11. Januar 2018, 07:00 Uhr

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt vor Rückrundenstart: Gleiche Stabilität, mehr Spielfreude

Eintracht Frankfurt möchte im Jahr 2018 der erneut guten Hinserie eine entsprechende Rückrunde folgen lassen. Trainer Kovac will seinem defensiv starken Team spielerische Lösungen an die Hand geben.
11. Januar 2018, 07:00 Uhr
Das Gesicht des Erfolges in Frankfurt: Trainer Niko Kovac machte das Team mit seiner unnachgiebigen Art und Weise und seiner guten Menschenführung besser. (Foto: dpa)

Eintracht Frankfurt


Welchen Eindruck macht Eintracht Frankfurt vor dem Rückrundenstart?

Einen guten. Durch die Rückkehr der Leistungsträger Makoto Hasebe, Omar Mascarell und Marco Fabián wird der ohnehin vorhandene Konkurrenzkampf verschärft. Trainer Niko Kovac scheint es wieder gelungen zu sein, die Sinne seiner Spieler zu schärfen – der Wille, nach einer erneut starken Hinserie eine bessere Rückrunde folgen zu lassen, ist groß. Im Vorjahr holten die Hessen in den ersten 17 Partien sogar einen Zähler mehr als in dieser Saison, wurden in der Rückserie aber mit 13 Punkten Tabellenletzter. Davon ist nicht noch einmal auszugehen, und doch weiß Kovac vor dem Auftakt am Samstag (15.30 Uhr, Commerzbank-Arena) gegen Freiburg: »Wir werden alle wieder bei null anfangen müssen. Da muss man sich wieder reinkämpfen in die Bundesliga, und das wollen wir tun.«

 

Woran wurde in der kurzen Winterpause vor allem gearbeitet?

Am Spielaufbau. Gegen den Ball ist die Eintracht stark, hat hinter Bayern München die wenigsten Gegentore in der gesamten Liga kassiert. Die Phasen, in denen die Hessen den Ball haben, sind steigerungsfähig – ein Problem, das viele Bundesligisten kennen, auch Niko Kovac: »Das Spiel nach vorne müssen wir noch optimieren, und das geht nur Schritt für Schritt.« Beim einzigen Test in der Winterpause gegen Aue (3:1) gab es Licht und Schatten. Zunächst traten die spielerischen Probleme zutage, ehe drei Tore in 45 Minuten fielen. »Wir werden sicher noch die ganze Saison brauchen«, meint Kovac, der viele und klare Anweisungen gibt: Wie sich seine Spieler in den Halbräumen anbieten sollen, oder dass sie besser diagonal statt vertikal spielen. »Diagonale Anspiele sind leichter als vertikale, weil man gleich eine offene Spielstellung hat.« Immer wieder werden Spielzüge genauestens einstudiert. Kovac mag das Detail und ist wenig nachgiebig. Auch deshalb hat die Eintracht Erfolg. Gleich beim ersten Rückrundenspiel werden die Hessen vor die Herausforderung gestellt, vor heimischer Kulisse ein Spiel gestalten zu müssen – der SC Freiburg kommt, kein Team also, das per se die Spielgestaltung übernehmen möchte.

Welche Spieler haben sich in den letzten Wochen aufgedrängt?

Auffallend war in der Vorbereitung, dass Kevin-Prince Boateng seine Führungsrolle noch ausgeprägter als bisher wahrgenommen hat und sowohl auf als auch neben dem Rasen Verantwortung übernommen hat – sein Platz ist aber ohnehin sicher, anders als der von Aymen Barkok. Der 19-Jährige, der über die Stationen RW Frankfurt und Kickers Offenbach 2013 zur Eintracht gelangte, deutete im Test gegen Aue sein Offensivpotenzial an und bekam anschließend Lob von Manager Bruno Hübner: »Er war in aller Munde, dann ist er in ein Loch gefallen, was ganz normal ist. Viele haben ihn dann schon abgeschrieben, aber im Moment macht er es richtig gut.« Für mehr Spielkultur in der Rückrunde sollen die Rückkehrer aus dem Mittelfeld, Omar Mascarell und Marco Fabián, sorgen. Während Mascarell schon nah an der Startelf ist, wird es für Fabián zumindest gegen Freiburg sicherlich noch nicht von Beginn an reichen. Pluspunkte sammelte auch Stürmer Branimir Hrgota, der in der Hinserie fast gar keine Rolle spielte. Festzuhalten ist, dass ein lebendiger Konkurrenzkampf herrscht.

 

Manche träumen von Europa – ein unrealistisches Ziel?

