30. August 2018, 16:00 Uhr

Tischtennis

»Das ist ein magischer Moment«

Die Jüngste ist neun Jahre alt, der Älteste kommt auf 82 Jahre: Sieben Mitglieder der Familie Morsch spielen Tischtennis – und alle sieben sind in der letzten Saison aufgestiegen.
30. August 2018, 16:00 Uhr
Die Morschs: Eine Tischtennisfamilie vereint. In der Sporthalle Rödgen kommen sie zusammen (v. l.): Andreas, Vivienne, Lothar, Lorena, Melanie, Michael und Marco Morsch. (Foto: sno)

Das ist ein magischer Moment«, sagt Marco Morsch, strahlt, und läuft in die Sporthalle in Rödgen, um sich mit Melanie Morsch direkt ein trickreiches Spaß-Duell an der Tischtennisplatte zu liefern. Sieben Mitglieder der Familie Morsch sind an diesem Freitagabend zusammen in der Halle, und alle sieben blicken vor dem Start der neuen Tischtennis-Saison an diesem Wochenende auf spannende Aufgaben. Denn alle sieben sind in der letzten Spielzeit aufgestiegen.

Morsch und Tischtennis, das ist wie Strand und Meer: Gehört zusammen. »Wir haben alles ausprobiert, Fußball, Basketball, Tennis«, weiß Michael Morsch. »Am Ende sind wir aber immer wieder beim Tischtennis gelandet. Es gab immer eine starke Verbindung durch unseren Vater.«

Lothar Morsch brachte das Tischtennis 1961 in die Familie, oder besser gesagt: Dort legte er den Grundstock für die spätere Familie. Denn durch den Sport lernte der heute 82-Jährige seine Frau kennen. »Es war an einem Mittwoch im Jahr 1961, und eine Kioskbetreiberin in der Nähe vom Bahnhof fragte mich: Was machst du heute Abend? Da ich noch nichts vor hatte, bin ich mal mit zum Tischtennis gekommen.« Und, einfacher als das heutzutage ist: »Mir hat das eben gefallen, dann bin ich dabei geblieben.«

Später kamen die drei Söhne Marco, Andreas und Michael dazu und wurden früh an das Tischtennis herangeführt. Sonntags ging es häufig in die dann leer stehende Berufsschule. »Meine Frau sagte: Wenn du zum Tischtennis gehst, dann nimmst du auch die Kinder mit.«

Dank gutem Kontakt zum damaligen Hausmeister durften sich die Kinder austoben. »Für uns war das richtig cool«, erinnert sich Marco Morsch. Zusammen mit seinem Vater sitzt er Ende August 2018 auf einer Bank vor der Sporthalle in Rödgen und schwelgt in Erinnerungen. »Wir sind damals mit Rollschuhen durch die Berufsschule gefahren. Und wenn die Männer pausiert haben, durften wir an die Platte.«

Tischtennis hat bei der Familie Morsch immer eine große Bedeutung gehabt. Klar, wenn sieben Familienmitglieder regelmäßig in der Sporthalle aktiv sind. »Vieles kann man in der Halle bereden, aber Tischtennis ist immer ein Gesprächsthema«, weiß Marco Morsch. Nicht zuletzt deshalb, weil die drei Brüder im Vorstand des Post-SV Gießen aktiv sind und dem Verein wie ihr Vater stets die Treue gehalten haben.

»Wir wussten, dass die Abteilung des Vereins kaputtgehen wird, wenn wir aussteigen.« In der letzten Saison nun klappte für das Siebener-Team der Aufstieg in die Bezirksoberliga, wo es am 8. September (18 Uhr) mit einem Gastspiel bei den TSF Heuchelheim losgeht. Auch die zweite Mannschaft mit Lothar Morsch stieg auf.

Nicht weniger erfolgreich war Melanie Morsch, die früher am Stützpunkt trainierte und ihr Talent auch schon als Ersatzspielerin in der Bundesliga unter Beweis stellen konnte. Die Frau von Michael Morsch stieg mit dem NSC Watzenborn-Steinberg in die Regionalliga West auf. Die Saison beginnt zwar schon an diesem Wochenende, für den NSC aber geht’s erst am Sonntag, 9. September, um 11 Uhr mit einem Heimspiel gegen den TTC Mennighüffen los.

Vivienne Morsch, 18 Jahre alt und Tochter von Andreas, schaffte mit dem TTC Wißmar den Sprung in die Verbandsliga Mitte. Sie wechselte nun aber ebenfalls nach Watzenborn-Steinberg. Zuletzt stieg die neunjährige Lorena Morsch, Tochter von Melanie und Michael, mit dem NSC in die Hessenliga der weiblichen Jugend auf. Die Jüngste im Kreise gilt als großes Talent, ist zweimal in der Woche im Stützpunkt in Frankfurt und trainiert fünfmal in der Woche.

Den kompletten Überblick im Hause Morsch zu behalten, ist für Außenstehende nicht ganz einfach. Im Grunde sei es aber doch ganz einfach, sagt ein Hallenbesucher an jenem Freitagabend: »Die Männer spielen beim Post-SV, die Frauen in Watzenborn-Steinberg.« Dass dann auch noch alle sieben in einer Saison aufsteigen, hat beileibe Seltenheitswert. Deshalb sagt Marco Morsch: »Wer weiß, ob so etwas überhaupt noch mal passiert und wie lange wir in dieser Konstellation zusammenbleiben. Deswegen genießen wir das.«

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