24. Juli 2018, 18:47 Uhr

Jörg Fischer

Fischer: "Die 3. Liga ist ein Traum von mir"

Multifunktionsgebäude, Stehplatztribüne, Kunstrasen: Im Exklusiv-Interview spricht Jörg Fischer, Macher des FC Gießen, über die Pläne im Waldstadion und seine sportlichen Träume mit dem FC.
24. Juli 2018, 18:47 Uhr
Geschäftsführer Jörg Fischer nimmt schon mal im neuen Zuhause des FC Gießen im Waldstadion Platz. (Foto: sno)

Vor allem die rot-weißen Blumen unterhalb eines Stadionmikrofons haben es Jörg Fischer angetan. Der 55-Jährige ist stolz, wenn er in diesen Tagen durch das Gießener Waldstadion schlendert, Details bemerkt und sieht, wie sich peu a peu alles in rot und weiß, den neuen Vereinsfarben des FC Gießen, schmückt. »Guck da ist der Chef«, sagt er, lacht, und zeigt auf einen Helfer, der sich gerade daran macht, die Steintreppen vom Müll zu entfernen. »Wenn ich die freiwilligen Helfer hier sehe, geht mir das Herz auf.«

Der »patriotische Mittelhesse« hat sich mit seinem Team des FC Gießen aufgemacht, das Waldstadion wieder in Schuss zu bringen. Damit hat er offensichtlich einen Nerv der Fußballregion getroffen, viele Sympathien erhält der Verein für das Engagement, das der Stadt Gießen rund um die Kult-Spielstätte fehlte.
Der FC Gießen könnte künftig nicht nur das Waldstadion, sondern die gesamte Fußballregion Mittelhessen durch seine ehrgeizigen Ziele verändern.

Mir schwebt ein Multifunktionsgebäude mit Spielertunnel unter der Haupttribüne vor

Jörg Fischer

Vor dem Fußball-Hessenliga-Auftakt am Samstag (Anstoßzeit offen) zwischen seinem FC Gießen und dem SC Waldgirmes spricht Geschäftsführer Jörg Fischer in dieser Zeitung. Darüber, welche Maßnahmen in Zukunft im Waldstadion angedacht sind, von welchen sportlichen Sphären er träumt und wie er zu der These steht: »Das ganze Projekt ist nur abhängig von Jörg Fischer.«

Herr Fischer, im Waldstadion verändert sich schon einiges. Die Sitzplatzschalen sind da, das VIP-Zelt, neue Werbebanden, ein besserer Rasen, generell eine schönere Optik. Sie nannten das vor einige Tagen "kleinere Maßnahmen". Was sind denn größere Maßnahmen und wann sind diese geplant?

Jörg Fischer: Zunächst einmal war es uns wichtig, dass das Waldstadion zum Auftakt ein vernünftiges Erscheinungsbild hat. Das ist uns gelungen. Aber natürlich schauen wir perspektivisch nach vorne und fragen uns: Was können wir aus dem Waldstadion machen? Da müssen die Eigentumsverhältnisse mit der Stadt geklärt werden.

Am Waldstadion tut sich etwas - künftig soll noch mehr passieren in Gießens Fußballstätte Nummer eins. (Foto: sno)
Am Waldstadion tut sich etwas - künftig soll noch mehr passieren in Gießens Fußballstätte ...

Wann kann man in diesem Fall mit einer Entscheidung rechnen?

Fischer: Wir haben den Nutzungsvertrag von der Stadt bekommen. Die Stadt lässt gerade noch ein Wertgutachten erstellen für das gesamte Areal. Sobald das vorliegt, kommt man auf uns zu. Dann versuchen wir eine Lösung zu finden, die in Richtung Erbbaurecht geht.

Sollten Sie also das Recht erwirken, auf dem Waldstadion-Gelände zu bauen, mit welchen Maßnahmen kann man rechnen?