Angesichts von aktuell elf Punkten Vorsprung auf Platz 16 und nur zwei Zählern Abstand zu Platz drei ist die Versuchung groß, von Euro-Plätzen zu träumen. Wenn die Eintracht stabiler agiert als in der letzten Rückserie und weiterhin ein zäher Kontrahent in jedem Bundesligaspiel bleibt, ist das auch nicht ausgeschlossen. Wahrscheinlich ist es aber nicht, schließlich ist der Konkurrenzkampf durch die Rückkehr der etablierten Vereine wie Schalke 04, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach immens. Dass die Eintracht einen der momentan ersten sechs am 34. Spieltag hinter sich lässt, ist schwer vorstellbar. Und so sagt Trainer Niko Kovac: »Wir müssen erst mal den Abstand nach unten vergrößern. Wenn dann noch viele Spiele verbleiben, werden wir uns mit Sicherheit auf etwas stürzen, was möglich ist.«

 

Wird es das letzte Halbjahr von Torhüter Lukas Hradecky in Frankfurt?

Es deutet aktuell alles darauf hin. Der 28-jährige Finne verzichtete im Sommer auf viel Geld, da er seinen für die Topleistungen verhältnismäßig gering dotierten Vertrag bei der Eintracht nicht verlängerte – dieser läuft im Sommer nun aus. »Ich glaube, dass bei ihm und seinem Berater, der sein Vater ist, jetzt gewisse Vorstellungen herrschen«, sagte Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner in einer Presserunde im Trainingslager. »Wenn wir die korrigieren können und das im Rahmen unserer Möglichkeiten ist, sind wir die Ersten, die gesprächsbereit sind. Aber das wird relativ schwer.« Bayer Leverkusen, das wiederum mit einem Abgang von Stammtorhüter Bernd Leno rechnen soll, gilt als Hauptinteressent. Die Eintracht schaue sich bereits nach Nachfolgern um, wie Hübner erklärte: »Wir haben drei Namen im Kopf und werden die Kandidaten im Training und in den Spielen beobachten.« Zuletzt war der dänische Keeper Frederik Ronnow (25) von IF Bröndby im Gespräch. Dort folgte er 2015 auf Hradecky.

Schlägt die Eintracht noch einmal auf dem Transfermarkt zu?

Abgänge sind wahrscheinlicher als Neuverpflichtungen. Gehen können die außen vor stehenden Yanni Regäsel und Slobodan Medojevic, Max Besuschkow soll ausgeliehen werden. Ansonsten ist die Eintracht durch die Rückkehr mehrerer Leistungsträger derzeit gut aufgestellt. Ein Winter-Transfer sei »nicht unbedingt geplant. Wenn wir vom kommenden Sommer etwas vorziehen können, werden wir das prüfen. Aber das ist kein Muss«, sagt Manager Hübner. Generell befindet sich Eintracht durch den Aufschwung in einer für den Verein guten und für Ligaverhältnisse ordentlichen finanziellen Situation wider. »Ich war schon im vergangenen Sommer überrascht, dass wir diese finanziellen Mittel zur Verfügung stellen konnten«, sagt Hübner. »Das war ein richtiger Schritt nach vorne. Ich bin ja im siebten Jahr hier, sechs Jahre lang war es für mich unvorstellbar, dass wir in diesem Bereich mal investieren können.« Der aktuelle Umsatz beläuft sich nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Steubing auf 110 Millionen Euro, das Eigenkapital liege bei acht Millionen Euro. »Wir haben einen wahnsinnigen Zuspruch von Partnern, die mit uns arbeiten wollen«, sagt Steubing. Entsprechend könne man auch im Winter personell reagieren.

Kommentar

Kontinuierlich besser

Eintracht Frankfurt hat in den letzten Jahren eine richtig gute Entwicklung genommen. Mit Axel Hellmann als Antreiber im Vorstandshintergrund öffnete sich der Verein für internationale Märkte und steht so finanziell auf guten Beinen. Logen, Businessseats, Werbeleistungen, alles ausverkauft – »Eintrittskarten und Trikots sind so gefragt wie nie«, sagte Hellmann schon im Sommer. Dass es auch sportlich gut läuft, liegt allen voran an Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Niko Kovac. Bobic sagte im Winter 2017: »Ich muss mich nicht damit abfinden, dass die Tabelle aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen zementiert ist.« Auf die Aussagen folgte eine äußerst schwache Rückserie. Es spricht für Kovac und das gesamte Team, dass im Stadtwald vor dieser Rückrunde wieder von Europa geträumt werden darf. Eine gewisse Stabilität und Kontinuität ist zu erkennen. So wird Frankfurt von etablierten Konkurrenten mittlerweile wahrgenommen. Wie eng und unberechenbar die Bundesliga trotzdem sein kann, beweist das Beispiel des 1. FC Köln. Sven Nordmann

 

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