10. September 2018, 17:38 Uhr

Gefühlsdröhnung für Wagner/Götz

Frustriert, verzweifelt, auf- gerappelt, Kräfte mobilisiert, zurückgeschlagen und dann mit erhobenem Haupt das Ziel erreicht. Luca Wagner und Sascha Götz erleben beim Radball-Weltcup in Krofdorf-Gleiberg innerhalb weniger Stunden die volle Gefühlsdröhnung des Sports.
10. September 2018, 17:38 Uhr
Pass von Sascha Götz (Krofdorf/l.) im Spiel gegen den amtierenden Weltmeister RMC Stein mit Bernd Mlady. (Foto: ras)

Ein Blick in die Augen von Sascha Götz verrät viel: Wie konnten wir dieses so wichtige Spiel gegen die Tschechen nur verlieren. Das scheint sich der 30-Jährige immer wieder zu fragen. Er nimmt ständig Blickkontakt zu seinem gleichaltrigen Partner Luca Wagner auf. Der ist aber ebenfalls noch voller Adrenalin und schimpft stumm in sich hinein. Die beiden Radballer des RSV Teutonia Krofdorf-Gleiberg kämpften sich am vergangenen Samstag in der Eduard-David-Halle nicht nur sportlich, sondern auch mental durch den hochkarätig besetzten Weltcup. Nach Aufs und Abs auf allen Ebenen erreichten die beiden im Verbund mit ihrem Trainer Thomas Abel nach Stunden der nervlichen Anspannung ihr Teilziel Finalrunde. Letztlich sprang beim gut organisierten Turnier Rang vier heraus, wobei Pech und Glück sehr eng beieinanderlagen.

Bereits in Spiel eins stand bei Wagner/Götz Fortuna nicht unbedingt Pate. In ihrer Gruppe war von vornherein klar, dass um Platz zwei, der für den Einzug in die Finalrunde berechtigte, großes Gerangel herrschen würde. Schon zu Beginn des internationalen Tournaments, für das sich die Teutonen-Verantwortlichen um Dieter Schmidt (2. Vorsitzender) beworben hatten, waren um die Mittagszeit rund 100 Zuschauer in der Halle, die den Auftakt der Lokalmatadoren sehen wollten. Die international erfahrenen Tschechen von SV Svitavka entpuppten sich als der unbequeme Gegner, weil er kaum Initiative ergriff und auf Fehler lauerte.

Krofdorfs Trainer Thomas Abel, selbst zweifacher Weltmeister im Radball, weiß, dass sein Team als Spätstarter gilt. So rüttelte er es vor der Partie wach und forderte schnelles, aber sicheres Spiel. Nach einer Abtastphase schlug Wagner mit dem 1:0 zu. Er wollte nachlegen, doch zweimal rettete der Pfosten für die Tschechen. Dann stand Götz dreimal im Rampenlicht, als er die Schüsse parierte. 32 Sekunden vor dem Ende der ersten Hälfte (Spielzeit zweimal sieben Minuten durchlaufende Zeit) war er aber machtlos. Coach Abel war mit dem Halbzeit-1:1 zufrieden und munterte mit »gut gemacht Jungs« auf.

Konzentriert ging es weiter, aber diesmal legten die Tschechen vor. Knapp über zwei Minuten blieb dem RSV-Paar Zeit, um die Partie auszugleichen oder zu drehen, Chancen waren dafür genügend vorhanden, doch Hrdlicka/Loskot spielten ihre ganze Erfahrung aus und siegten 2:1.

Frust machte sich bei Wagner/Götz breit, und nun folgte ausgerechnet das Match gegen den amtierenden Europameister aus Österreich. Und RC Höchst mit Markus Pröll und Patrick Schnetzer führte schon nach sieben Sekunden, ehe die Höchster schnell auf 2:0 erhöhten. Wagner/Götz hielten dagegen, hatten mehr Spielanteile und schlossen auf (Götz). Wagner hatte dann sogar das 2:2 auf dem Rad, Schnetzer hielt aber bravourös, leitete den Konter zum 3:1 ein und markierte kurze Zeit später das 4:1 mit dem Halbzeitpfiff. Wieder gut gespielt, lange Zeit auf Augenhöhe – und dann eigentlich schon die Entscheidung nach sieben Minuten. So etwas baut nicht unbedingt das Selbstbewusstsein auf. Wagner/Götz gaben aber nicht auf, schossen noch zwei weitere Tore, waren aber beim 4:7 gegen die Österreicher, die mit einer überragenden Schusstechnik brillierten, chancenlos.

Das nachfolgende 9:2 gegen die U23 von der Sulz/Dornbirn U23 tat gut und motivierte für das alles entscheidende Gruppenspiel um Rang zwei gegen die Schweizer RS Altdorf II. Ein Sieg musste für Wagner/Götz her – und das am besten mit zwei Toren Unterschied, damit dann ein möglicher Dreiervergleich zugunsten der Krofdorfer ausfallen würde.

Gesagt, getan. Das RSV-Duo zeigte eine überragende Vorstellung im wichtigsten Vorrundenspiel und gewann 3:0 (zweimal Wagner, einmal Götz). Das Teilziel Finalrunde war erreicht – demenstprechend stieg die Stimmung im Teutonen-Lager.

Und die musste auch hoch sein, denn es wartete im Halbfinale das rein deutsche Duell gegen den Weltmeister RMC Stein, der sich letztlich mit 6:2 durchsetzte. Das spiegelte aber nicht den wahren Spielverlauf wider, denn Wagner/Götz waren mit den Brüdern Mlady lange Zeit auf Augenhöhe. »Wir haben gut gespielt, haben mehr Torchancen, brechen dann aber am Ende ein«, brachte Wagner das 2:6 auf den Punkt.

Doch die Niederlage musste schnellstens aus den Köpfen, das Spiel um Bronze stand gegen die Österreicher aus Dornbirn an. Bis knapp zwei Minuten vor dem Ende lief es ausgeglichen. Dann ging es Schlag auf Schlag – in Richtung Krofdorfer Tor. Und aus dem 4:5 wurde eine 4:9-Niederlage für den Gastgeber. Den Weltcup-Sieg holte sich der RC Höchst, der die Steiner mit 6:5 bezwang.

Die Freude über das Erreichte überwog bei den Krofdorfern. »Ich bin zufrieden, aber der dritte Platz wäre locker dringewesen. Am Ende haben die Körner gefehlt«, so Wagner, dem Götz beipflichtete. Im Vergleich zu den internationalen Spitzenteams konstatierte Götz: »Wir haben uns international gut präsentiert und können mit den Mannschaften mithalten, aber es hängt auch viel von der Tagesform ab.« Trainer Thomas Abel bilanzierte den Auftritt seines Teams mit: »Wir waren offensiv stark, defensiv war es okay, aber mit kleinen Schwächen. Man hat gesehen, dass wir noch im frühen Bereich der Saison sind und dass die körperlichen Gegebenheiten auf diesem internationalen Niveau noch nicht reichen, um zweimal sieben Minuten bis zum Ende durchzuspielen.«

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