03. April 2018, 06:50 Uhr

Gießen 46ers

Für die Gießen 46ers ist die Saison schon jetzt ein Erfolg

Nach dem 107:96 über Bayreuth und damit drei Siegen in Folge sind die Gießen 46ers wieder mitten im Playoff-Rennen der Basketball-Bundesliga – eine Zwischenbilanz.
03. April 2018, 06:50 Uhr
Pure Freude bei den Gießen 46ers nach dem Sieg gegen Bayreuth: Center Mahir Agva nimmt Benjamin Lischka Huckepack, rechts Austin Hollins und Jeril Taylor (2. v. r.). (Foto: Vogel)

Gießen 46ers


Man sollte das nicht zu hoch hängen«, meinte Ingo Freyer in der Pressekonferenz nach dem Sieg gegen Bayreuth: »Wir haben drei Spiele verloren, alle sind superschlecht drauf. Jetzt haben wir drei Spiele gewonnen – und alle sind supergut drauf.« Nach den drei Niederlagen zuvor gegen Bamberg, die MHP Riesen Ludwigsburg und Würzburg gab es für die Gießen 46ers nun Siege in Tübingen, Frankfurt und am Karsamstag zu Hause gegen medi Bayreuth, wo man den Champions-League-Viertelfinalist und Tabellenfünften furios mit 107:96 (54:47) besiegte.

Grundsätzlich möchte man dem Gießener Trainer da Recht geben: Natürlich war nicht alles schlecht nach den drei Niederlagen, und zweifelsohne hatten alle drei Mannschaften, gegen die Gießen unterlag, deutlich mehr individuelle Qualität aufzubieten als die 46ers. Und von den drei Erfolgen jetzt kam einer gegen den Tabellenletzten und designierten Absteiger, einer gegen eine Mannschaft, die sich vorrangig mit dem Europapokal beschäftigt und derzeit defensiv völlig von der Rolle ist.

Aber: Man darf auch nicht übersehen, dass die Gießener in den vergangenen drei Partien insgesamt deutlich besser auf dem Parkett aussahen als in den Wochen zuvor: Gegen Frankfurt zeigte Freyer, dass er keinesfalls ein eindimensionaler Trainer ist und ließ seine Mannschaft in der Defensive deutlich robuster und variabler auftreten als in anderen Spielen. Pointguard Darwin Davis hat in all diesen Spielen einen guten Rhythmus gefunden, um seinen eigenen Drang zu punkten mit dem Finden der besser postierten Mitspieler auszubalancieren – ein deutlicher Beweis für die Wichtigkeit der »Königsposition« im Basketball.

Dazu kam die schiere Offensivpower, die der Kader in der Breite besitzt: In den drei Spielen punkteten acht verschiedene Gießener mindestens einmal zweistellig. Zieht man nun in Betracht, dass Freyer meisten eine Neun-Mann-Rotation spielen lässt und dass Guard Mauricio Marin krankheitsbedingt nur auf wenige Minuten insgesamt kam, zeigt das einmal mehr: Jeder Spieler im Kader ist in der Lage, an jedem Tag auch mal zehn Zähler einzustreuen, was es für den Gegner schwierig macht, einen Schlüsselspieler auszuschalten und so die 46ers zu stoppen. Der einzige Mann, den man als unersetzlich einstufen würde, ist wiederum einfach nicht auszuschalten: Selbst wenn John Bryant einen unterdurchschnittlichen Tag hat, ist er immer noch einer der besten Center der Liga.

Sollten es die 46ers mit einem furiosen Finish tatsächlich noch unter die besten Acht nach der Hauptrunde schaffen und somit in die Playoffs einziehen, führt eigentlich kein Weg an der Auszeichnung zum wertvollsten Spieler der Liga vorbei – und wenn Gießen das Viertelfinale knapp verpassen sollte, hätte er immer noch gute Chancen auf den dritten »MVP«-Titel seiner Karriere. Die heimische Wirtschaft hat nun noch vier Wochen Zeit, sich einen der besten Basketballer, der je das Trikot eines Gießener Vereins trug, anzusehen und Manager Heiko Schelberg die Chance zu geben, das Unmögliche möglich zu machen und Bryant in Gießen halten zu können.

Um in die Playoffs zu kommen, dürften sich die 46ers im April kaum einen Ausrutscher leisten: Zwar stehen mit dem Auswärtsspiel bei Tabellenführer und Pokalsieger Bayern München am Wochenende sowie den Heimspielen gegen Berlin und Bonn noch drei Playoff-Teams auf dem Spielplan, dazu kommen aber auch Spiele gegen die Mannschaften aus Weißenfels, Göttingen, Jena und Bremerhaven. Derzeit hat der Rangachte Bamberg bei einem Spiel weniger noch einen Sieg Vorsprung auf die Gießener. Wollen die 46ers diesen Rückstand aufholen, sollte es in den verbleibenden sieben Spielen fünf Siege geben – mindestens.

Mit ihrer starken Saison schaffen es die 46ers, trotz des Umbruchs im Sommer, auch weiterhin an die erfolgreichen Jahre unter Freyers Vorgänger Denis Wucherer anzuknüpfen: Selbst wenn dieses Jahr nicht mehr der neunte Platz, wie in den vergangenen zwei Jahren, herausspringen sollte, ein Erfolg ist auch diese Saison mit dem souveränen Klassenerhalt – der übrigens schon einige Zeit feststeht, was völlig unbemerkt blieb und somit die neuen Ansprüche und Ziele der 46ers und des Umfelds zeigt – jetzt schon. Dafür hat sich das Trainergespann und das Management großes Lob verdient. Auch, ohne die Erfolge der letzten Spiele überzubewerten.

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