04. September 2018, 12:00 Uhr

Basketball

Harnisch als SPD-Sportbotschafter

Henning Harnisch stach schon immer heraus. Als Basketballer, als Manager von Alba Berlin oder nun als SPD-Unterstützer für die Landtagswahl: Der 50-Jährige will Kinder in Bewegung bringen.
04. September 2018, 12:00 Uhr
Henning Harnisch, ehemaliger Gießener Bundesliga-Basketballer und jetziger Vizepräsident von Alba Berlin, tourt als SPD-Unterstützer durch Hessen und betreibt dabei Werbung für seine innovative Idee. (Foto: Gärtner)

Mit einem Rucksack auf dem Buckel, in Shorts, mit T-Shirt und Turnschuhen bekleidet, betrat Henning Harnisch die Räume unseres Verlages. Nicht gerade das übliche Outfit eines Politikers, der sich auf Wahl-Sporttour befindet. Das Wiedersehen fiel mit einer festen Umarmung und gegenseitigem Schulterklopfen herzlich aus. Wenn man sich über 33 Jahre kennt, viele Basketballspiele gemeinsam, aber aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen und erlebt hat, ist das eine ganz normale Begrüßung.

Die Idee, die er in seinem Kopf entwickelt und die er nun auch im Berliner Stadtteil Gropiusstadt verwirklicht hat, ist dagegen alles andere als normal. Sie ist innovativ – aber vor allem förderlich für Kinder. In der Großwohnsiedlung im Berliner Bezirk Neukölln hat er als Funktionär des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin sein Sportmodell konsequent umgesetzt. Hier werden immer mehr Kinder in Bewegung gebracht. »Kinder sollen es leichter haben, den Zugang zum Sport zu erhalten. Ich will es nicht dem Zufall überlassen, ob Kinder zu Sportlern werden«, erklärt Harnisch.

 

Kein SPD-Mitglied

Das Konzept von Harnisch wird bereits beim Kooperationspartner Lich Basketball angewendet. Die Idee soll sich hessenweit ausdehnen. So ist auch der Kontakt zu Thorsten Schäfer-Gümbel entstanden, da seine Frau Annette damals als Licher Basketball-Abteilungsleiterin die Verbindung aufgrund des Modells zu Harnisch herstellte.

»Ich bin kein SPD-Mitglied. Aber ich sympathisiere mit den Ideen der Partei«, konstatiert der in Marburg geborene und aufgewachsene Harnisch. Ihm geht es um soziale Gerechtigkeit. Das sei ihm aber zu abstrakt. Über den Sport könne man das konkret machen – für ein sozialeres Miteinander.

 

Die Rolle des Prozessmanagers

Zurzeit tourt er mit einem Team durch Hessen, probiert Sportarten aus und spricht mit Trainern, Lehrern und Erziehern darüber. Auf das Rhönradturnen in Groß-Eichen freute er sich besonders – das ist sogar für das Multitalent Neuland. Harnisch wünscht sich, dass man Leuchtturm-Orte schafft und dass seine Sportidee Realität wird. Sport soll als Teil des Sozialsektors festgeschrieben werden. Das macht er publik und sieht sich in der Rolle des Prozessmanagers.

Was für ihn letztlich auf politischer Ebene in Hessen herausspringen kann, vermag er noch nicht zu sagen. »Welcher Titel oder welches Amt es wird, darum geht es mir nicht. Ich bin hier angetreten, um die Grundvoraussetzungen zu schaffen, dass meine Ideen in Hessen umgesetzt werden können. Ich möchte, dass Hessen das überragende Sportland Deutschlands wird«, erklärt Harnisch.

 

Eine Ganzheitlichkeit im System muss her

Es gebe zwar Sportvereine sowie Sport an der Schule, und trotzdem sagen viele: Unsere Kinder können nicht rückwärts laufen oder einen Purzelbaum schlagen. »Das ist kein Naturgesetz. Man muss Sport und Bewegung neu denken«, war das für Harnisch der Anstoß. Er lernte in seiner Jugend mit Toben, Klettern, Bolzen und Straßentennis, ehe er sich später dem Basketball-Profitum verschrieb, die vielen Facetten des Sports kennen. Die sollen die Kinder aus den Kitas und Grundschulen ebenfalls erfahren. Das steigere enorm die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch im späteren Leben sportlich aktiv bleiben und ein gesundes Leben führen.

Die enge Vernetzung von Schulen, Kindergärten, Sportvereinen, Kommunen und Partnern aus Wirtschaft und Sport ist dabei unabdingbar. »Eine Ganzheitlichkeit mit einem System muss her, sodass alle Kinder die gleiche Chance haben«, fordert der Ex-Basketball-Nationalspieler, der 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona im Spiel gegen das legendäre US-Dream-Team zeitweise den damaligen Superstar Michael Jordan decken musste. Zwischen den einzelnen Institutionen oder Ebenen müssten »Mittler«, wie es Harnisch formuliert, fungieren.

Der ehemalige Basketball-Bundesligaspieler des MTV 1846 Gießen weiß, dass man dies nicht alles aufbauen kann, ohne neue Jobs zu generieren. Für ihn sind es die »Sportentwickler«, eine Art von Sportmanager für eine bestimmte Region, die sich um den ganzheitlichen Ablauf auf allen Ebenen kümmern müssen – sportlich wie finanziell. Über Mittel von Schulen oder aus Bildungstöpfen könnten diese Manager finanziert werden.

 

Prediger-Gen

In seiner aktiven Zeit als Basketball-Profi war der Dunking sein Markenzeichen, den er in den 80er Jahren in der Bundesliga salonfähig gemacht hat. Es war – und ist auch heute noch – ein Zeichen an den Gegenspieler, du kannst mich auf dem Weg zum Korb und Punkten nicht aufhalten. Was den Werdegang und die Entwicklung von Harnisch bestens charakterisiert. Ein Freigeist. »Ich habe ein Prediger-Gen. Wenn ich merke, es ist wichtig und es läuft, dann vertrete ich das gerne auch gegen Widerstände. Gerade im Sport braucht es das«, unterstützt er das vorher Festgestellte.

Mit 30 Jahren zog er einen Schlussstrich unter seine Basketball-Karriere, studierte in Berlin Film- und Kulturwissenschaften und arbeitete nebenbei als Journalist. 2004 kehrte er als Teammanager zu Alba Berlin zurück, seit 2010 ist er Vizepräsident des Basketball-Clubs und verantwortlich für die Nachwuchsförderung. Sein übergeordnetes Ziel: »Kinder sollen glückliche Sportbürger werden.« Und das will er nun in seiner hessischen Heimat vorantreiben.

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