27. Januar 2018, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Benjamin Lischka über Playoffs, Heirat und seinen Bruder Johannes

Benjamin Lischka hat Großes vor – beruflich mit seinen Gießen 46ers und privat mit seiner Freundin Beke Scheil. Erst in die Playoffs einziehen und dann mit seiner Liebsten Hochzeit feiern.
27. Januar 2018, 07:00 Uhr
Wie im richtigen Leben: Gießens Powerforward Benjamin Lischka zeigt Durchsetzungsvermögen. (Foto: mv)

Gießen 46ers


Das Wort von Benjamin Lischka hat bei den Gießen 46ers Gewicht. Seit 2013 steht er beim Basketball-Bundesligisten von der Lahn unter Vertrag – somit ist der 28-jährige Powerforward der Dienstälteste. Er blickt zurück und nach vorne.

Neun Siege, neun Niederlagen. Hätten Sie diese gute Bilanz nach dem schwachen Start für möglich gehalten?

Benjamin Lischka: Nach dem Start und der Vorbereitung nicht. Gegen Bamberg haben wir zum ersten Mal gezeigt, dass wir ganz gut mithalten können, aber dann gleich den Dämpfer gegen Erfurt erhalten. Danach haben wir uns aber mit dem Sieg in Ludwigsburg aus dem Loch herausgezogen und langsam unseren Groove gefunden. Wir wussten dann, wie wir spielen müssen, um zu gewinnen. Zudem ist John (Bryant) immer fitter geworden. Wir haben ihn besser involviert. Wir können mit der bisherigen Ausbeute sehr zufrieden sein.

Wie Sie mit ihren Leistungen. Warum läuft es bei Ihnen so gut?

Lischka: Ich hatte letztes Jahr eines, was nicht so toll war. Ich hatte nicht mehr das Vertrauen von unserem Coach Denis Wucherer. Dieses Jahr ist anders. Trainer Ingo Freyer gibt mir viel Spielzeit. Er will, dass ich als Vierer mehr werfe, auf dem Feld Entscheidungen treffe und gute Pässe gebe. Man erzielt Punkte, bekommt immer mehr Selbstbewusstsein – und dann wird alles viel einfacher.

Also ist Selbstbewusstsein alles?

Lischka: Beim Basketball ist das Selbstbewusstsein ein ganz großes Ding. Wenn ein Dreier reinfällt, dann ist der Ring so groß wie ein Schwimmbad – und dann läuft es.

Holt man sich das Selbstbewusstsein nur immer über das Punkten im Angriff?

Lischka: Bei vielen Spielern, bei mir auch, ist es so, dass es guttut, wenn der erste Wurf reingeht. Früher war es so, wenn der erste nicht fiel, bin ich in ein Loch gefallen. Das ist in diesem Jahr auch anders. Es gab Spiele, in denen der erste Ball sein Ziel verfehlt hat und trotzdem habe ich noch gut performt und dem Team geholfen, das Spiel zu gewinnen.

Ihr Vertrag mit den Gießen 46ers scheint lebenslänglich zu sein. Alljährlich beim Neujahrsempfang verkündet Geschäftsführer Heiko Schelberg eine erneute Verlängerung. Ist das so?

Lischka: Nicht, dass ich wüsste. Ich habe noch einen gültigen Vertrag bis Saisonende 2018/19. Wenn sie mich dann noch weiter haben wollen, können wir gerne darüber reden.

Sie haben sich durch die konstant guten Leistungen für andere Klubs interessant gemacht. Es wurde schon in der Osthalle »Lischka für Deutschland!« skandiert.

Lischka: Ich glaube, der Nationalmannschaftszug ist für mich abgefahren. Ich bin 28 – im DBB suchen sie nach jungen Leuten. Natürlich wäre ich nicht abgeneigt, wenn der Anruf kommen würde.

Beschreiben Sie sich doch bitte mal in ein paar Adjektiven?

Lischka: Emotional, lustig und gesellig. Und ich lege sehr viel Wert auf Pünktlichkeit.

Was hebt Ihren Trainer Ingo Freyer von den anderen ab?

Lischka: Er redet und kommuniziert viel mit uns, auch wenn es nicht so läuft. Er gibt jedem das Gefühl, dass er wichtig für das Team ist. Und natürlich sein Spielstil. Am Anfang dachte ich, ob das klappt. Aber es klappt. Man muss es verinnerlichen. Jeder hat eine Nische gefunden, in der er effektiv sein kann.



Sie sind der dienstälteste Spieler im 46ers-Team. Sie sind seit 2013 dabei. Was war für Sie das Herausragendste?

