16. Dezember 2018, 17:56 Uhr

Auswärtspleite

HSG Wetzlar zeigt anderes Gesicht

Einen gebrauchten Tag erwischte Handball-Bundesligist HSG Wetzlar am Samstag beim HC Erlangen. Nur kurzzeitig konnten die Grün-Weißen mithalten, waren beim 20:27 aber chancenlos.
16. Dezember 2018, 17:56 Uhr
Maximilian Holst ist einer der wenigen Wetzlarer Bundesliga-Handballer, die bei der gesichtslosen 20:27-Vorstellung beim HC Erlangen nicht an Gastgeber-Keeper Nikolas Katsigiannis verzweifeln. (Foto: Vogel)

HSG Wetzlar


Als die Uhr in der Nürnberger Arena auf die 60:00 Minuten sprang, stürmten die Akteure des HC Erlangen in Richtung ihres eigenen Tores. Einen Wimpernschlag später war Torhüter Nikolas Katsigiannis in einer Jubeltraube verschwunden. Denn sie wussten, wem sie den 27:20 (13:9)-Sieg über die HSG Wetzlar hauptsächlich zu verdanken hatten. Für die Mittelhessen war der 36-Jährige am Samstagabend vor 4418 Zuschauern kaum zu überwinden: 17 Würfe parierte er, fast die Hälfte aller Bälle, die auf seinen Kasten kamen.

War der Keeper der entscheidende Mann auf Seiten der Gastgeber, so trugen auch die Gäste ihren Teil zu ihrer eigenen Niederlage bei: Geradezu fahrlässig gingen die Wetzlarer mit dem Spielgerät um, häuften technische Fehler an und schickten die Erlanger so immer wieder auf Tempogegenstoß-Reisen, konnten ihrerseits aus Ballgewinnen aber keine schnellen Tore erzielen.

In der ersten Hälfte konnte die HSG nach einem 4:9-Rückstand (18.) sich noch einmal auf 8:9 (23.) herankämpfen – das sollte jedoch der kleinste Rückstand für den Rest der Partie bleiben. Beim 24:15 für Erlangen (48.) drohte gar ein völliges Debakel, am Ende konnten die Wetzlarer immerhin den Schaden einigermaßen begrenzen.

HSG-Geschäftsführer Björn Seipp und sein Trainer Kai Wandschneider waren dennoch nach der Partie bedient: »Ich hätte mir gewünscht, dass der ein oder andere Akteur etwas disziplinierter spielt. Einige Spieler waren nicht da«, grummelte der Coach, sein Manager sekundierte: »Ein Stück weit kann man die Leistung begründen, ein Stück weit hat es mich auch überrascht nach den Leistungen der letzten Wochen. Auf der Heimfahrt und morgen muss der ein oder andere nachdenken, wie er in so eine Partie geht«, nahm Seipp die Mannschaft nach der Niederlage gegen den Tabellennachbarn in die Pflicht. Die HSG Wetzlar hatte einmal mehr in dieser Saison ihr anderes Gesicht gezeigt.

Es war jedoch nicht so, als hätte Wandschneider im Spiel Möglichkeiten gehabt, auf die Performance seiner Schützlinge zu reagieren: Wetzlar musste das Spiel mit einer Rumpftruppe bestreiten, gleich sechs Spieler fielen aus. Zu den Langzeitverletzten Tibor Ivanisevic und Lars Weissgerber gesellten sich Alexander Herrmann (Sehnenentzündung in der Fußsohle), Stefan Kneer (Rückenprobleme) – und bei der Abfahrt am Samstag vormittag kam auch noch Joao Ferraz hinzu, der sich mit Nackenproblemen abmeldete. Kurios zudem der Grund für das Fehlen von Maximilian Lux: Der Rechtsaußen, im Oktober von den Mittelfranken nach Mittelhessen gewechselt, darf aufgrund der Transfervereinbarung mit dem HCE in beiden Spielen gegen seinen ehemaligen Verein nicht auflaufen.

Und so fehlte es Wetzlars Trainer an Alternativen, mit denen er die schwachen Stefan Cavor, Anton Lindskog und Co. hätte ersetzen können. Gerade der Montenegriner hatte einen Tag zum vergessen erwischt, wurde allerdings auch von Wandschneider in Schutz genommen: »Er spielt eigentlich schon die ganze Saison alleine auf dieser Position. Da ist es klar, dass er langsam ein bisschen platt ist.«

Lichtblicke waren Maximilian Holst, dem auch Wandschneider ein »gutes Spiel auf Linksaußen« bescheinigte, und der mit seinen acht Toren die Wetzlarer Offensive fast im Alleingang am Leben erhielt, sowie einmal mehr Till Klimpke, der mit seiner Leistung im Tor bis zur Pause dafür sorgte, dass nicht schon nach 30 Minuten alle Hoffnungen auf einen Sieg erloschen waren.

So feierten am Ende zwar auch Mittelhessen, aber eben deutlich weniger, als der HSG lieb gewesen wären: Mit Trainer Adalsteinn Eyjolfsson, ehemals beim TV 05/07 Hüttenberg unter Vertrag, dem TVH-Eigengewächs Dominik Mappes, der mit sieben Treffern überzeugte und die Wetzlarer Deckung insbesondere im zweiten Durchgang immer wieder vor unlösbare Probleme stellte, sowie Sportdirektor Kevin Schmidt sind drei Herren, die eng mit der Region verbunden sind, entscheidende Akteure auf Seiten der Franken. Für Björn Seipp kein Trost: »Ich freu mich ja, dass sie sich hier wohlfühlen und offensichtlich gute Arbeit leisten. Aber wenn ich jetzt sagen würde, dass ich mich deswegen heute weniger ärgern würde, würde ich lügen.«

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