04. März 2018, 22:14 Uhr

HSG Wetzlar

HSG Wetzlar: Legenden geboren

Die HSG Wetzlar hat nach 1997 und 2001 zum dritten Mal das DHB-Pokal-Final 4 erreicht. Das Viertelfinal-25:21 (11:9) am Sonntag über den TVB Stuttgart war ein rauschendes grün-weißes Fest.
04. März 2018, 22:14 Uhr
Im Jubel vereint. Die Wetzlarer Bundesliga-Handballer haben das DHB-Pokal-Final 4 in Hamburg erreicht. (Foto: ras)

HSG Wetzlar


Der 4. März 2018 geht auf jeden Fall in die Geschichte der Mittelhessen ein. Derweil die 97er und 98er HSG-Legenden Horst Spengler, Rainer Dotzauer und Thomas Michel an der Seitenlinie mitfieberten, wurden neue Wetzlarer Handball-Legenden geboren.

Von den Glanztaten eines Benjamin Buric im Tor mit seinen 15 (!) parierten Würfen wird man in vielen Jahren noch erzählen. Von einem Filip Mirkulovski ebenfalls, der ab seinem 14:12 in der 40. Minute das Spiel seines Lebens machte und in dem Moment die Verantwortung übernahm, als die Angst vor dem Pokal-Aus die Wetzlarer Seele aufzuessen drohte. Und von einer Mannschaft natürlich, die über die frühe Annahme des Kampfes nach einer Viertelstunde das Spielen vergaß, aber mit Mut, Entschlossenheit und Teamgeist für Begeisterungsstürme wie einst mit Sigurdur Bjarnason und Wolfgang Klimpke sorgte.

 

Hingabe, Leidenschaft und Wille

»Mein Team hat mit Hingabe, Leidenschaft und Willen etwas ganz Besonderes geschaffen«, stimmte auch Trainer Kai Wandschneider diesen Lobgesang an, »man hat gesehen, das viele meiner Spieler angespannt waren, weil jeder wusste, was auf dem Spiel stand. Filip Mirkulovski aber ist, das muss man so deutlich hervorheben, der entscheidende Mann gewesen.«

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Der mazedonische Nationalspieler löste alle Wetzlarer Probleme im Angriff auf einen Schlag. Der 34-Jährige traf Entscheidungen im Dutzend – und immer die richtigen. Sechs herausragende Eins-gegen-eins-Aktionen schloss er erfolgreich ab und verhinderte beim 15:14 (45.) und 18:17 (50.) drohende Wetzlarer Rückstände. Mit seinem 21:18 (55.) und 22:19 (56.) führte der Regisseur die Grün-Weißen zurück in die Erfolgsspur, aus der diese sich nach dem hoffnungsvollen 4:0-Schnellstart (8.) eine halbe Stunde lang selbst herausmanövriert hatten.


Technische Fehler wie roter Faden

Filip Mirkulovski (Mitte) nahm es beim Spiel seines Lebens mit jedem auf – hier mit den Stuttgartern  Manuel Späth (l.) und Samuel Rothlisberger (r.).	(Foto: ras)
Filip Mirkulovski (Mitte) nahm es beim Spiel seines Lebens mit jedem auf – hier mit den St...

Zum eine schmeckte den Gastgebern, bei denen Nationalspieler Jannik Kohlbacher nur mit Hilfe einer Spezialeinlage im Schuh auflaufen konnte, die offensivere Stuttgarter Deckung nicht, zum anderen liefen auf TVB-Seite gerade die beiden Altstars Michael Kraus und Johannes Bitter zu großer Form auf, sodass die Vier-Tore-Führung beim 6:4 (14.) halbiert war.

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Dazu gesellten sich drei, vier eklatante technische Fehler, die sich für die nächste halbe Stunde wie ein roter Faden durch das Spiel beider Mannschaften zogen. So lagen die Wetzlarer nach einem Holst-Siebenmeter zwar weiter vorn (10:7, 22.), zu sich selbst wie zuletzt gegen Göppingen, in Kiel und gegen N-Lübbecke fanden die Ferraz und Co. aber dennoch nicht.

»Mimi« Kraus mit seinem Siebenmeter zum 9:10 (26.) sowie die nichts mehr anbrennen lassenden baumlangen TVB-Innenblocker Dominik Weiß und Manuel Späth machten der HSG Wetzlar mehr und mehr das Leben schwer. Im Positionsangriff kamen die Halbspieler links und rechts kaum zum Zug, das Spiel der Wandschneider-Truppe lebte in dieser Phase überwiegend von den Buric-Paraden oder den verwandelten Siebenmetern von Maximilian Holst.

