29. Mai 2018, 07:35 Uhr

Abstiegskampf

Die Grenzgänger des TV Hüttenberg

2600 Zuschauer fieberten am Sonntag mit dem TV Hüttenberg gegen den VfL Gummersbach mit. Nach dem 22:23 gab es auch kritische Stimmen. Vollkommen zu Unrecht!
29. Mai 2018, 07:35 Uhr

Von Ralf Waldschmidt , 1 Kommentar
Alles gegeben, aber es hat nicht gelangt: Ein gezeichneter und enttäuschter Hüttenberger Tomas Sklenak nach dem 22:23 gegen Gummersbach. (Foto: ras)

TV 05/07 Hüttenberg


Die Bundesliga-Handballer des TV 05/07 Hüttenberg sind eigentlich abgestiegen. Klar! Nach dem 22:23 (10:11) gegen den ruhmreichen VfL Gummersbach sind die Chancen auf den Ligaerhalt nur noch theoretischer Natur. TuS N-Lübbecke müsste am nächsten Sonntag am letzten Spieltag (zeitgleich 15 Uhr) beim Nachbarn TBV Lemgo verlieren und die Eulen Ludwigshafen ebenso gegen den HC Erlangen, der TV 05/07 aber zugleich die Sensation bei den Füchsen Berlin schaffen. Zwei der drei Aufsteiger wird es also wieder erwischen – wie so oft in den vergangenen Spielzeiten.

Bei den Hüttenbergern aber muss sich niemand einen Vorwurf machen. Der am Sonntag kritisierte Rückraum-Linkshänder Ragnar Johansson nicht, der sich in 33 Erstliga-Partien für den TVH unglaublich aufgerieben hat und der dann gegen eine extrem gegen ihn arbeitende, zwei Meter hohe VfL-Mauer halt auch mal Böcke auf Karius- oder Ulreich-Niveau schießt. Und keinesfalls Johannes Klein, der sich – aus der Oberliga kommend – seit Monaten aufopferungsvoll in den Ring wirft, jede Faser seines Körpers für den TVH hergibt und seiner vergebenen Großchance im Gegenstoß sicher am meistern nachtrauert. Und Torhüter Fabian Schomburg sorgte mit neun Paraden im zweiten Abschnitt überhaupt erst dafür, dass die Partie in der Endphase so dramatische Züge annahm.

»Wir sind alle maßlos enttäuscht. Für uns ist ein Abstieg extrem schlimm, weil wir uns die letzten Jahre von Wunder zu Wunder gehangelt haben«, sagte Daniel Wernig, »als wir 17:15 geführt haben, habe ich gedacht, wir ziehen das jetzt durch. Am Ende aber haben uns ein paar Körner gefehlt, wir haben hier im Spiel und in der Saison viel Kraft gelassen.« Der Kapitän sprach damit zwei Dinge zugleich an. Einmal die Tatsache, dass ein Erstliga-Klassenerhalt einem neuerlichen TVH-Wunder gleichkäme; zum anderen die Phase zwischen der 42. und 46. Minute, als Hüttenberg nach einem Mappes-Kempa auf Wernig-Anspiel (42.) sowie einem beim 17:15 von Ritschel gegen von Gruchalla parierten Siebenmeter im Gegenstoß ein folgenschwerer Fehlpass das psychologisch bedeutsame 18:15 verhinderte. Vier Minuten später stand es 18:18 (50.) und die TVH-Euphorie war wieder verflogen.

»Unfassbar. Das Spiel war unglaublich umkämpft. Es war eine unfassbare Hitze hier, die Fans haben Druck gemacht. Das war aufreibend. Ich glaube, wir haben uns nie aufgegeben und kühlen Kopf bewahrt. Das hat uns den Sieg beschert«, sagte der nie zu bändigende Gummersbacher Kreisläufer Moritz Preuss.

Es grenzt eigentlich an das nächste Wunder, dass der TV 05/07 Hüttenberg nach seinem unfassbaren Durchmarsch von der 3. in die 1. Liga vor dem 34. Spieltag bei all den zusätzlichen Rückschlägen während der Saison noch immer nicht abgestiegen ist.

Neu-Trainer Emir Kurtagic hat die Eyjolfsson-Lücke auf dem Chefsessel bestens geschlossen und das Team als Team die schwerwiegenden Ausfälle der bedeutsamsten Neuverpflichtungen Szymon Sicko und Vladan Lipovina über zwei Drittel der Spielzeit akzeptiert. »Mit Lipovina hätten wir vielleicht vier bis sechs Punkte mehr« sagt der scheidende Dominik Mappes, »über seine Qualität müssen wir nicht reden.« Kompensieren können hat das Team diese Ausfälle nicht. Viele andere Mannschaften aber wären bei dieser Gemengelage längst in sich zusammengebrochen. Die Hüttenberger Handballer nicht. Darauf können sie stolz sein. Von daher verbietet sich jedwede Individualkritik an Spielern eines Teams, das Woche für Woche bereit gewesen ist, über seine Grenzen zu gehen.

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