10. August 2018, 16:00 Uhr

Handball-Bundesliga

Der Meister als Wundertüte

In wenigen Tagen beginnt die neue Saison der Handball-Bundesliga. Wir stellen die Kontrahenten der HSG Wetzlar vor. In Teil zwei unser Serie zwei beschäftigen wir uns mit drei Teams, die zuletzt für Furore gesorgt haben.
10. August 2018, 16:00 Uhr
Flensburgs Trainer Maik Machulla tappt noch im Dunkeln, was die Leistungsfähigkeit seiner neuen Mannschaft angeht. (Foto: dpa)

HSG Wetzlar


Für Maik Machulla, den Trainer der SG Flensburg/Handewitt, ist die Sache klar: »Wir sind die größte Wundertüte der Liga«, sagte er der »Sportbild«. Der amtierende Handball-Meister befindet sich im Umbruch, sodass kein Erstliga-Trainer die Norddeutschen als Favorit auf den Titel sieht. Am Limit spielten in der letzten Runde die TSV Hannover-Burgdorf und der TBV Lemgo, der mit neuem Namenszusatz und nahezu identischem Team antritt. Heute haben wir in Teil zwei unserer Serie diese drei Teams in den Fokus genommen.

 

SG Flensburg/Handewitt

Die Euphorie im Norden ist nach dem am Ende überraschenden Titelgewinn groß. Dennoch haben vier absolute Leistungsträger die SG verlassen – von den Zugängen sind nur zwei in Deutschland bekannt. Es wird also eine spannende Saison für die SG Flensburg/Handewitt.

Kommen und Gehen: Es herrschte viel Betrieb an der Förde: Sechs Spieler verließen den Meister, sechs sind gekommen – unter ihnen Benjamin Buric von der HSG Wetzlar. Zusammen mit dem Norweger Torbjörn Bergerud bildet Buric das neue Torhüter-Gespann der SG, nachdem SG-Keeper-Ikone Mattias Andersson seine Karriere beendet hat und Kevin Möller zum FC Barcelona gewechselt ist. In Henrik Toft Hansen und Thomas Mogensen gingen zwei weitere absoluten Leistungsträger, zudem verließen Kentin Mahé und Jacob Heinl die Flensburger. Von den sechs Zugängen kommen vier aus der dänischen Liga. Buric und der von der MT Melsungen geholte 20-jährige Kreisläufer Johannes Golla sind die einzigen Neuen mit Bundesliga-Erfahrung.

Stärken und Schwächen: »Unsere jungen Neuzugänge versprechen viel Potenzial und können hoffnungsvolle Leistungsträger werden«, sagt SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke, der selbst von einem Umbruch im Team spricht. Dass die Spieler um Routinier Holger Glandorf (35) alle über eine hohe individuelle Qualität verfügen, ist unbestritten. Allerdings wird es wohl eine Zeit brauchen, bis sich die Zugänge in der Bundesliga etablieren und bis Trainer Maik Machulla aus den Einzelteilen eine Spitzenmannschaft formen kann – zumal der neu verpflichtete Spielmacher Göran Johannessen am Sprunggelenk operiert werden musste und bis Oktober ausfallen wird. Die Defensive könnte zur Achillesferse der SG werden, denn in Anders Zachariassen und dem Weltklasse-Abwehrboss Tobias Karlsson ist nur der Mittelblock geblieben. Ob die neuen Torhüter auf Anhieb in die großen Fußstapfen ihrer Vorgänger treten können, ist ebenso offen.

Trainer und Umfeld: Maik Machulla geht in seine zweite Saison als Flensburger Trainer. Immerhin wird von den Verantwortlichen nicht die Titelverteidigung erwartet, was etwas Druck von ihm nimmt. Die Mannschaft bewegt sich in einem positiv handballverrückten Umfeld. Neue Sponsoren, 5000 verkaufte Dauerkarten und ein um 500 000 Euro gestiegener Etat auf nach Vereinsangaben rund sieben Millionen Euro sprechen eine klare Sprache.

Prognose: Die Titelverteidigung wird sehr, sehr schwer – ist aber nicht ausgeschlossen. Realistisch ist eher, dass die Flensburger zwar in der Spitzengruppe mitmischen. Ob es aber reichen wird, den Nordrivalen THW Kiel oder die Rhein-Neckar Löwen hinter sich zu lassen, ist fraglich. Auch kein einziger Bundesliga-Trainer sieht im Titelverteidiger den Favoriten auf die Meisterschaft.

 

TSV Hannover-Burgdorf

Die vergangene Saison war die erfolgreichste in der Geschichte der TSV Hannover-Burgdorf – als Sechster qualifizierten sich die Recken für die dritte Runde der EHF-Cup-Qualifikation. Vor der neuen Runde – es ist für die Niedersachsen die zehnte im Oberhaus – hat sich einiges getan. Vor allem der Abgang des Bundesliga-Torschützenkönigs schmerzt.

Kommen und Gehen: Linksaußen Casper Mortensen war in der vergangenen Saison mit 230 Saisontreffern der Top-Torjäger der gesamten Liga – und hat sich mit dieser Empfehlung in Richtung Barcelona verabschiedet. Ein Spanier soll ihn ersetzen: Cristian Ugalde, der zuletzt in Veszprem in Ungarn spielte. Außerdem neu im Team sind der slowenische Nationalkeeper Urban Lesjak (kam aus Celje), der den nach Berlin abgewanderten Malte Semisch vergessen machen soll, Nejc Cehte (aus Velenje/Slowenien) als Back-up für Rückraum-Ass Kai Häfner und der 2,02 m große kroatische Abwehrspezialist Domagoj Srsen, der zuletzt in Oroshazi/Ungarn sein Geld verdiente.

