03. September 2017, 21:04 Uhr

Auswärtspleite

HSG Wetzlar: Viel Positives, aber keine Punkte

Lange geführt, doch am Ende in die Röhre geschaut. Die HSG Wetzlar verliert am Sonntagnachmittag mit 27:29 beim TSV Hannover-Burgdorf. Die Analyse zum Spiel.
03. September 2017, 21:04 Uhr
Umkämpft war die Partie in Hannover für Jannik Kohlbacher und die HSG Wetzlar. Nationalmannschaftskollege Kai Häfner hat den Kreisläufer hier am Schlafittchen. (F: Schilling)

HSG Wetzlar


Nach zähem Ringen und einer überaus ausgeglichenen Bundesliga-Partie musste sich die HSG Wetzlar bei der TSV Hannover-Burgdorf am Sonntagnachmittag mit 27:29 (15:14) geschlagen geben. Ausschlaggebend dafür vor allem die vielen vergebenen Wurfchancen der Mittelhessen in der letzten Viertelstunde.

Kristian Björnsen und Stefan Cavor eröffneten auf Seite der HSG den Torreigen nach Anspielen von Spielmacher Filip Mirkulovski. In einem offenen Schlagabtausch, mit etlichen Kämpfen in den Abwehrreihen, blieb das Spiel ausgeglichen. Die gelben Karten waren bereits nach neun Spielminuten auf beiden Seiten verbraucht und so erwischte es als ersten Mirkulovski, der beim Stand von 8:9 für zwei Minuten auf die Bank beordert wurde (15.). Hannover nutzte die Zeitstrafe zum 10:8 durch Torge Johannson, obwohl die HSG in Unterzahl den Torwart zugunsten eines sechsten Feldspielers opferte. In dieser Phase vergab Björnsen einen Siebenmeter, er blieb an TSV-Keeper Martin Ziemer hängen. Nach einer Parade von Wetzlars Benjamin Buric setzte Trainer Kai Wandschneider einen Impuls und stellte Nikolai Weber ins Tor. Der war kaum im Spiel, als er sich, wiederum in Unterzahl – Stefan Cavor hatte eine Zeitstrafe kassiert - das erste Mal auszeichnete und so den 10:10-Ausgleich durch Mirkulovski ermöglichte.

 

Führung zur Halbzeit verspielt

 

Beide Abwehrreihen agierten sehr beweglich und packten beherzt zu, was vor allem auf Seiten der HSG zu vier Zeitstrafen in der ersten Halbzeit führte. Die Teams mussten sich ihre Treffer hart erarbeiten und so griff TSV-Coach Carlos Ortega nach der 12:11-Führung der Gäste durch Joao Ferraz nach der grünen Karte. In seiner Ansprache verlangte er mehr Power und Aggressivität von seinen Männern, doch auch in der Folge war es Wetzlar, das den Ton angab. Trotz Zeitstrafen für Björnsen und Ferraz, aber einigen Paraden von Weber, setzten sich die Grün-Weißen mit einem Tor von Jannik Kohlbacher auf 15:11 (27.) ab. Das lag vor allem an einer aufmerksamen Wetzlarer Abwehr – Björnsen fing einen Pass von Mait Patrail auf Kasper Mortensen ab – und vermehrten technischen Fehlern der Gastgeber. Zudem blieben die Wetzlarer in Unterzahl immer ruhig, spielten ihre Angriffe mit Herausnahme des Torhüters geduldig aus.

In der 28. Minute sagte Wandschneider in seiner Auszeit den nächsten Unterzahl-Spielzug an, doch erst scheiterte Cavor an Ziemer, dann bekam auch Björnsen die Kugel frei von sechs Metern nicht an dem ehemaligen Nationalkeeper vorbei. Und der drehte in den letzten Minuten auf, brachte wieder Cavor und Mirkulovski zur Verzweiflung und verschaffte seiner Mannschaft damit die Möglichkeit zur Pause auf 14:15 zu verkürzen.

 

Kvist besorgt die 23:20-Führung

 

In der zweiten Hälfte ging es Spitz auf Knopf weiter. Hannover agierte mit einer offensiveren Deckung auf Cavor. Weber hielt den Seinen zwar weiterhin den Rücken frei, doch die HSG produzierte im Vorwärtsgang zu viele individuelle technische Fehler: Fehlpass von Mirkulovski, der in der ersten Hälfte das Spiel der HSG gut gesteuert hatte, auf Björnsen. Stürmerfoul Alexander Hermann. Zudem landeten einige Abpraller beim Gegner, der in Überzahl mit zwei Kreisläufern die HSG-Abwehr zu knacken versuchte.