 

Kein Halten mehr

In der 36. Minute drohte die Partie sogar zu kippen, als Anton Lindskog für ein Allerweltsfoul zwei Minuten und für seine nachfolgende wegwerfende Handbewegung eine Doppelstrafe kassierte, die durch seine erste Zeitstrafe in der 18. Minute rot zur Folge hatte. Stuttgart nutzte die kurzzeitige Wetzlarer Verwirrung und die Überzahl zum 11:13 (37., Schagen) und 12:13 (38., Späth ins leere Tor).

Derweil die Halle kochte, war auf dem Parkett ein kühler Kopf gefragt. Der hieß vorne Filip Mirkulovski, der die HSG Wetzlar in den letzten 20 Minuten praktisch im Alleingang ins Final 4 beförderte. Hinten war es Benjamin Buric, der nacheinander Bobby Schagen (40.), Manuel Späth (41.), Michael Schweikardt (49., 54.), Michael Kraus (53.) und Sascha Pfattheicher (59.) zum Teil frei stehend den Zahn zog. Jürgen Schweikardt, der Stuttgarter Interimstrainer, trauerte diesen verpassten Chancen nach: »Wir haben mehr freie Bälle verworfen als Wetzlar. Das gibt in einem so intensiven Spiel dann den Ausschlag.«

Egal, mit dem 25:21 von Kasper Kvist wurde der Kontrahent an- die Uhr vom Publikum herunter gezählt. Danach gab es kein Halten mehr - der Wetzlarer Pokal-Traum geht weiter. Die nächsten Legenden aber sind schon geboren.

 

Info

Stimmen zum Spiel

Filip Mirkulovski (Wetzlar): »Ich wollte unbedingt ins Final 4. Man hat gemerkt, dass wir aufgrund der Bedeutung des Spiels ziemlich unter Stress standen. Zum Glück haben wir ihn ausgehalten.«

Anton Lindskog (Wetzlar): »Ich fand meine Doppel-Bestrafung übertrieben und habe an der Seite Blut und Wasser geschwitzt. Das Team hat es trotzdem geschafft.«

Nikolai Weber (Wetzlar): »Dass das frühe 4:0 nichts zu bedeuten hatte, war von Anfang an klar. Erst war Stuttgart nervös, dann ist es auch bei uns in den Kopf gerutscht. Es war ein zähes Reißen, am Ende haben es Benjamin Buric und Filip Mirkulovski gerissen. Was Filip vorne im Angriff geleistet hat, war der reine Wahnsinn.«

Philipp Pöter (Wetzlar): »Heute wäre bei einer Niederlage für uns die Welt untergegangen, deshalb sind wir alle so glücklich, es geschafft zu haben. Das ist was sehr Emotionales.«

Maximilian Holst (Wetzlar): »Ob wir mit einem oder mit zehn Toren gewonnen haben, ist scheißegal. Wenn wir in Hamburg sind, fragt keiner mehr danach. Für uns geht ein Traum in Erfüllung. Der Druck jedenfalls war riesengroß.«

Dominik Weiß (Stuttgart): Wir haben den Anfang verpennt, waren Mitte der zweiten Halbzeit aber wieder richtig gut drin im Spiel und sind dann an unserer schwachen Chancenverwertung gescheitert.« (ra)

HSG Wetzlar: Weber, Buric; Kvist (1), Holst (6/3), Kneer (1), Forsell-Schefvert (2), Pöter (1), Mirkulovski (6), Ferraz, Cavor (1), Klesniks, Björnsen (3/1), Volentics, Kohlbacher (4), Lindskog, Schreiber (n.e.).

TVB Stuttgart: Bitter, Maier; Schweikardt (1), Weiß (2), Häfner (1), Salger (2), Schagen (4), Späth (1), Kraus (8/3), Baumgarten Röthlisberger, Burmeister, Orlowski (1), Pfattheicher (1).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Blümel/Loppaschewski (Berlin). – Zuschauer: 4421 (ausverkauft). - Zeitstrafen: Linskog (18., 36.), Forsel-Schefvert (56./alle Wetzlar); Häfner (22.), Salger (35.), Baumgarten (55., alle Stuttgart). - Rot: Lindskog (36., Wetzlar, wegwerfende Handbewegung). - Siebenmeter: 5/3:4/3.

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