17. März 2017, 12:00 Uhr

Analyse der Teutonen

Die Neuzugänge stehen in der Pflicht

Vor den entscheidenden Wochen in der Fußball-Regionalliga Südwest analysieren wir die Rolle der Neuzugänge in Watzenborn-Steinberg: Nur wenige stellten eine echte Verstärkung dar.
17. März 2017, 12:00 Uhr
Jonatan Kotzke (am Ball) zählt zum Besten, was der Aufsteiger in dieser Saison zu bieten hat. (Foto: ras)

Vor dem extrem wichtigen Doppel-Heimspieltag steht die Teutonia aus Watzenborn-Steinberg unter Zugzwang: Nur wenn gepunktet wird, lebt die Hoffnung auf den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga Südwest. Auch unter dem Trainerduo Gino Parson/Stefan Hassler spielen die Neuzugänge, die vor der Saison oder in der Winterpause kamen, eine tragende Rolle. Acht von ihnen standen zuletzt regelmäßig in der Startelf. Grund genug die Leistung der insgesamt 15 Neuen nach zwei Dritteln der Saison zu bewerten.

Wirklich positiv kann eine Analyse der Transferpolitik aktuell nicht ausfallen – für die Note 4, ausreichend, würde es nur dann reichen, wenn auch die Punkte am Saisonende ausreichen und der Klassenverbleib doch noch gelingen sollte. Andernfalls führen die vielen Totalausfälle bzw. Dauerverletzten zur Note 5, mangelhaft. Was man den Verantwortlichen dabei zugute halten muss: Sie hatten keine Vorerfahrung in der vierthöchsten deutschen Spielklasse, der imaginären Grenze zum Profibereich. Auch der TSV Steinbach, momentan Tabellendritter, profitierte im vergangenen Jahr in extremem Maß von den zahlreichen Kontakten des damaligen Ex-Profis Thomas Brdaric. Als er nach Steinbach kam, war er als Trainer schon zweimal Regionalliga-Meister (Mit der TSG Neustrelitz in der Nordost-Staffel, mit dem VfL Wolfsburg II in der Nord-Staffel) – zudem führte er eine Berateragentur.

Brdaric legte mit der Runderneuerung des Kaders im Winter 2016 den Grundstein für den jetzigen Erfolg des TSV Steinbach. In Watzenborn-Steinberg versuchte man sich selbst – holte mit Jonatan Kotzke einen Hochkaräter, mit Spielern wie Markus Müller oder Christopher Spang ehrliche Arbeiter – aber auch viele Problemfälle, die der Mannschaft keinerlei Halt geben konnten.

Das Hauptproblem besteht darin, dass viele der Neuzugänge nicht in körperlichem Top-Zustand kamen bzw. verletzungsanfällig sind. »Unsere Neuen sind fast nur verletzt«, sagte ein Spieler, der schon seit zwei Jahren im Verein ist, nach der Heimniederlage vor drei Wochen gegen den VfB Stuttgart II. In diese Kategorie fällt Francis Adomah, der als feste Defensivgröße eingeplant war, aber erst sechs Partien über die volle Distanz absolvieren konnte. Auch Innenverteidiger Oliver Laux stand erst achtmal auf dem Platz, nach dem 10. September 2016 überhaupt nur noch einmal. Die langwierige Schambeinentzündung soll schon vor dem Wechsel bekannt gewesen sein.

Selten die gleiche Startelf

Der niederländische Neuzugang Yannick Cortie absolvierte im neuen Jahr verletzungsbedingt noch nicht eine einzige Pflichtspielminute. Negativer Höhepunkt in dieser Riege ist Abdenour Amachaibou, der zwischenzeitlich sogar zum Kapitän ernannt wurde, vom Team aber nicht als Kapitän anerkannt wurde und dem hohen Anspruch auch sportlich selten gerecht wurde. Der wohl teuerste Neuzugang mit Zweit- und Drittligaerfahrung steht seit drei Wochen nicht mehr im Kader – obwohl er, nach etlichen verletzungsbedingten Pausen, fit ist. »Wenn ich mir die Verletztenliste anschaue, ist das frustrierend«, sagte Geschäftsführer Jörg Fischer vor drei Wochen.

Durch die häufigen Verletzungen (aktuell »nur« fünf Ausfälle) und die wechselnden Trainer konnte sich so nie eine echte Stammformation bilden. Das erschwerte die Arbeit. Von der individuellen Klasse her hat die Teutonia das Potenzial, die Liga zu halten. Zu selten aber konnte bisher auf alle Spieler zurückgegriffen werden, der Teamgeist entwickelte sich erst zuletzt wieder.

Das neue Trainerduo Parson/Hassler erkannte das, arbeitete am »Wir«-Gefühl und konzentrierte sich zuletzt darauf, eine feste Elf zu bilden. Unter ihnen blüht auch der vor der Saison von den Offenbacher Kickers gekommene Mittelstürmer Markus Müller allmählich auf. Charakterlich steht die Führungsfigur außer Frage, lange Zeit aber hatte der 28-Jährige Probleme mit der Hauptaufgabe eines Stürmers: Nach 23 Spielen hatte er erst einmal getroffen. In den letzten beiden Partien folgten nun drei Treffer. Er kann ebenso als Verstärkung angesehen werden wie die Offensivspieler Dennis Lemke (sechs Scorerpunkte in 15 Partien) und der aktuell verletzte Alessandro Ficara (acht Scorerpunkte in 21 Spielen).

Die mit Abstand größte Verstärkung in dieser Saison stellt aber Jonatan Kotzke dar. Der 26-Jährige spekulierte bis kurz vor seinem Wechsel nach Watzenborn-Steinberg noch auf einen Vertrag bei Drittligist FSV Frankfurt, kam dort dann aber nicht unter und zieht nun bei den Pohlheimern die Fäden im Mittelfeld. Er bringt Struktur ins Spiel und zählt zum Besten, was der Aufsteiger zu bieten hat.

Will die Teutonia den Klassenerhalt schaffen, müssen auch die in der Winterpause gekommenen Neuzugänge wie Damjan Marceta oder Mehmet Kodes effektiv mehr leisten und Impulse geben – so wie Marcel Avdic beim 3:2-Sieg gegen Astoria Walldorf. Die Neuen stehen in der Pflicht – schließlich bilden sie einen Großteil des Teams, in dem mit Yannik Dauth, Kian Golafra und Louis Goncalves zuletzt noch drei Identifikationsfiguren aus der Heimat spielten. Wollen die »Neuen« auch zu Identifikationsfiguren werden, müssen sie ihren Teil beitragen. Der Konkurrenzkampf muss leben. Ganz so, wie es Avdic vor zwei Wochen sagte: »Egal wer nachrückt, alle geben Vollgas.«

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