23. Mai 2018, 17:04 Uhr

HSG Wetzlar

HSG Wetzlar steht vor großem Umbruch

Der nächste Umbruch steht bevor. Handball-Bundesligist HSG Wetzlar verabschiedet nach dem Heimspiel gegen TBV Lemgo sieben Top-Kräfte und muss sich ab Juli einmal mehr neu erfinden.
23. Mai 2018, 17:04 Uhr
Benjamin Buric

HSG Wetzlar


Bei der HSG Wetzlar heißt es Abschied nehmen. Im letzten Heimspiel der Saison tritt der Handball-Bundesligist am Donnerstag zunächst um 19 Uhr gegen den TBV Lemgo an, ehe es dann daran geht, sieben Spieler »Auf Wiedersehen« zu sagen. Sieben grün-weißen Handballern, die ihren Anteil am abermals herausragenden Abschneiden im Oberhaus 2017/18 hatten.

 

Kasper Kvist

Der Däne und wurde am 5. September 2016 vom HC Midtjylland für eine Saison verpflichtet, nachdem sich Maximilian Holst den zweiten Kreuzbandriss zugezogen hatte. Bereits einen Tag später kam der 29-Jährige im Spiel gegen THW Kiel zum Einsatz und führte sich gleich mit vier Toren in die Bundesliga ein. Es gelang ihm schnell, sich zu integrieren – und so war die logische Folge die Vertragsverlängerung bis 2018. HSG-Geschäftsführer Björn Seipp damals: »Er hat uns menschlich und sportlich vollends überzeugt.« In 33 Spielen hatte der Linksaußen 104 Tore erzielt und einen großen Beitrag zum guten Abschneiden in der Rekordsaison beigesteuert. Nun zieht es den Familienvater zurück in die Heimat, obwohl die HSG ihn gerne behalten hätte. Bereits im Dezember hatte er seine Entscheidung, zum dänischen Erstligisten Ribe-Esbjerg HH zu wechseln, wo er einen Dreijahresvertrag unterschrieben hat, bekanntgegeben.

 

Jannik Kohlbacher

2015 wechselte der damals 20-Jährige vom TV Großwallstadt an die Lahn. Der Jugendnationalspieler avancierte schnell zum Publikumsliebling und wurde im November des gleichen Jahres erstmals von Nationaltrainer Dagur Sigurdsson in den Kader der deutschen Nationalmannschaft berufen. Am 31. Januar 2016 wurde Kohlbacher in Polen Europameister und ist inzwischen eine feste Größe im Nationalteam. Das liegt auch an der Arbeit mit HSG-Trainer Wandschneider, der den auf den Angriff fokussierten Kreisläufer behutsam aufbaute und ihn Stück für Stück auch für die Abwehr fit machte. »Bei Kai durfte ich im Grunde jedes Spiel 60 Minuten durchspielen, wofür ich vom ersten Tag an immer noch super dankbar bin. Dadurch kann man sich natürlich entwickeln, wenn man gerade im ersten und zweiten Jahr den einen oder anderen Fehler mehr machen durfte.« Nun zieht es den passionierten Angler zu den Rhein-Neckar Löwen, bei denen er einen Dreijahresvertrag unterschrieben hat. Sein letztes Spiel machte »Kohli« im Pokal-Halbfinale gegen Hannover. Das Final 4 war zum Abschluss sein großes Ziel mit der HSG, ehe er sich freie Gelenkkörper aus dem Ellbogen des Wurfarms operativ entfernen ließ.

 

Philipp Pöter

Der Mittelmann kam vor zwei Jahren vom SC DHfK Leipzig nach Wetzlar und hatte bereits vor Dienstantritt die erste Hürde zu bewältigen. Etwa fünf Monate vor dem Trainingsauftakt der HSG hatte er sich das Sprunggelenk gebrochen und das Syndesmoseband abgerissen. Doch »Pippo« verlegte seinen Urlaub ins Rehazentrum und wurde pünktlich fit. Bereits im Trainingslager zeigte er Leaderqualitäten, wurde im August aber noch vor Saisonbeginn jäh aus dem Spielbetrieb gerissen. Nach Untersuchungen im Universitätsklinikum Gießen wurde ihm von den Ärzten ein absolutes Leistungssportverbot erteilt. Erst Mitte Dezember kehrte der Stratege zurück und blieb vom Pech verfolgt. Im März 2017 riss er sich im Training das Außenband im Fuß, war aber nach zwei Wochen wieder im Einsatz. »Ich wollte einfach wieder Handball spielen«, schmunzelte er am Dienstag. Heute werden ihm die Platten am Fuß entfernt, damit er beim letzten Heimspiel morgen zurück in der Arena ist. »Das war mir ganz wichtig. Ich werde auch zum letzten Spiel mit nach Stuttgart fahren.« Auf seine Zeit in Wetzlar blickt er in Demut und Zufriedenheit zurück. »Es war ein Auf und Ab, aber ich habe es natürlich genossen, bei so einem etablierten Verein wie der HSG Wetzlar spielen zu dürfen.«

