04. September 2018, 16:00 Uhr

Rad

Gießener trumpfen beim »Stadttheater«-Heimrennen auf

Mit Florian Anders gewinnt ein Gießener bei der C-Lizenz, mit Simon Redmers ein Gießener Student das Hauptrennen. Sportlich ein voller Erfolg war »Rund um das Stadttheater« mit 132 Teilnehmern.
04. September 2018, 16:00 Uhr
»Gießen-Power«: Beim C-Lizenz-Rennen führt der spätere Sieger Florian Anders vom Team Strassacker das Feld an, hinter ihm Valentin Szalay, Stefan Wahner und rechts Lucas Schäfer, die alle für die RSG in die Pedale treten. (Foto: Friedrich)

Auf dem 800 Meter langen Oval um das Gießener Stadttheater wussten nicht nur die heimischen Fahrer in den Erwachsenenklassen zu überzeugen, auch der Nachwuchs ließ einmal mehr aufhorchen und untermauerte den Ruf Mittelhessens als Radsport-Hotspot. Was inzwischen auch für die Inline-Skater gilt, die bei zwei Einlagerennen eine Kostprobe ihres Könnens gaben.

Von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Sparkassen-Vorstandsmitglied Ilona Roth auf die 80 Kilometer lange Reise beordert, nahm Tim Becker von der RSG Gießen und Wieseck im Eliterennen sofort Fahrt auf und sicherte sich die erste Prämienwertung. »Das Rennen war ziemlich hart«, konstatierte der Student im Nachgang. Ohne Teamkollegen im Fahrerfeld, war er auf sich alleingestellt und auch aufgrund einer Knieverletzung im Frühjahr und dem damit einhergehenden eingeschränkten Trainingseinsatz nicht in der Lage, den Topleuten dauerhaft folgen zu können – Platz 14 als Ausbeute beim Großen Preis der Sparkasse Gießen stellte dennoch zufrieden.

Redmers topfit

Simon Redmers vom RV Stuttgart allerdings war topfit, und nachdem zunächst Frank Lütters (RV Spich) und Axel Hauschke (MT Melsungen) an der Spitze den Ton angegeben hatten, machte sich der Gießener Student als U23-Fahrer zur Hälfte des Rennens auf und davon und wurde erst in der Schlussrunde wieder geschluckt. Bis dahin waren allerdings 40 Punkte auf seinem Konto gebucht, und Florenz Knauer (Radteam Hermann) kam trotz doppelter Wertung im Schlusssprint nur noch bis auf einen Zähler heran – Platz zwei. Andrej Petrovski (RSC Reinheim), der als Jugendlicher alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab, schied 38 Runden vor Schluss nach einem Sturz aus, nachdem er zuvor an der Spitze bravourös mitgemischt hatte.

Anders triumphiert

Ebenfalls Hochspannung versprach das C-Lizenz-Rennen um den Preis der Stadt Gießen mit hochkarätiger heimischer Beteiligung. Schon nach der ersten Wertungsabnahme machte sich ein Siebener-Zug auf und davon, der bereits nach 20 Runden von hinten kommend das Hauptfeld überrundete. Somit war klar, diese Gruppe wird den späteren Sieger stellen. Und hier war es der Gießener Florian Anders vom Team Strassacker, der »sich auf die Wertungsrunden konzentriert« hat und zum »Schluss nicht wusste, ob ich gewonnen habe«. Umso größer war die Freude über seine 40 Punkte, die ihm nicht nur den Tagessieg, sondern auch den sofortigen Aufstieg in die B-Lizenz einbrachten. Lucas Schäfer von der RSG Gießen und Wieseck hat sein »bisher bestes Rennen« abgeliefert, war stets an der Spitze zu finden – am Ende durfte er mit 27 Punkten als Drittplatzierter das Siegerpodest besteigen. Eine wichtige Hilfe war ihm dabei Valentin Szalay vom BKK Mobil Oil Cycling Team. Der Kleinlindener konzentrierte sich auf die Prämiensprints und sah sich in der Helferrolle für Schäfer und Stefan Wahner (alle RSG). »Es lief super. Ich habe das Tempo hochhalten und meine Kollegen unterstützen können«, offenbarte sich der Medizinstudent als Teamplayer. U23-Fahrer Wahner sammelte sechs Punkte und platzierte sich als Fünfter noch vor Szalay (6.).

