13. März 2018, 07:00 Uhr

Derby-Nachdreher

Das sagen die Akteure – und so ist es einzuordnen

Das Mittelhessen-Derby in der Handball-Bundesliga hat gezeigt, dass die HSG Wetzlar mal nicht so eben ein Kellerkind aus dem Weg räumt und der TV 05/07 Hüttenberg noch konkurrenzfähig ist.
13. März 2018, 07:00 Uhr
Mächtig zur Sache ging es im Derby. Hüttenbergs Tomas Sklenak passt zu Moritz Zörb am Kreis. Evars Klesniks (44) und Stefan Kneer (4) können das nicht verhindern. (Foto: ras)

HSG Wetzlar


Im Nachgang zum gerechten 22:22 (11:12) am Sonntag vor 2600 Zuschauern in der Gießener Sporthalle Ost analysieren wir die Aussagen von Spielern und Trainern.

 

Baustellen bei der HSG Wetzlar

 

Kai Wandschneider (Trainer Wetzlar): Ich habe gehofft, als wir auf 20:17 weg sind, dass wir den Sack zu machen. Ab einem gewissen Zeitpunkt hat man gemerkt, das der Kopf mitspielt und haben keine klaren Entscheidungen mehr getroffen. Kompliment an Emir und Hüttenberg, die ihre Sachen toll auf den Punkt gespielt haben.

Analyse: Der Unterschied lag darin, das es Wetzlar zu selten gelang, auf den Punkt zu spielen. Die Baustellen auf der halblinken und halbrechten Seite haben dies wiederholt und nicht nur in der Endphase die klaren Entscheidungen verhindert.

Emir Kurtagic (Trainer Hüttenberg): So wie das Spiel gelaufen ist, ist es ein gerechter Ausgang. Ich habe kaum rotiert, Wetzlar hatte hingegen viel mehr Optionen. Das Match war Werbung für den Handball in Mittelhessen.

Analyse: Die Hüttenberger Nehmerqualitäten hätten der Generation der Ali, Frazer und Foreman zur Ehre gereicht. Statistisch musste der TVH-Rückraum doppelt soviel leisten wie die Wetzlarer Aufbaureihe. Allerdings: Werbung war dies wegen der Rivalität und Emotionalität, Niveau und Qualität waren allenfalls Durchschnitt.

 

Favoritenrolle als Bürde

 

Björn Seipp (Geschäftsführer Wetzlar): Stuttgart und heute das waren Kopfspiele für uns. Das Team ist hervorragend damit umgegangen.

Analyse: Addiert man Pokal und Meisterschaft zusammen, bleibt unter dem Strich ein positives Fazit. Am Sonntag allerdings war die Favoritenrolle wie schon im Hinspiel eine zu schwere Bürde für die Wetzlarer.

Lothar Weber (Geschäftsführer Hüttenberg): Letzte Woche haben wir einen Punkt verschenkt, heute hätten es zwar auch zwei sein können, aber mit dem einen kann ich mich anfreunden. Wir leben noch!

Analyse: Ein Hüttenberger Ligaerhalt wäre eine noch größere Sensation als der Aufstieg. Dies gilt weiterhin. Aber wer weiß, in Lübbecke und gegen Wetzlar jedenfalls waren die Mappes und Co. quicklebendig.

 

Irreführende Einzelaktionen

 

Olle Forsell-Schefvert (Wetzlar): Hüttenberg war taktisch sehr clever und hat uns zu vielen technischen Fehlern gezwungen. Deren aggressive 3:2:1-Deckung ist schwer zu spielen.

Analyse: Bei den Grün-Weißen versuchten sich Mirkulovski und Pöter als ordnende Hand, dies gelang ihnen aber weniger gut als Mappes und Sklenak auf der Gegenseite. Da man es auf HSG-Seite nicht schaffte, den Ball laufen zu lassen, verfiel man zu früh in irreführende Einzelaktionen.

Fabian Schomburg (Hüttenberg): Wir haben zwischen der 40. und 50. Minute etwas geschludert und dann gleich zwei, drei Gegenstöße kassiert. Wir haben einen fantastischen Willen gezeigt und sind immer wieder zurückgekommen. Der Punkt hilft uns weiter, wir sind noch voll im Rennen.

Analyse: Immer wenn es Hüttenberg gelang, die Wetzlarer im Positionsangriff zu stellen, besaß es Vorteile. Über die erste und zweite Welle erarbeitete sich Wetzlar beim 18:15 (44.) und 20:17 (49.) jedoch die höchsten Führungen.

 

Lambrechts Riesen-Pensum

 

Daniel Wernig (Hüttenberg): Wir gehen wie in Lübbecke als gefühlter Verlierer vom Platz. Ich denke, wir können nicht viel besser spielen. Es ging es nicht um Qualität, sondern um mentale Stärke. Die Halle hat uns in der Endphase getragen. Moritz Lambrecht hat vorne alles abgeräumt.

Analyse: Stimmt! Zwei Führungen in der Schlussminute herzugeben, stürzt jedes Team erst einmal ins gefühlte Nichts. Die TVH-Leistung aber war – gemessen an den realistischen eigenen Möglichkeiten – ebenso gigantisch wie die Unterstützung von den Rängen. Und das Pensum von Moritz Lambrecht in der Abwehr war auf eine Stufe mit dem von Dominik Mappes und Tomas Sklenak im Angriff zu stellen.

Maximilian Holst (Wetzlar): Wir sind selber schuld, wir haben nicht clever genug gespielt, zu viel jeder für sich alleine, nicht als Mannschaft. Extrem war das in den letzten zehn Minuten, da haben wir den Kopf verloren, nur noch Eins-gegen-ein-Aktionen gesucht. Theoretisch wissen wir schon, wie man gegen eine 3:2:1 zu spielen hat. Aber wir haben es nicht abrufen können.

Analyse: Kein Widerspruch. Der berühmt-berüchtigte Wetzlarer Teamgeist war nur kämpferischer Natur.

 

Kurtagic-Handschrift erkennbar

 

Tomas Sklenak (Hüttenberg): Ich denke, wir waren das bessere Team. Wir haben schon mit drei Toren hinten gelegen, aber die Köpfe nicht hängen lassen.

Analyse: Mehr Moral kann man nicht zeigen. Wäre Linkshänder Ragnar Johannsson etwas mutiger im Abschluss gewesen, wären sogar die klaren Rückstände zu vermeiden gewesen.

Torsten Menges (Sportlicher Leiter Hüttenberg): Wir sind weiter dabei, uns aus eigener Kraft retten zu können. Wie sich das Team seit der Winterpause entwickelt hat, ist fantastisch. Wenn man bedenkt, dass uns mit Simon Szycko, Vladan Lipovina und Tim Stefan gleich drei Halbspieler fehlen, muss man den Hut vor Trainer und Mannschaft ziehen.

Analyse: Adalsteinn Eyjolfsson hat als Trainer das Aufstiegswunder verantwortet, Nachfolger Emir Kurtagic ist drauf und dran, in gleiche Dimensionen vorzustoßen. Die TVH-Spielanlage trägt mittlerweile seine deutliche Handschrift. Vielleicht kehren Szymon Sicko und Tim Stefan ja demnächst schon ins Team zurück.

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