24. April 2018, 06:20 Uhr

Handball-Bundesliga

Gefühlswelten

Die HSG Wetzlar hat sich mit dem 31:28 über MT Melsungen in Pokallaune gebracht, beim TV 05/07 Hüttenberg herrscht nach dem 24:27 gegen den HC Erlangen totaler Frust.
24. April 2018, 06:20 Uhr

Lothar Weber, der Hüttenberger Geschäftsführer, war in dem Irrglauben gewesen, während seines langjährigen Handball-Wirkens schon alles erlebt zu haben. Am Sonntag konnte er den Eintrag der Unparteiischen Brodbeck/Reich bezüglich des vermeintlichen Foulspiels von Ragnar Johansson an Erlangens Andreas Schröder in der 48. Minute noch immer nicht fassen: Tätlichkeit einhergehend mit einer gesundheitsgefährdeten Aktion gegenüber dem Gegenspieler. »Ich glaub es nicht! Im Angriff bei einem Schlagwurf. Wie soll das gehen?«

Man kann sich die Szene auf Sky und Youtube noch ein Dutzend Mal ansehen, vor und zurück, auch in Superzeitlupe, man kommt immer zur gleichen Erkenntnis: Nie und nimmer eine Tätlichkeit. Heute oder morgen wird die spielleitende Stelle über die Konsequenz der von den Schiedsrichtern zusätzlich zu Rot gezogen blauen Karte entscheiden. Im Erstliga-Existenzkampf hätte die regeltechnisch eigentlich unvermeidliche Sperre von mindestens einer Partie eklatante Auswirkungen, denn der zuletzt bärenstarke Linkshänder stünde dem TV 05/07 dann am Sonntagmittag im bedeutungsreichen Kellerduell bei den Eulen Ludwigshafen (12.30 Uhr) nicht zur Verfügung. Eine in Anbetracht der Langzeit-Ausfälle von Szymon Sicko und Vladan Lipovina sowie der Nichtberücksichtigung von Tim Stefan eigentlich nicht zu kompensierende weitere Schwächung.

Dass sich die Hüttenberger am Samstagabend durch das Gespann aus Süddeutschland benachteiligt fühlten, war auch in Anbetracht der ebenso diskussionswürdigen roten Karte gegen Moritz Lambrecht (33.) nachzuvollziehen. Nach und nach wurden dem Traditionsklub ein Abwehr- und ein Angriffsherz herausgerissen – allerdings nicht durch stärkere Erlanger.

Die Frage wird nun sein, inwieweit eine nachträgliche sportrechtliche Bewertung in die Tatsachenentscheidung und die Bewertung der Schiedsrichter eingreift. Die zwei möglichen Punkte gegen den HC Erlangen vom Samstagabend bringt das aber auch nicht mehr zurück.

Alles gepasst

Vollkommen anders ist gut zehn Tage vor dem DHB-Pokal-Final-Four in Hamburg die Stimmungslage bei der HSG Wetzlar. Nach dem 31:28 (18:12) über die MT Melsungen stellte sich ein wenig nur die Frage, ob die Mittelhessen so stark oder die Nordhessen so schwach waren.

Für Siebenmeter-Spezialist Maximilian Holst war die Sache klar: »Wichtig war, dass wir uns hinten raus mit den sechs, sieben Treffern ein kleines Polster rausgearbeitet haben. Außer Lasse Mikkelsen war der Rest im Melsunger Rückraum von uns außer Kraft gesetzt. Es hat viel gepasst heute.« Im um keine Idee verlegenen Team der Grün-Weißen gab es keinen Schwachpunkt, auch das Heim-Comeback von Alexander Hermann verlief im Hinblick auf das Pokal-Halbfinale gegen die TSV Hannover-Burgdorf erfreulich positiv.

Die früheren Wetzlarer in Diensten von Melsungen gaben sich nach den turbulenten letzten Wochen mit Trainerwechsel und Kritik an der Mannschaft durchaus selbstkritisch. Timm Schneider: »Wir haben einen Negativtrend. Sobald etwas nicht läuft im Spiel, kommt das sofort wieder hoch. Wir müssen als Kollektiv wieder auf die Platte kommen. Wir haben uns zudem zu sehr mit den Schiedsrichtern beschäftigt und sind nicht zurückgelaufen.« Das galt schon früh für Michael Müller, der auch im Nordhessischen nicht aus seiner Reizfigur-Haut zu kommen scheint und seinem Team damit oftmals einen Bärendienst erweist. »Wetzlar hat gut seinen Stiefel runter gespielt, war in der Abwehr sehr aggressiv und hatte einen starken Torhüter drin. Wir waren inkonsequent in der Abwehr, das war ein Spiegelbild der Leistungen der letzten Wochen.«

Der HSG Wetzlar konnte das egal sein. Im Offensiv-Infight gelang oft doch noch der letzte Pass auf den freien Rechtsaußen Kristian Björnsen. Angefangen bei Olle Forsell-Schefvert verschob die 6:0-Abwehr gegen Rückraum-Kanonier Julius Kühn so geschickt, dass dieser im Abschluss bei einem Dutzend (!) Fehlwürfen immer wieder falsche Entscheidungen traf. Und wie die HSG Wetzlar in der Nach-Balic-Ära mit immer neuen Kreativakten den Kleingruppen-Handball zelebriert, ist an solchen Tagen wie diesen eine Augenweide gewesen. Die HSG Wetzlar ist beim Final Four in Hamburg sicher kein Favorit, in der Verfassung vom Sonntag aber nicht zu unterschätzen.

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