12. April 2018, 20:28 Uhr

Dirk Köhler

Der Abschied eines wahrhaft Großen

12. April 2018, 20:28 Uhr
Dirk Köhler

Er prägte die Position des Centers im Trikot des Team Germany wie kein anderer: Dirk Köhler. Nach über 20 Jahren Einsatz für die deutschen Farben hat der gebürtige Bad Hersfelder nun seinen Abschied aus den deutschen Reihen verkündet. Eine Rollstuhlbasketball-Ära geht zu Ende!

Seinen Einstand für die deutsche Herrenauswahl gab Dirk Köhler, der von seinen Kollegen gerne »Shaq« gerufen wird, bei den Weltmeisterschaften 1994 in Edmonton/Kanada. Damals unter der sportlichen Leitung des heutigen DRS-Vorsitzenden und IWBF-Präsidenten Ulf Mehrens. Den ersten internationalen Erfolg feierte er mit dem Gewinn der Silbermedaille 1999 bei der Europameisterschaft in Holland. Weitere Medaillen folgten und so ziert die Sammlung des heute 50-Jährigen neben den zahlreichen nationalen und internationalen Glanzstücken mit seinem Heimatverein RSV Lahn-Dill noch eine weitere Silbermedaille (2011) sowie zwei Bronzemedaillen (2007 und 2015) bei Europameisterschaften. Vier Teilnahmen bei Paralympischen Spielen (2000, 2008, 2012 und 2016) runden die herausragende Karriere des smarten und unter dem Korb stets cool agierenden Centers ab.

Athletik, Schnelligkeit und Rebound-Klasse sind nur ein paar Qualitäten des von vielen auf und neben dem Feld geschätzten Riesen. Zwar hatte er sich zum Ziel noch einen weiteren Einsatz bei den Paralympics 2020 in Tokio gesetzt, doch der Spagat zwischen beruflicher und sportlicher Karriere wird immer schwerer zu händeln. »Ich verabschiede mich schweren Herzens von meinen Kollegen des Team Germany. Knapp 20 Jahre sind eine lange Zeit und ich hätte auf jeden Fall noch Lust, weiterzumachen. Aber der enorme Aufwand, den ich trainingstechnisch dafür bewältigen müsste, ist mit Blick auf meine berufliche Zukunft einfach schwer aufrechtzuhalten«, so Dirk Köhler.

Bundestrainer Nicolai Zeltinger, der nicht nur als Spieler sondern auch als Trainer ein langjähriger Weggefährte des Centers ist, blickt auf einige Momente der gemeinsamen Zeit zurück: »Mit Dirk Köhler geht eine Ära zu Ende. Ein wahrhafter Musterathlet, der über Jahrzehnte für Aufsehen gesorgt hat. Dirk hat sich stets in den Dienst der Mannschaft gestellt und mit seiner feinen Art und seiner harten Spielweise auf dem Feld die Mitspieler zusammengehalten und die Gegner das Fürchten gelehrt. Ich erinnere mich an 1994, als ich meine nur zwölfjährige Spielerkarriere begann und mit Dirk Köhler zusammen spielen durfte. Der Sport hat ihn jung gehalten, sodass er auch heute noch mit 18-jährigen Athleten albern kann. Im Rückblick erinnere ich mich auch gerne daran, wie er 2015 den Rookie Alexander Halouski als Zimmerkollegen und Freund auf dem Weg in die Nationalmannschaft begleitet hat. Mit ›Shaq‹ oder dem ›Langen‹ verlässt ein ganz Großer die internationale Bühne.« (Foto: Archiv)

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