16. April 2018, 06:35 Uhr

Bundesliga

Die Hoffnung lebt weiter

Durch einen sensationellen 28:26-Coup bei der MT Melsungen hat der TV 05/07 Hüttenberg im Kampf gegen den Abstieg aus der Handball-Bundesliga Boden gut gemacht.
16. April 2018, 06:35 Uhr
Sensation perfekt: Melsungens Timm Schneider (l.) kann Hüttenbergs Ragnar Johannsson nicht aufhalten. (Foto: Eibner)

TV 05/07 Hüttenberg


Paukenschlag im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga. Der TV 05/07 Hüttenberg holte sich gestern Nachmittag einen unerwarteten 28:26 (11:11)-Auswärtssieg beim Tabellensiebten MT Melsungen und ist damit sechs Spieltage vor Saisonende nun punktgleich mit dem TuS N-Lübbecke auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Nur das schlechtere Torverhältnis belässt die Blau-Weiß-Roten noch weiter auf dem vorletzten Rang.

Ausgelassen feierten die TVH-Spieler den Triumph in Nordhessen. Tomáš Sklenák kam kaum zu Wort. »Wir haben heute konzen-triert gespielt. Wir haben die zwei Punkte, aber auch noch schwere Spiele vor uns«, konnte der tschechische Routinier immerhin berichten.

Im Vorfeld des Hessenderbys hatte es bei Gastgeber MT Melsungen mächtig rumort. Die Trennung von Trainer Michael Roth nach fast acht Jahren und der vorgezogene Wechsel auf Heiko Grimm war das Thema der letzten Woche in der Handball-Bundesliga – und schien die Gastgeber zu lähmen. Trotz deutlicher körperlicher Vorteile gelang es der Melsunger Deckung nicht, die geduldig vorgetragenen Angriffe der Hüttenberger Handballer in den entscheidenden Momenten zu bremsen.

So konnte Ragnar Jóhannsson, beflügelt von seinem Debüt in der isländischen Nationalmannschaft, mit seinem schon dritten Treffer zum 4:2 in der zehnten Minute einwerfen und abermals seinen Gegenspieler, Europameister Julius Kühn, schlecht aussehen lassen. Auch beim in Überzahl toll heraus gespielten 5:3 durch Mario Fernandes vom Kreis zeigten die Gäste, dass sie nicht nur kämpfen können. Zwar kam die MT durch zwei Tempogenstöße von Michael Allendorf und Tobias Reichmann zum 6:6-Ausgleich (18.), kippen sollte das Spiel aber nicht. Melsungen konnte zwar bis zur Pause nun immer vorlegen, doch der TVH glich sofort wieder aus. So beim 9:9 und 10:10 jeweils durch Kreisläufer Moritz Zörb, der doublettengleich von Sklenák per Bodenpass glänzend bedient wurde. Erneut Jóhannsson mit seinem schon fünften Tor sorgte für den 11:11-Halbzeitstand.

Hatten viele nun mit einer wütenden Reaktion des Favoriten gerechnet, so war von einer solchen nichts zu sehen. Weiter stand die TVH-Defensive gut und kämpfte aufopferungsvoll. So sollte das 15:14 durch Johannes Golla ins in Unterzahl verwaiste TVH-Tor die letzte Melsunger Führung sein. Hüttenberg spielte weiter im Angriff, wie von Trainer Emir Kurtagic gefordert, geduldig und war beim 19:17 erneut durch den isländischen Linkshänder bei drohendem Zeitspiel wieder mit zwei Toren vorne (45.).

Sollte sich in der Endphase bei Hüttenberg, das kaum wechselte, der Kräftverschleiß einschleichen? Zumindest nutzte Melsungen eine Zeitstrafe zum 22:22-Ausgleich zehn Minuten vor dem Ende. »Wenn wir kurz vor Ende dran sind, haben wir vielleicht die Chance, in Melsungen etwas zu holen«, hatte Kurtagic im Vorfeld mutig gesagt. Sollte er Recht behalten? Ja! Denn Hüttenberg holte sich durch einen bedingungslos in die Lücke durchstoßenden Ragnar Jóhannsson und den fehlerfreien Siebenmeterschützen Daniel Wernig die Führung zurück (25:23 sieben Minuten vor dem Ende).

Es wurde also dramatisch und der Favorit zeigte Nerven. Golla scheitere frei vom Kreis an Fabian Schomburg im TVH-Kasten, Kühn ballerte weit drüber und Reichmann setzte den Ball von Rechtsaußen am langen Eck vorbei. Dominik Mappes’ Treffer zum 27:24 bei etwas mehr als zwei Minuten Restspielzeit war Gold wert, denn Melsungen öffnete die Deckung, um zu schnellen Ballgewinnen zu kommen. Doch als erneut Reichmann, nach seinem Tor zum 25:27, in Überzahl den Anschluss herstellen wollte, lenkten Schomburgs Fingerspitzen den Ball an den Pfosten. Das war der Sieg bei noch 60 Sekunden auf der Uhr. Zumal Jóhannsson noch zum 28:25 einwarf, so dass der Schlusspunkt von Felix Danner nicht mehr ins Gewicht fiel.

»Wir haben ein super Spiel abgeliefert. Wir waren die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen. Das heißt schon etwas in Melsungen«, gab ein glücklicher Emir Kurtagic nach Spielende zu Protokoll. »Das genießen wir heute und feiern es auch ein bisschen. Aber wir dürfen nicht durchdrehen. Das ist nur ein Sieg. Ab morgen geht wieder die Konzentration auf die kommenden Aufgaben, die nicht leichter werden. Aber auf alle Fälle ein Riesenkompliment an die Jungs.«


MT Melsungen: Sjöstrand, Simic; Maric (2), Kühn (5), Golla (3), Reichmann (4), Mikkelsen, Danner (2), Philipp Müller, Boomhouwer, Schneider (1), Allendorf (6/2), Michael Müller (3), Haenen, Langhans.

TV 05/07 Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Sklenák (2), Wörner, Lambrecht (1), Wernig (7/4), Lauer, Rompf, Zörb (3), Fernandes (1), Jóhannsson (9), Klein, Roth, Mappes (3), Hofmann (2), Hahn.

Stenogramm / SR: Zupanovic/Thone (Berlin) – Zuschauer: 4027. – Zeitstrafen: 12:12 Minuten. – Disqualifikation: Michael Müller (MT, 53.). – Siebenmeter: 3/2:4/4.

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