16. April 2018, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers trotz Niederlage nicht chancenlos

Kurz vor dem Ende standen den Gießen 46ers gegen die Baskets Bonn alle Tore zum Sieg offen. Am Ende feierten die Gäste einen 86:80 in der Osthalle. Das macht die »Mission Playoffs« nicht einfacher.
16. April 2018, 07:00 Uhr
Mit hängenden Köpfen verlassen (v. l.) Jeril Taylor, Darwin Davis, Benjamin Lischka und Co-Trainer Steven Wriedt (alle Gießen 46ers) das Spielfeld in der Osthalle nach der 80:86-Niederlage gegen die Telekom Baskets Bonn. (Foto: Vogel)

Gießen 46ers


Ich sehe die Situation immer noch vor mir«, gab Austin Hollins auch eine halbe Stunde nach Spielende freimütig zu. 25 Sekunden waren noch auf der Uhr, als der Gießener Guard nach einem Offensivrebound einen völlig offenen Korbleger in der Hand hatte. Kein Gegenspieler war so nah an ihm dran, dass er ihn hätte stoppen können. Einfach hochsteigen, den Ball sanft ans Plexiglas legen und zusehen, wie er im Netz landet. Der 82:82-Ausgleich, die Partie gegen die Telekom Baskets Bonn völlig offen.

Der Ball ging nicht rein. Überhaupt ging kein Ball mehr ins Netz der Gäste, die am Ende auf dem Parkett ihren 86:80 (43:51)-Sieg feierten. Und damit steigt der Druck auf die Gießener, denn nun haben sie noch fünf Spiele in der Hauptrunde, um den Rückstand auf den hessischen Rivalen Frankfurt Skyliners auf Platz acht aufzuholen und selber zum ersten Mal seit 2005 die Playoffs zu erreichen.

»Das wäre ein großer Sieg für uns gewesen. Ich glaube aber, wir haben immer noch eine Chance, wenn wir mindestens vier der nächsten Spiele gewinnen. Aber dafür müssen wir ranklotzen, in den Spiegel schauen und gucken, was wir besser machen können«, sagt Hollins.

Grundsätzlich scheint das machbar: Der kommende Gegner aus Weißenfels steht ebenso im Niemandsland der Tabelle wie Jena, bei denen die 46ers eine Woche später gastieren. Und auch die Teams aus Göttingen und Bremerhaven, die noch auf dem Spielplan stehen, sind schlagbar, kämpfen allerdings beide noch um den Klassenerhalt und dürften entsprechend motiviert sein. Einzig Berlin, der Gegner im letzten Heimspiel am übernächsten Sonntag, scheint derzeit außer Reichweite für die 46ers.

Jena und Bremerhaven stehen auch bei Frankfurt auf dem Plan, die ansonsten aber mit Meister Bamberg, Berlin und Vizemeister Oldenburg drei dicke Brocken vor sich haben. Auch Ulm, die noch gegen Ludwigsburg, Bayreuth, Bremerhaven, Oldenburg und Berlin antreten müssen haben ein hartes Restprogramm, sind dabei ebenso eine Wundertüte wie die Würzburger, deren anstehende Aufgaben mit Jena, Bonn, Ludwigsburg, Tübingen und Bayreuth etwas leichter als die der anderen Gießener Konkurrenten erscheinen.

Dennoch, umso schmerzhafter die Niederlage vom Samstag: Die 46ers hätten gegen Bonn bestehen können, waren aber in der Schlussphase einfach platt und konnten den Gästen nichts mehr entgegensetzen. Das schlug sich insbesondere in der Entscheidungsfindung nieder: »Wenn meine Guards nach vorne rennen, die freie Linie sehen und den Korbleger machen wollen, mit allem was sie haben, ist das erstmal positiv. Dass das am Ende nicht die richtige Entscheidung war, weil sie hätten abstoppen und den Ball zu John Bryant passen sollen, der fünf Dreier getroffen hat, muss man noch lernen«, gesteht 46ers-Cheftrainer Ingo Freyer seinen Schützlingen die Fehler in der Schlussphase durchaus zu – auch, weil sie »alles gegeben haben«.

Und das konnte wohl jeder der 3437 Zuschauer in der Osthalle bestätigen. Es war ein mitreißendes Spiel, mit einem hohen Intensitätslevel von der ersten bis zur letzten Minute, ohne Verschnaufpausen. An diesem Tag war aber genau das zu viel für Gießen, am Ende war der Tank leer – und Würfen wie Pässen fehlte das letzte Stückchen Präzision. »Wir haben 40 Minuten gekämpft, in der zweiten Halbzeit die Verteidigung angezogen. Wir hatten einfach noch genug Energie«, attribuierte auch Bonns TJ DiLeo den Auswärtserfolg seines Teams den noch vorhandenen Kraftreserven. Mit 18 Punkten war der Guard in seiner alten Heimat bester Werfer: »Es ist natürlich etwas Besonderes, aber ich versuche, die Emotionen da so gut es geht rauszuhalten«, sagte der Deutsch-Amerikaner nach Spielende.

In der kommenden Woche haben Ingo Freyer und Steven Wriedt nun die Aufgabe, vor allem die Bankspieler wieder in Form zu bringen. Mahir Agva, Mauricio Marin und Co. werden angesichts von einem Doppel- und einem Dreifachspieltag zum Hauptrundenausklang besonders wichtig sein, um den Leistungsträgern Pausen zu ermöglichen. Gelingt ihnen das, stehen den Gießenern auch nach der Niederlage noch alle Chancen offen.

»Ich glaube, wir haben keinen Druck. Wir wollen die Playoffs erreichen, wir trainieren hart, die Intensität ist da. Wir müssen es nur ins Spiel umsetzen«, ist auch Austin Hollins zuversichtlich, das große Ziel noch erreichen zu können. Auf dass er den Korbleger von 25 Sekunden vor dem Ende nicht den gesamten Sommer immer und immer wieder vor sich sieht, als die große, vergebene Chance.

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