30. August 2018, 22:22 Uhr

Tragisch

Dolchstoß in der Schlusssekunde

Die HSG Wetzlar verliert ihr Bundesliga-Auswärtsspiel beim TBV Lemgo Lippe mit 24:25 (12:14) durch ein Gegentor mit der letzten Aktion des Spiels.
30. August 2018, 22:22 Uhr
Enttäuscht und bedient: Stefan Kneer nach der Wetzlarer Last-Minute-Niederlage beim TBV Lemgo. (Foto: Eibner)

HSG Wetzlar


Noch zwei Sekunden auf der Uhr beim Spielstand von 24:24, noch ein Freiwurf der Gastgeber – und die nächste Niederlage der HSG Wetzlar beim TBV Lemgo Lippe war besiegelt. Der neunfache Gastgeber-Torschütze Fabian van Olphen brachte die mit 3500 Zuschauern besetzte Lipperlandhalle mit seinem 25:24 (12:14)-Siegtreffer zum Beben. Derweil trotteten die Mittelhessen am Donnerstagabend enttäuscht und frustriert vom Parkett. Über weite Strecken der Partie hatten die Mirkulovski und Co. in Front, nur zwei Mal beim 3:4 (6.) und 8:9 (18.) zurück gelegen; hatten Kampf, Herz und Leidenschaft gezeigt und vier Minuten vor dem Ende beim 24:22 von Stefan Cavor alle Trümpfe in der Hand! Dann aber gaben sie die große Siegchance aber noch aus derselben.

»Wir haben in der Endphase die nötige Cleverness vermissen lassen und Lehrgeld gezahlt«, konstatierte Wetzlars Trainer Kai Wandschneider, der zudem monierte, drei, vier diskussionswürdige Schiedsrichterentscheidungen in der Crunchtime hätten sein Team aus dem Tritt gebracht. Sein Gegenüber Florian Kehrmann verwies in seinem Fazit augenzwinkernd gleichfalls auf die packende Schlussphase und stellte fest: »Ein bisschen Routine ist eben ganz gut.« Einig waren sich beide Trainer, dass nach den 60 Minuten ein Unentschieden das gerechteste Ergebnis gewesen wäre.

Die HSG Wetzlar hatte auf Rechtsaußen mit Florian Weissgerber für den angeschlagenen Kristian Björnsen begonnen und während der gesamten Partie Probleme, überhaupt Druck über die Flügel aufzubauen. Auch kam Anton Lindskog am Kreis kaum zum Zuge, der erste Treffer von sechs Metern gelang Nils Torbrügge kurz nach seiner Einwechslung zum 11:10 in der 22. Minute. Herausragend war Stefan Cavor im rechten Rückraum, der Linkshänder hatte mit seinen sechs Treffern vor dem Wechsel erheblichen Anteil an der verdienten 14:12-Pausenführung der Grün-Weißen.

Immer dann, wenn es den Wetzlarern gelang, das Lemgoer Umschaltspiel einzudämmen und den TBV im Angriff ins Stellungsspiel zu bekommen, reduzierte sich bis auf den neunfachen Vollstrecker Fabian van Olphen die Torgefahr der Gastgeber. Auch wenn es im eigenen Angriff noch etwas an Bewegung fehlte und Lenny Rubin permanent den Körperkontakt von Christian Klimek oder Fabian van Olphen zu spüren bekam, so hatten die meisten Spielzüge der Wetzlarer doch Hand und Fuß und führten immer wieder zum Erfolg. Als dann schließlich nach einer Viertelstunde Till Klimpke für den farblosen Tibor Ivanisevic zwischen die Pfosten kam und bis zur Pause fünf Würfe der Kehrmann-Schützlinge parierte, war der Weg zur Zwei-Tore-Führung nach 30 Minuten geebnet.

Im gebundenen Spiel hatten die Mittelhessen auch weiter mehr Qualität als die Lemgoer und führten folgerichtig nach einem Öfors-Gegenstoß in der 33. Minute beim 16:13 erstmals mit drei Treffern. Da im zweiten Abschnitt Neuzugang Nils Torbrügge sowohl am Kreis auch als auch auf der zentralen Position in der Abwehr immer mehr zum Faktor wurde, Till Klimpke erneut fünf Paraden zeigte und sogar die Zeitstrafen gegen Joao Ferraz (46.) und Olle Forsell Schefvert (50.) weitgehend schadlos überstanden wurden, war das Team von Trainer Kai Wandschneider nach dem 24:22 von Stefan Cavor in der 56. Minute so nahe wie selten zuvor am ersten Triumph im Ostwestfälischen.

Den Dolchstoß versetzte den Grün-Weißen in der Schlusssekunde aber doch noch Fabian van Olphen. Lenny Rubin hatte beim 24:24 den Ball nicht versenken können, die Wetzlarer 38 der letzten 40 Sekunden mit aller Hingabe verteidigt, aus halbrechter Position aber einen Freiwurf aus neun Metern nicht vermeiden können. Die HSG-Abwehr stand wie eine Mauer - aber van Olphen fand auf Suton-Zuspiel die Lücke und den Weg an Klimpke vorbei ins Tor. Tragisch!

Lemgo Lippe: Wyszomirski, Johannesson; Kogut (1), Guardiola (1), Ebner (2), van Olphen (9), Theuerkauf (2/1), Hornke (5/3), Hübscher (n.e.), Carlsbogard (n.e.), Suton (2), Bartok (1), Jebram (n.e.), Klimek, Zieker (2).

Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Hermann (1), Kneer, Björnsen (n.e.), Ferraz, Mirkulovski (3), Schreiber (n.e.), Torbrügge (3), Weissgerber, Frend Öfors (3), Holst (1/1), Forsell Schefvert (1), Rubin (4), Lindskog, Cavor (8).

Stenogramm / SR.: vom Dorff/vom Dorff (Kaarst) - Zuschauer: 3466. - Zeitstrafen: 2:4 Minuten. - Siebenmeter: 6/4:1/1. - Torfilm: 4:4 (7.), 6:6 (12.), 9:8 (18.), 11:12 (25.), 12:14 (Halbzeit); 13:16 (34.), 18:18 (41.), 20:22 (48.), 22:22 (52.), 22:24 (56.), 25:24 (Endstand).

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