Mittendrin statt nur dabei: Tim Becker (M., schwarzes Trikot) vom Veranstalter RSG Gießen und Wieseck ist im Eliterennen bei »Rund um das Stadttheater« unterwegs.	(Foto: Friedrich)
Mittendrin statt nur dabei: Tim Becker (M., schwarzes Trikot) vom Veranstalter RSG Gießen ...

Viel besser hätte es für den Veranstalter auch nicht bei den Senioren 2/3 laufen können. Christian Schmidt (Team delta-bike.de) sammelte 20 Punkte und bestieg als Dritter das Siegerpodest nach 60 Runden. »Wenn man nicht jedes Wochenende ein Kriterium fährt, dann ist man da auch nicht richtig drin«, weshalb der RSG-Fahrer sich zuletzt auch Sprinttrainings unterzogen hatte. Cross-Ass Thomas Hockauf (Team delta-bike.de) nutzte das Rennen »als verschärftes Training« und sammelte unterwegs sieben Punkte, was ihm Rang sieben einbrachte. Ende September startet er in Bad Salzdetfurth in den Deutschland-Cup der Crosser, dann beginnt seine Saison, während die der Straßenradfahrer langsam endet.

Starke heimische Jugend

Im Gegensatz zu den Erwachsenenfeldern waren viele Jugendliche nach Gießen gekommen. Während Florian Wiegand (RV Gießen-Kleinlinden) als U19-Sieger noch im Feld der C-Lizenzler starten musste, hinterließen die U17-Fahrer einen starken Eindruck – Malte Göttlinger (VC Darmstadt) hier den besten, während sich Leonhard Schneider (RV Gießen-Kleinlinden) mit Rang sechs »sehr zufrieden zeigte«. Sein Saisonhöhepunkt kommt erst noch, beim Dünsberg-Mountainbikemarathon will er auf das Podest fahren.

Bei der U13 überragte Louis Gentzik das Fahrerfeld nicht nur körperlich. Der Fuldaer war eine Macht für sich und hatte sich mit Silas Bossong (RSC Wittlich) vom Feld abgesetzt. Im Sprint des Hauptfeldes sicherte sich Tim Nissel (RV Gießen-Kleinlinden) Rang drei und erkämpfte sich im 16 Fahrer starken Feld den letzten freien Podestplatz, womit sich der starke Nachwuchsfahrer »doch ganz zufrieden« zeigte. Sein Teamkollege Samuel Möller wurde als Achter abgewunken. Über Platz drei freute sich auch RVler Jonathan Kowalsky in der Klasse U11, noch vor seinem Vereinskollegen Jan Nissel.

Bei den Jedermännern zeigte sich Martin Aslan hocherfreut über sein erstes Podest, bei den Masters2 sicherte sich der Fahrer der RSG Gießen und Wieseck Rang drei. Im Damen-Rennen über 50 Runden sammelte Lena Bischoff-Stein vom RV Hamburg die meisten Punkte. Paula Weg (RSG Buchenau) und Anja Schneidenbach (RV Rockenberg), die beide auch für die heimische Bundesliga-Mannschaft der RSG Placeworkers unterwegs sind, wurden bei ihrem Heimrennen auf Rang fünf und acht geführt.