Stärken und Schwächen: Die spannende Frage lautet: Wie schnell gelingt es Trainer Carlos Ortega, die Zugänge zu integrieren? Die Vorbereitung lief nicht nach Wunsch: Rechtsaußen Torge Johannsen (Ellenbogenverletzung) und Srsen (Muskelfaserriss in der Leiste) fehlten mehrere Wochen lang. Für die Recken spricht ihre Kompaktheit und ihre Heimstärke. Auch die Klasse von Spielmacher Morten Olsen ist unbestritten. Sein Back-up, der Russe Pavel Atman, möchte nach einer Seuchensaison wieder angreifen und macht mit einem anderen Spielstil als Olsen die TSV schwerer ausrechenbar.

Trainer und Umfeld: Der Spanier Carlos Ortega ist ein Trainerfuchs, der als Spieler sechsmal die Champions League gewann. Sein »Co« und Landsmann Iker Romero gilt als »Handball-Hirn« – im letzten Jahr haben die beiden Iberer die Niedersachsen auf den tollen sechsten Platz und ins DHB-Pokal-Finale geführt. Dennoch gab es Unruhe: Nach Differenzen mit Günter Papenburg, dem Eigner der TUI-Arena, wurde Geschäftsführer Benjamin Chatton durch die Doppelspitze Eike Korsen und Ex-Spieler Sven-Sören Christophersen ersetzt. Für den 101-fachen Nationalspieler mit Wetzlarer Vergangenheit ist die Position des Sportlichen Leiters der erste Job neben dem Parkett.

Prognose: Platz sechs aus der Vorsaison zu wiederholen, wird sicher schwer für die Recken, zumal – die Qualifikation für den EHC-Cup vorausgesetzt – eine Doppelbelastung für den nicht ganz so tief besetzten Kader ansteht. Ein einstelliger Tabellenplatz sollte für Hannover-Burgdorf aber drin sein.

 

TBV Lemgo Lippe

Neuer Name, altes Team. Der TBV Lemgo geht seit diesem Sommer mit dem Zusatz Lippe an den Start. Damit möchte der Traditionsverein seine Regionalität stärken, mehr Zuschauer und Sponsoren gewinnen. Sportlich lief es in der vergangenen Saison mit Platz neun angesichts des vergleichsweise niedrigen Etats hervorragend.

Kommen und Gehen: Trainer Florian Kehrmann kann nahezu auf den Kader der Vorsaison setzen. Alle Leistungsträger sind geblieben, lediglich der schwedische Rückraumspieler Jonathan Carlsbogard (23) und das 17-jährige Torhüter-Talent Fynn Zecher, der zunächst in der zweiten Mannschaft in der 3. Liga Erfahrungen sammeln soll, sind gekommen. Kehrmann traut Carlsbogard eine wichtige Rolle im Team zu.

Stärken und Schwächen: Der TBV Lemgo Lippe hat ein ausgeglichenes Team ohne großen Star. Dickes Plus: Kehrmann muss in der Saisonvorbereitung keine großartige Integrationsarbeit leisten. Zudem stellen die Ostwestfalen eine kompakte Abwehr, aus der Fabian van Olphen (37) und Isaias Guardiola (fast 34) herausragen. Im Angriff ist die Verantwortung auf viele Schultern verteilt, das macht das Team schwer auszurechnen. Fraglich ist, ob die Routiniers erneut das Niveau aus dem Vorjahr erreichen.

Trainer und Umfeld: Florian Kehrmann ist in Lemgo eine Ikone. Der Weltmeister von 2007 stand als Rechtsaußen dort 15 Jahre lang unter Vertrag und ist nun seit knapp vier Jahren Trainer. Die Erfahrung aus 460 Bundesligaspielen hilft ihm bei seiner ersten Station als Cheftrainer. Im Umfeld hat sich vor der neuen Saison einiges bewegt. Mit dem Namenszusatz Lippe möchte der Verein mehr Zuschauer ansprechen – die Besucherzahlen waren im vergangenen Jahr mit im Schnitt 3700 Zuschauern so schlecht wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der Dauerkartenverkauf mit 1350 Tickets (Stand: 1. Juli) ist ausbaufähig. In der Etat-Tabelle sieht sich TBV-Geschäftsführer Ulrich Kaltenborn im unteren Drittel. Neu ist auch der Name der Spielstätte: Die Lipperlandhalle wurde in Phoenix-Contact-Arena umbenannt, nachdem sich der TBV-Hauptsponsor für fünf Jahre die Namensrechte gesichert hat.

Prognose: Die Vorbereitung lief gut beim TBV. Siege gegen Berlin, Göppingen oder gegen Magdeburg sowie die starke Vorsaison sollten dem Team Selbstvertrauen geben für den Ligastart. Und der hat es in sich: An den ersten sechs Spieltagen muss Lemgo unter anderem bei den Rhein Neckar Löwen, in Kiel und gegen Flensburg antreten (Gegner in der ersten Heimpartie am 30. August ist die HSG Wetzlar). Dass die bodenständigen Ostwestfalen eine ähnlich erfolgreiche Runde wie zuletzt spielen, ist nicht unbedingt zu erwarten. In den Kampf gegen den Abstieg sollten sie aber nicht verwickelt werden.

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