Trotz allem drehte sich das Blatt aber wieder zugunsten der Wetzlarer. Philipp Pöter, der für Mirkulovski in die Partie kam, setzte sich im Eins-gegen-Eins-Spiel zum 21:20 (41.) durch, Hermann erhöhte eine Minute später auf 22:20. Der Wetzlarer Rückraum brachte die TSV-Abwehr gut in Bewegung und so eröffneten sich immer wieder Lücken in der Mitte – die Außenpositionen blieben aber weitgehend unbeschäftigt. In der Abwehr sorgte ein Block gegen Kai Häfner für einen Gegenstoß und so zur 23:20-Führung durch Kasper Kvist.

 

Bis zur 47 Minuten alles in Ordnung

 

Sofort legte TSV-Trainer Ortega die grüne Karte und unterband so den Lauf der Gäste. Die HSG hatte bis hierhin im Angriff vieles richtig gemacht, sich den Gegner hingestellt und souverän auf die kleine Schwächephase reagiert. Bis zur 47. Minute war aus Sicht der Grün-Weißen noch alles in Ordnung, so machte Cavor das Tor zur 24:21-Führung. In der Folge spielte Wetzlar zwar weiter gut seine Angriffe aus, doch die Treffsicherheit geriet abhanden. TSV-Torhüter Malte Semisch kochte Björnsen zwei Mal ab, Kohlbacher warf vom Kreis per Aufsetzer über den Hannoveraner Kasten – und schon nahm Wandschneider eine Auszeit.

Die Partie auf Augenhöhe setzte sich fort. Maik Patrail zog in Abwesenheit des verletzten und schmerzlich vermissten Spielmachers Morten Olsen die Fäden, wusste hier und da mit guten Anspielen zu glänzen und machte selbst drei Tore. Auf der anderen Seite kam HSG-Nachwuchskeeper Till Klimpke zu seinem Auftritt und parierte von Kasper Mortensen einen Siebenmeter. Aber auch Ziemer parierte gegen Holst und Kvist und hielt die 26:25-Führung für Hannover fest.

So begann die heiße Schlussphase, in der Runar Karasons Strafwurf in der 57. Minute nach langer Zeit die Zwei-Tore-Führung für Hannover bedeutete. Wetzlar warf noch einmal alles nach vorne, doch auch Lindskog setzte vom Kreis per Aufsetzer den Ball an die Latte. So musste die HSG nach großem Kampf und gutem Spiel eine 27:29-Niederlage hinnehmen.

 

Seipp: »Wenn man so viele freie Bälle verwirft, darf man sich nicht beschweren«

 

»Wir haben es einfach nicht geschafft, uns in der Schlussviertelstunde zu belohnen«, monierte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. »Wenn man so viele freie Bälle verwirft, darf man sich nicht beschweren, wenn man nicht als Sieger vom Feld geht.« Wetzlar hatte sehr lange sowohl spielerisch wie auch kämpferisch beim TSV mitgehalten. »Ich bin eigentlich total zufrieden mit unserem Auftritt heute«, erklärte Wandschneider. »Wir haben sehr gut gedeckt, hatten eine gute Torwartleistung und waren spielerisch stark. Eine Niederlage ist selten so einfach zu erklären. Wir haben in der Schlussphase sieben Bälle verworfen, darunter zwei Siebenmeter. Kompliment an Hannover – man muss im richtigen Moment auch mal den richtigen Torwart im Tor haben«, schmunzelte der Hamburger.

Ein Lob ging an die Abwehr um Stefan Kneer und Anton Lindskog sowie Alexander Hermann, der mit sieben Toren Wetzlars erfolgreichster Werfer war. »Wir nehmen hier auch viel Positives mit.«

TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer, Semisch; Johannsen (3), Mortensen (6/3), Patrail (3), Pevnov (1), Lehnhoff, Häfner (5), Atman, Böhm (1), Karason (4/3), Olsen (n.e.), Brozovic (7), Kalafut, Christophersen, Kastening.

HSG Wetzlar: Klimpke, Buric, Weber; Hermann (7), Kneer (2), Björnsen (2/1), Pöter (1), Ferraz (1), Mirkulovski (1), Holst (1/1), Forsell Schefvert, Kvist (1), Lindskog, Cavor (6), Kohlbacher (5).

Im Stenogramm / SR: Thöne/Zupanovic (Berlin). – Z.: 4203. – Zeitstrafen: 10:14 Min. – Siebenmeter: 8/7:5/2.

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