Randnotizen rund um das Stadttheater

Ein Ruderer auf Abwegen. Lucas Schäfer von der RSG Gießen und Wieseck ist in erster Linie auf dem Wasser unterwegs. Für die Olympischen Spiele in Rio steht immerhin Platz neun im Leichtgewichts-Vierer in seiner Vita, und bei der letztjährigen WM sprang im LG-Doppelzweier Rang sechs heraus. »Das Radtraining ist für mich ein wichtiger Ausgleich«, sagte der 24-jährige JLU-Student der Ökotrophologie. Ein Bandscheibenvorfall zwang ihn im Frühjahr zur Reduzierung, sodass das Mitglied der Gießener RG verstärkt das Rad als Mittel zum Trainingsaufbau nutzte. »So ganz richtig drin bin ich noch nicht, manchmal muss ich schon noch überlegen, ob Prämie oder Wertung kommt«, fühlt sich Schäfer noch als »junger Hund«. Doch im dritten Rennen die erste Podestplatzierung, das spricht für den Gießener Studenten, der in zwei Wochen wieder ins Boot steigt. »Das Rudern bleibt zumindest bis zu den Spielen 2020 in Tokio die Nummer eins«, sagte Schäfer auf die Frage, ob er eventuell über einen kompletten Umstieg vom Boot aufs Bike nachdenkt.
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Dass die Austragung des Radrennens »Rund um das Stadttheater« auch erhöhten personellen Aufwand für die gastgebende RSG Gießen und Wieseck bedeutet, steht außer Frage. Jeder heimische Verein weiß um die Bedeutung ehrenamtlicher Helfer während der heißen Phase der Vorbereitung und Durchführung. Um die 40 Personen waren bei der jüngsten Auflage von »Rund um das Stadttheater« im Dauereinsatz, zeigte sich Vorsitzender Torsten Günther erfreut, dass der »harte Kern« nicht alleingelassen wird. Zu diesem zählt seit Jahren auch Götz Brück, der beispielsweise die Anmeldung managte und auch dafür Sorge trug, dass am frühen Morgen um 6 Uhr der Kran von der Firma AVM bei Start und Ziel in der Johannesstraße Stellung bezog. Während seine Ehefrau die Kuchentheke betreute, hatte er auch immer mal wieder ein Auge auf die Rennstrecke geworfen, auf der sein Sohn Victor diesmal nicht vertreten war. Zum Leidwesen einiger Zuschauer, die sich den Burkhardsfeldener im starken Elite-Feld gewünscht hätten. Allerdings war der Student für das Radteam Herrmann bei der DM im Mannschaftszeitfahren in Genthin im Einsatz und kehrte – schon etwas überraschend – als deutscher Meister zurück. Victor Brück ließ mit seinen fünf Teamkollegen nach 51:01 Minuten die favorisierten Teams Lotto-Kern Haus (+25 Sekunden) und Heizomat (+39) hinter sich. Dafür ließ sich natürlich die Abwesenheit Brücks in Gießen gern verschmerzen.
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Günther zeigte sich auch erfreut, das vom Projekt »Ehrenamt hilft« Unterstützung kam. Wie auch finanzielle von kleineren und größeren Sponsoren, wobei die Sparkasse und die Stadt Gießen mehrfach besondere Erwähnung fanden. Dennoch: Am Ende bleibt wohl nichts übrig, allein die Kosten für die Streckenabsperrung bezifferte Günther auf 8000 Euro. Wieso dann der ganze Aufwand? »Der Spaß am Radfahren. Der Spaß an der Veranstaltung. Der Spaß am Organisieren. Wir machen das nicht, um Geld damit zu verdienen«, ließ Günther wissen, der seine Radsportgemeinschaft als »Anlaufpunkt für Lizenzradsportler« sieht, die »sich etablieren wollen«. Viele starke Lizenzfahrer hat derzeit die RSG in ihren Reihen, und einige sind für andere Mannschaften bundesweit unterwegs. Da stellt sich automatisch die Frage, ob Gießen analog zum Frauenteam RSG Placeworkers auch ein Männerteam an den Start bringen könnte. »Die Überlegung einer Vereinsmannschaft haben wir schon angestellt«, lässt Günther wissen, allerdings müsste dafür zunächst die Kostenfrage geklärt beziehungsweise geregelt sein.
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Fliegender Wechsel vom städtischen Asphalt auf ländliche Trails. Der 12. Dünsberg-Marathon für Mountainbiker am 30. September war schon bei »Rund um das Stadttheater« immer mal wieder Gesprächsthema, schließlich rückt schon die nächste radsportliche Großveranstaltung in den Fokus. Dabei darf auch der AMC Rodheim-Bieber mit einer großen wie schlagkräftigen mittelhessischen Teilnehmerschar rechnen. Für die »Stadttheater«-Starter Leonhard Schneider, Christian Schmidt oder Thomas Hockauf ist der Dünsberg ein (MTB-)Höhepunkt im Jahresverlauf. Genauso wie für jene, die sich am Sonntag beim Ötztaler den Feinschliff für den »Dünsberg« geholt haben. Übrigens: Das Anmeldeportal für den Dünsberg-Bike-Marathon ist inzwischen geöffnet. (htr)

 

 

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