26. Januar 2019, 14:38 Uhr

EIshockey

Hauptsache Spaß auf dem Heuchelheimer Eis

Fußballer, Handballer, Basketballer und Normalos. Alle kommen, wenn Peter Medebach über die Facebookseite oder Whatsapp-Gruppe verkündet: »Das Eis hält!«.
26. Januar 2019, 14:38 Uhr
Alle Jahre wieder: Die bunt zusammengewürfelte Truppe aus nah und fern, die beim Eishockeyspielen in Heuchelheim viel Spaß hat. (Foto: gae)

In Windeseile treffen sich dann die Hobby-Eishockey-Cracks zum gemeinsamen Spielchen auf der gefluteten Wiese hinter der Heuchelheimer Sporthalle. Dafür ist kein Verein nötig, keine Zugehörigkeit in einem Verband. Der reine Spaß am Spiel ist der Grund, warum sich die Sportler aus den angrenzenden Dörfern, aber auch von weiter weg treffen und dem Puck hinterherjagen. »Das ist schon toll, dass man im Winter nicht unbedingt über einen Verein zusammenkommt, sondern dass man sich einfach auf dem Eis trifft«, konstatiert Medebach. Der 36-jährige Heuchelheimer hält die Fäden in der Hand und ist sozusagen der Manager der »wild zusammengewürfelten Bande«, die seit vielen Jahren zusammen den Wintersport ausübt.

Die Anfänge sind in den frühen 70er-Jahren zu finden, als es normale Winter gab, der Dauerfrost über Wochen anhielt und der Heuchelheimer Silbersee als Natureisfläche herhielt. Wolfgang Hill, mit 70 Jahren der älteste unter den Kufen-Cracks, erinnert sich gerne an die damalige Zeit. An die Schlittschuh laufenden Pionier-Familien Kreiling und Gärtner, die mit ihren Söhnen Roland, Wolfgang, Harald, Frank sowie Martin und teilweise selbstgebastelten Schlägern oder gebogenen Weidestöcken aufliefen und spielten, bis es dunkel war. Oder an die Phase, als die Kasch-Brüder Wenzel und Josef aus Krofdorf-Gleiberg auf dem Silbersee vorstellig wurden und »Länderspiele« Deutschland gegen Tschechoslowakei ausgetragen wurden. Waren es anfangs Winterschuhe oder Steine, die für die Tore aufgestellt wurden, leistete Günther Herrmann in jenen Tagen einen legendären Beitrag für die Cracks: Der Kinzenbacher schweißte Tore zusammen, die noch heute zum Einsatz kommen.

»Schon damals war für mich Eishockey etwas Besonderes«, erzählt Hill, der in seiner früheren Studentenzeit am Wochenende extra immer von Mainz nach Heuchelheim gondelte, um zu spielen. Daraus sind langjährige Freundschaften entstanden. Er führte seine drei Söhne an den Eishockeysport heran – wie es einst »seine Vorbilder« aus Heuchelheim machten. Und mit stolz geschwellter Brust erzählt er, dass er mit allen drei einmal zusammen auf dem Eis agierte. Ihn fasziniert die Schnelligkeit des Sports, obwohl er naturgemäß körperlich nachgelassen hat, das schnelle Auge, was man beim Skifahren benutzt – und natürlich der aufgenommene Sauerstoff. »Ich bin manchmal geistig müde. Aber wenn ich vom Eishockey nach Hause komme, fühle ich mich wie ausgewechselt. Zwar körperlich schlapp, aber im Hirn frisch«, erklärt der Lahnauer und fügt an: »Es macht unheimlich Spaß, mit jungen Leuten zu spielen. Das hält einen jung.«

Einer der jungen Spieler ist Tyler Kattin. Den Zwölfjährigen aus Dorlar hat der Sport auf dem Eis so begeistert, dass er sich vor zwei Jahren dem EC Bad Nauheim anschloss und dort nun in der Jugendmannschaft spielt. Sein Vater Marc hat ihn immer nach Heuchelheim zum Eishockey mitgenommen. »Fußball, Basketball und Tennis hat mir keinen Spaß mehr gemacht«, erläutert der Herderschüler den Grund des Sportartenwechsels. Im aktuellen »Heuchelheimer« Team fühlt er sich wohl – als vollständiges Mitglied in jeder Mannschaft, obwohl er beim einsatzbetonten Spiel körperlich unterlegen ist. »Das sind alles nette Leute, und Eishockey ist ein Teamsport«, so Tyler Kattin.

Der allerjüngste im Kreise der rund 30-köpfigen Truppe ist Leandro Kreisz mit ganzen vier Lenzen, aber schon ausgerüstet wie ein Profi. Gitterhelm, Trikot mit Nachnamen hintendrauf und Minischläger. Natürlich ist Papa Alexander stolz auf den Kleinen, der in den Pausen mit aufs Feld darf und sich schon im Eins-gegen-Eins übt.

Altersmäßig nicht ganz so früh kam Robert Volkmann mit dem Eis in Kontakt. Aber als Heuchelheimer kennt er das Treiben hinter der Sporthalle von kleinauf. »Ich bin zum Schlittschuhlaufen oder Eishockeyspielen immer hier runtergekommen. Es gibt ja kaum Möglichkeiten im Umkreis. Und wenn es direkt vor der Haustüre ist, umso besser«, sagt der 26-jährige Student der Sportwissenschaften, der Kommilitonen aus Mainz im Schlepptau hat, wenn es wieder auf den glatten Untergrund geht.

Alle Fäden laufen bei Medebach zusammen. Die ehemalige Offensivkraft des SC Waldgirmes, wo er im Mittelfeld, später auch im Sturm in der Fußball-Oberliga aktiv war, ist beim Eishockey-Zocken der ruhende Pol, der hinten abräumt und dann klug aufbaut. »Wenn das Finnland-Hoch mitgemacht hat, haben wir immer hier gespielt«, so der Heuchelheimer. Ihn fasziniert die altersmäßige Bandbreite der Truppe. Und: »Wir haben keinen Gruppenzwang. Dass sich hier bei Eis Fußballer, Handballer, Basketballer oder ganz normale Leute treffen und gemeinsam Zocken, das ist für mich faszinierend.«

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