08. November 2017, 16:02 Uhr

Anstoß

»Er nervt mich wie die Sau«

Eintracht-Frankfurt-Fan Henni Nachtsheim und Redakteur Ronny Th. Herteux haben sich über den Videobeweis, die »Länderspiel-Pause« und die Eintracht ausgelassen.
08. November 2017, 16:02 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)

Eintracht Frankfurt


Hallo Herr Nachtsheim, alle sprechen von der Länderspielpause. Ist das nicht Unfug? Schließlich pausiert allenfalls die Bundesliga.

Henni: Ein interessanter Ansatz. Es heißt ja auch fälschlicherweise »Sommer- oder Winterpause«, obwohl da ja auch nicht Sommer oder Winter pausieren, sondern Dinge wie zum Beispiel der Fußball oder der Bundestag. Andererseits stimmen Begriffe wie Sendepause oder Beziehungspause durchaus, weil da das Genannte jeweils Pause macht. Bei der Mittagspause wiederum machen ja ganz viele Leute Pause, nur der Mittag selbst nicht, weil er ja vor allem dazu dient, dass man während ihm pausieren kann. Genau genommen ist der Mittag ein »Pausen-Dienstleister«! Oder nehmen wir das arme Pausenbrot. Das wird einfach gegessen und wird nie erfahren, was es heißt, mal Pause zu machen. Herr Herteux, da haben Sie ein ganz schön komplexes Thema angeschnitten.

Interessieren Sie sich für die Spiele in London gegen England und in Köln gegen Frankreich? Oder hätten Sie sich gewünscht, dass die Bundesliga fortgesetzt wird? Aus Frankfurter Sicht kann man ja unentschlossen sein. Die Pause kommt genau richtig, um Tabellenplatz sieben einzufrieren. Oder: Es läuft momentan so gut, lass uns die nächsten Punkte einsammeln.

Henni: Ich finde es eigentlich schön, dass wir jetzt erst mal ein paar Tage lächelnd auf die Tabelle schauen können. Das ist wie mit den milden, sonnigen Herbsttagen. Wir genießen sie und saugen sie in uns auf, wissen aber, dass es auch wieder fiese Zeiten geben wird.

Es fehlen nur vier Punkte auf die zweitplatzierten Leipziger, unglaublich aus Frankfurter Sicht, oder?

Henni: Unglaublich finde ich das nicht. Die Eintracht spielt zwar immer noch nicht auf technisch besonders hohem Niveau (was aber noch kommen kann), ist aber schwer zu schlagen. Also sammelt sie automatisch Punkt um Punkt. Und deswegen ist sie oben dabei. Verdient, wie ich finde.

Unglaublich aber auch, dass die Überraschungs-Leipziger der Vorsaison erneut eine so gute Rolle spielen.

Henni: Es überrascht mich, dass Sie das überrascht! So wie der Verein aufgebaut und strukturiert ist, wie er geleitet wird, plus seiner finanziellen Mittel, wäre alles andere als Platz zwei oder drei am Ende der Saison ein Ding.

Apropos unglaublich, Heynckes kommt und schon stürmen die Bayern an die Spitze und die zuvor so überragenden Dortmunder kacken ab. Ist das zu erklären?

Henni: Der Heynckes-Effekt ist tatsächlich bemerkenswert, auch weil er so ein bisschen die These, dass der heutige Trainer jung und innovativ sein muss, untergräbt. Es gibt in dem Zusammenhang ein schönes Zitat von Maurice Chevalier: »Ein Mann mit weißen Haaren ist wie ein Haus, auf dessen Dach Schnee liegt. Das beweist aber noch lange nicht, dass im Herd kein Feuer brennt!« Ich finde, das passt gut zu Jupp Heynkes! Was Dortmund angeht, glaube ich, dass sie aus dieser Krise rauskommen werden, dazu haben sie schon zu gut gespielt.

Unglaublich ist aber auch der Frankfurter Sebastien Haller. Er hat das 2:1-Siegtor gegen Stuttgart und gegen Bremen jeweils kurz vor Schluss geschossen. Die sieben Millionen Euro haben sich ganz offenbar gelohnt.

Henni: Ja, da haben sie bei der Eintracht sehr gut hingeschaut, als sie über den Markt gelaufen sind und die Stände inspiziert haben.

Eine Bemerkung noch: Wenn sieben Millionen den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte bedeuten, dann wird einem sehr klar vor Augen geführt, wie weit sich inzwischen die Schere zwischen Arm und Reich in der Bundesliga spreizt. Wo führt das hin?

Henni: Das kann ich nicht beantworten, weil ich es auch nicht für möglich gehalten hätte, dass man mal einen Spieler für 222 Millionen transferiert. Vor vielen Jahren hatte Werder Bremen mal eine sogenannte »Millionen-Elf«, die zu dieser Zeit teuerste Mannschaft der Bundesliga. Für deren damaligen Gesamtwert würdest du heute nicht mal mehr eine Urinprobe von Neymar bekommen, das ist schon eine absurde Entwicklung.

Das Chaos um den Videobeweis nimmt schon humoristische Züge an. Das wäre doch was für Ihr neues Programm. Wenn Ihr Publikum auf einen Sketch nicht anspringt, bemühen Sie einfach den Videobeweis. Oder wenn es wider Erwarten zu lachen beginnt, dann würde ich ebenfalls mal nachschauen, was da los ist.

Henni: Ich muss zugeben, dass das ein ausgesprochen interessanter Vorschlag ist! Man zeigt dem Publikum, dass es mit seiner Entscheidung, nicht zu lachen, falsch lag. Geile Idee!

Aber im Ernst. Es hat den Anschein, als würde der Videobeweis nur beweisen, dass nichts und niemand ohne Fehler ist. Wir brauchen ein Instrument, das beweist, dass der Videobeweis nichts beweist. Oder so ähnlich.

Henni: Na ja, wenn Peter Gagelmann bei Sky am Ende des Spieltages auch die Videoschiedsrichter und deren Fehler analysiert, ist das ja schon so was wie die nächste Instanz. Auch wenn es dann nichts mehr ändert. Ich muss jedenfalls zugeben, dass ich zunächst gedacht habe, dass der Videobeweis eine Verbesserung darstellen wird, habe meine Meinung aber aufgrund der letzten Wochen und dieser ständigen emotionalen Wechselbäder geändert. Er nervt mich wie die Sau!

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