Lischka: Dass wir uns permanent sportlich weiterentwickeln und dass das Management einen guten Job macht. Es wird alles professioneller. Da muss man auf jeden Fall unseren Physio Lukas Lai nennen, der auf hohem Niveau mit uns arbeitet. Wir könnten diesen Spielstil nicht so spielen, wie wir ihn spielen, wenn Lukas nicht da wäre.

Was muss sich tun, damit die Gießen 46ers auf Jahre hinweg ein etablierter Teil der BBL sind?

Lischka: Eine Halle wäre schon cool in Gießen. Aber dann eine Mehrzweckhalle, in der vielleicht auch Hüttenberg Handball spielen kann. Dazu muss man aber noch mehr Sponsoren heranziehen. Es gibt in Gießen genügend, die uns noch nicht unterstützen.

Ist Gießen eine basketballverrückte Stadt?

Lischka: Es ist nicht so wild wie in Ulm und Bamberg. Aber wenn wir am Samstag unser Spiel haben, sagen sich sicher viele Leute, komm wir gehen zu den 46ers. Deswegen verstehe ich nicht, dass trotz der guten Leistungen in den letzten Jahren die Zuschauerzahlen stagnieren.

Was ging in Ihnen vor, als Sie damals von der Nachricht Ihres Bruders Johannes hörten, bei dem ein kleiner Tumor an der Hirnanhangdrüse festgestellt wurde?

Lischka: Für unsere Familie war das damals ein harter Schlag. Wir hatten schon immer ein gutes Verhältnis, aber das hat uns als Familie noch enger zusammenrücken lassen. Wir haben versucht, ihm zu helfen – und hatten letztlich Glück im Unglück. Die OP verlief gut, ihm ging es schnell wieder besser. Dann war es aber für mich hart zu sehen, dass »Jo« hart arbeitete und alles probierte, um wieder fit zu werden und zum Leistungsbasketball zurückzukehren, aber sein Körper machte nicht mit. Das hat mich sehr traurig gemacht, denn ich habe es geliebt, ihn Basketball spielen zu sehen. Mittlerweile hat er wieder Spaß am Basketball in der ProB und hat das Ganze super gehandelt. Andere wären daran sicherlich zerbrochen.

Sie sind der local hero im hiesigen Basketball. Wie gehen Sie damit um?

Lischka: Es ist nicht einfach, local hero zu sein. Oft kommen Aussagen wie, der Benni spielt nur, weil er aus Gießen kommt. Das gibt es auch, das ist unschön. Aber mit den Leistungen in den letzten Jahren bin ich ein wichtiger Teil des Teams und versuche immer, meine Antwort auf dem Feld zu geben. Es ist aber trotzdem schön, wenn ich bei den Heimspielen beim Einlaufen laustark begrüßt werde.

Wie realistisch ist für Sie, dass Ihre Mannschaft in die Playoffs einzieht?

Lischka: Prozentual vielleicht 20, 30 Prozent. Es kommen ein paar Spiele, die für uns wichtig sind. Und am Samstag zu Hause gegen Oldenburg sollte gewonnen werden, damit wir weiter dranbleiben.

Info

Steckbrief Benjamin Lischka

Geboren: 21. Juni 1989
Geburtsort: Gießen
Größe: 2,04 m
Wohnort: Großen-Linden
Position: Powerforward
Klub: Gießen 46ers, Vertrag bis 2019
Beruf: Basketball-Profi
Ausbildung: Automobilkaufmann, zurzeit BWL-Studium an Fern-Universität
Hobbys: Spaziergehen mit der Freundin, Tennis, essen gehen, Buch lesen, Treffen mit Freunden
Musik: Coldplay, U2, Phil Collins
Urlaubsziel: Sansibar in Verbindung mit einer Safari
Lieblingsort: Italiener Gianoli in Gießen
Lieblingsspeise: selbst gemachte Wraps mit Jan Haller vom RSV Lahn-Dill
Lieblingsgetränk, Apfelschorle
Träume: in fünf bis zehn Jahren eigenes Haus, Kinder, Job nach dem Basketball
Stärke: Pünktlichkeit
Schwäche: manchmal zu ungeduldig
Sportliches Ziel: in dieser Saison die Playoffs und in den nächsten Jahren die Basketball-Karriere am Leben erhalten
Erfolgsrezept: Disziplin
Motto: Jeden Tag genießen und Spaß haben
Lieblingsfilm: »Forrest Gump«
Lieblingsschauspieler: Tom Hanks
Lieblingsserie: »Game of Thrones«
Lieblingsbuch: »Harry Potter«
Sportliche Erfolge: Aufstieg 2015 mit den 46ers in die Bundesliga, U18-Nationalmannschaft mit u.a. Robin Benzing

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