Fischer: Mir schwebt ein Multifunktionsgebäude mit Spielertunnel unter der Haupttribüne vor. Die ist nicht unterbaut, da hat man Möglichkeiten. Zusätzliche Stehplatztribünen und abgetrennte Bereiche werden erst ein Thema, wenn wir aufsteigen. Die Investitionen im Waldstadion hängen davon ab, ob wir in die Regionalliga aufsteigen.

Ich kann das nicht alleine, weder finanziell noch von der Manpower her.

Jörg Fischer

Ist es ein Ziel, künftig am Waldstadion zu trainieren?

Fischer: Den Ascheplatz haben wir auf dem Schirm. Er soll irgendwann zu einem Kunstrasenplatz ausgebaut werden. Das hängt aber auch von Fördergeldern ab, man muss erstmal in diesen Förderzyklus kommen. Das versuchen wir jetzt anzugehen.

Wie sieht es mit dem Sanitär- und Umkleidebereich aus?

Fischer: Wir haben uns das angeschaut und fanden das nicht negativ. Das ist mit einem überschaubaren Aufwand zu machen. Die Räume sind größer und geräumiger als in Watzenborn-Steinberg an der Neumühle.

Wo sollen die Leute am Samstag parken?

Fischer: In der Vergangenheit kamen schon öfter über 1000 Zuschauer ins Waldstadion. Der Fußballfan weiß, wo man parken kann (lacht). Der Hammerwurfplatz wäre unter Abstimmung mit der Stadt bei gutem Wetter verfügbar. Die Zufahrtsstraße wird für Spieler und Angehörige gesperrt. Die Fläche der Uni am Kugelberg ist ein frei zugänglicher Parkplatz.

Ist in ferner Zukunft ein Neubau einer Tribüne und das Heranrücken ans Spielfeld denkbar?

Fischer: Die Haupttribüne und die Stehplatztribüne werden wir nicht verändern. Aber wir wollen die Rundungen schließen und dort vielleicht auch mal Stehplatztribünen errichten, also Treppenstufen wie beispielsweise in Haiger. Also nicht mobil, sondern fest installieren. Das ist aber auch abhängig von der Spielklasse.

Trainer Daniyel Cimen (Mitte) bekommt von Fischer ein Lob und soll mit Michael Fink (l.) die sportliche Zukunft beim FC Gießen lenken. Rechts Co-Trainer Zaki Tammaoui. (Foto: Friedrich)
Trainer Daniyel Cimen (Mitte) bekommt von Fischer ein Lob und soll mit Michael Fink (l.) d...

Ziel kann aus neutraler Sicht in dieser Saison nur der Regionalliga-Aufstieg sein.

Fischer: Es ist auf jeden Fall so, dass wir versuchen wollen, so lange wie möglich ganz oben mitzuspielen und dieses Ziel auch zu erreichen. Aber wir sind im Sport und einfach ist so etwas beileibe nicht.

Sollte in dieser Spielzeit der Aufstieg nicht gelingen und der FC Gießen in der Hessenliga bleiben. Wird der Aufwand dann beibehalten?

Fischer: Wir wollen das Projekt nachhaltig und seriös angehen, sodass es auch in einigen Jahren hochklassigen Fußball zu sehen gibt. Es ist nicht unsere Intention, das Ganze zurückzufahren, wenn wir es jetzt nicht schaffen. Wir wollen auch für die Jugend eine Plattform schaffen. Dahingehend ist der Aufstieg der zweiten Mannschaft eine absolut tolle Sache, die mich bis heute beeindruckt. Das ist eine super Möglichkeit, sich über die Verbandsliga eventuell an die erste Mannschaft heranzuarbeiten. Die Region profitiert denke ich insgesamt davon, ich finde es zum Beispiel auch klasse, dass sich beim FSV Fernwald wieder etwas tut.

Ich bin ja nicht wie Kai aus der Kiste gekommen. Ich bin eng verwurzelt mit dieser Region, unterstütze den Verein schon lange

Jörg Fischer

Viele, die das Projekt verfolgen, sagen: »Das Ganze lebt nur von Jörg Fischer.« Was entgegen Sie diesen Leuten?