 

Nikolai Weber

Der Kapitän hat insgesamt 13 Jahre seiner Karriere bei den Grün-Weißen verbracht. Mit Zwischenstationen beim TV Gelnhausen und der TSV Hannover-Burgdorf begann er seine Karriere bei der HSG im Jahr 2000 und schließt sich zur neuen Saison dem Rivalen TV 05/07 Hüttenberg an. In Wetzlar hat er ein Job-Angebot für das operative Geschäft ausgeschlagen und sich für die Fortführung seiner sportlichen Laufbahn entschieden. »Ich bin noch fit und habe einfach Bock auf Handball«, begründete er seine Entscheidung, die keine gegen die HSG war. »Die letzten drei Jahre sind nur so dahin geflogen«, schaut er zurück. Das lag einerseits daran, dass er mit Andreas Wolf und Benjamin Buric zwei starke Kollegen vor sich hatte. Zum anderen aber auch daran, dass sich ein privates Highlight an das andere reihte. Hausbau, Hochzeit, die Geburt seiner Tochter, weiteres berufliches Standbein. »Es gab viele Nebenschauplätze und wir sind in diesen drei Jahren relativ galant durch die Liga gerutscht«, schmunzelt »Niko«. Seinen Abstecher nach Hannover hatten ihm die Wetzlarer Fans nur kurzzeitig krumm genommen, umso größer war die Freude über seine Rückkehr. Nun geht der dienstälteste Grün-Weiße wohl ein letztes Mal – bleibt dem heimischen Handball aber erhalten.

 

Evars Klesniks

Mit dem Letten verlässt ein absoluter Publikumsliebling die HSG. Seit 2013 trägt er das Wetzlarer Trikot und ist vor allem für seine kompromisslose, aber dennoch sportliche Abwehrarbeit bekannt. Mit 33 Jahren kam er an die Lahn und erlebte als Abwehrchef seinen dritten Handball-Frühling. »Ich will noch so lange spielen, so lange es nicht blöd aussieht, wenn ich auf dem Feld stehe«, hatte er 2015 gesagt. Aufgrund von Schulterproblemen kam er nur selten im Angriff zum Einsatz. Und wenn, war er aber immer für ein, zwei Tore, vor allem in den Anfangsminuten, gut. Mit seiner Abwehrrolle hatte er sich schnell arrangiert und war in den letzten Jahren als Co-Kapitän seiner Führungsrolle gerecht geworden. Im Pokalspiel gegen die HSG Konstanz im August 2017 erlitt der Hüne einen Bandscheibenvorfall, der ihn auf den OP-Tisch und in monatelange Reha beförderte. Zwischendurch sah es fast so aus, als würde »Ebbe« seine Karriere vorzeitig beenden müssen. Doch er kämpfte sich zurück und kann seinen Abschied auf der Platte feiern.

 

Benjamin Buric

Als sein Name erstmals im HSG-Kosmos auftauchte, war »Benko« ein unbeschriebenes Blatt. Der bosnische Nationaltorwart überzeugte jedoch von Beginn an und schlug in Wetzlar ein wie eine Bombe. Selbst sein Entdecker und Trainer Jasmin Camdzic, der Buric zur Zeit seiner Verpflichtung als sehr talentierten und entwicklungsfähigen Torwart beschrieb, war überrascht. Mit seinem Ehrgeiz und seiner körperlichen wie psychischen Stabilität eroberte er die Wetzlarer Herzen im Sturm. Im Gedächtnis bleiben wird aber auch das kuriose Eigentor im April 2017. »Benko« feierte nach einer Parade überschwänglich und bekam dabei nicht mit, dass Mitspieler Stefan Cavor ihm den Ball zupasste. Noch immer mit Feiern beschäftigt, trudelte der Ball hinter Buric ins Tor und sorgte noch lange für Lacher. Bereits im September 2017 verkündete er dann seinen Wechsel zur SG Flensburg/Handewitt und untermauerte diese Entscheidung mit einer fantastischen Leistung beim Sieg gegen den THW Kiel. »Der HSG Wetzlar habe ich sehr viel zu verdanken, denn sie hat mir die Chance gegeben, mich in der stärksten Liga der Welt zu beweisen«, sagte Buric nach dieser Partie.

 

Miroslav Volentics

Der slowakische Nationalspieler kam im September 2017 nach Wetzlar, um den Ausfall des Rechtsaußen Tim Rüdiger zu kompensieren. Als Backup für Kristian Björnsen geholt, hatte der Linkshänder allerdings nur ganz wenig Spielanteile. (Fotos: Vogler/Cherkow)

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