es steht zu befürchten, das Alex Meier in Berlin letztmals für die Eintracht bei der Pokalübergabe in Aktion getreten ist. Frankfurt ohne Meier, was löst das für Empfindungen aus?

Henni: Es wird mir so gehen wie immer, wenn eine große Eintracht-Ära zu Ende geht – es wird mir wehtun. Das war seinerzeit bei Jürgen Grabowski oder Charly Körbel so, und wird bei Alex Meier wieder so sein.

Ich beende jetzt unser Gespräch, mache Schluss. Wollen Sie das letzte Wort haben?

Henni: Nein!

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