Fischer: Wenn man so etwas macht, gibt es ein Gesicht, das das Ganze vorantreibt. Das bin ich, klar. Aber intern bin ich es nicht alleine. Dazu gehört der Vorstand, die Sponsoren. Es wäre viel zu plakativ, das auf mich zu begrenzen. Jörg Fischer kann das nicht alleine, weder finanziell noch von der Manpower her. Es sind viele Schultern, aber es ist unser Ziel, das weiter auf breitere Schultern zu verteilen. Nur so lässt es sich wirklich mit Nachhaltigkeit etablieren.

Jörg Fischer am letzten Freitag im Gießener Waldstadion. Mittlerweile hat sich noch mehr getan. (Foto: sno)
Jörg Fischer am letzten Freitag im Gießener Waldstadion. Mittlerweile hat sich noch mehr g...

Anschlussfrage: Wenn Sie keine Lust mehr haben, ist das Projekt dann vorbei?

Fischer: Das wird nicht so sein. Ich bin ja nicht wie Kai aus der Kiste gekommen wie das bei anderen Vereinen der Fall war. Ich bin seit 1995 Funktionär beim SC Teutonia Watzenborn-Steinberg. Ich bin eng verwurzelt mit dieser Region, unterstütze den Verein schon lange. Jetzt auf einem anderen Niveau, aber ich lebe das mit Leib und Seele. Es wird nicht so sein, dass ich von heute auf morgen aufhöre. Trotzdem: Wir müssen das Ganze auf breitere Schultern verteilen.

Zum Sportlichen: In den letzten Jahren gab es häufig Trainerwechsel. Wünschen Sie sich, dass mit Daniyel Cimen Kontinuität einkehrt?

Fischer: Wir sind mit ihm sehr zufrieden, es ist unser Wunsch, langfristig mit ihm zusammenzuarbeiten. Hinzu kommt Michael Fink, den wir durch Daniyel gewonnen haben. Das sind für uns zwei sportliche Gesichter.

Die Zweitligisten Heidenheim und Sandhausen sind so etwas wie Vorbilder für mich

Jörg Fischer

Wenn man auf die sportlichen Ziele zu sprechen kommt, hört man rund um den FC Gießen immer wieder die dritte Liga.

Fischer: Der Sprung von der Hessenliga in die Regionalliga war groß, das haben wir gemerkt. Und der von der Regionalliga in die dritten Liga ist gewaltig. Ich habe diese Relegationsspiele zum Aufstieg in die dritte Liga immer wieder verfolgt. Wenn man in Mannheim 25 000 Fans sieht und die das halbe Stadion auseinandernehmen, dann wird einem klar, das so etwas schwer zu stemmen ist. Aber: Man sollte Visionen haben. Zweitligist Heidenheim hat auch irgendwann angefangen mit einer kleineren Anlage, als wir sie hier in Gießen haben. Dieser Verein und Sandhausen sind so etwas wie Vorbilder für mich. Da braucht man zahlungskräftige Sponsoren, da muss die Stadt mitspielen, da muss es Fördergelder geben für den Ausbau eines Stadions. Da gehört viel dazu. Das sind Träume, die weit weg sind.

Zum Abschluss: Was muss passieren, damit Sie am Samstagabend von einem gelungenen Auftakt im Waldstadion sprechen?

Fischer: Wenn wir gutes Wetter und eine vierstellige Zuschauerzahl hatten, sportlich gewinnen und wenn die vielen Gäste sagen: Das war ein toller Fußballtag im Waldstadion. Das würde mich glücklich machen. Dann hätte sich die ganze Anstrengung ausgezahlt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Commerzbank Arena
  • FC Giessen
  • FSV Fernwald
  • Fussballfans
  • Fußball
  • SC Teutonia Watzenborn-Steinberg
  • SC Waldgirmes
  • Sponsoren
  • Träume
  • Ziele
  • Sven Nordmann
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.