23. April 2017, 18:26 Uhr

DM-Titel ist wieder in der Heimat

Matchball verwandelt. DM-Titel geholt – und damit das Double perfekt gemacht. Der RSV Lahn-Dill hat mit dem 71:63 bei den Thuringia Bulls die Machtverhältnisse auf nationaler Ebene wieder zurechtgerückt.
23. April 2017, 18:26 Uhr
So sehen Sieger aus: Der RSV Lahn-Dill holt sich die deutsche Meisterschaft und macht das Double perfekt. (Foto: Diekmann)

Einfach geil!« Thomas Böhme sprach am Samstagabend das aus, was alle beim RSV Lahn-Dill nach dem verdienten Sieg im zweiten Spiel der Playoff-Finalserie der Rollstuhlbasketball-Bundesliga dachten. Bilder einer unendlichen Erleichterung spielten sich nach dem Erfolg in Elxleben ab. Headcoach Nicolai Zeltinger und Co-Trainer Ralf Neumann fielen sich freudetrunken in die Arme. Der den RSV verlassende Brite Joe Bestwick schnappte sich Annabel Breuer und hob sie mit dem gesamten Rollstuhl in die Höhe – beide feierten mit dem Rest des Teams und den zahlreichen Fans ausgiebig die 13. deutsche Meisterschaft.

Gegen 2 Uhr am Sonntagmorgen traf der Bus mit den deutschen Meistern in Wetzlar ein, die danach noch lange nicht schlafen gingen. »Die Jungs sind um die Häuser gezogen«, so Neumann, der natürlich damit auch die einzige Dame im Team, Annabel Breuer, meinte.

Jetzt möchte der »FC Bayern München« des Rollstuhlbasketballs das Triple perfekt machen. Am 5. Mai müssen die RSV-Rollis dabei die Halbfinal-Hürde auf Teneriffa in der Champions League gegen Briantea 84 Cantu nehmen – und dann noch das Finale einen Tag später gewinnen. Das wäre genau der Abschied, den sich der scheidende Chef Zeltinger wünscht, den bekanntlich Neumann beerben wird.

Zieht der RSV in das Endspiel ein, dort warten entweder die Thuringia Bulls oder CD Illunion Madrid, ist er als Gastgeber für das kommende Champions-League-Viertelfinale gesetzt. »Das ist natürlich ein hoher Anreiz«, sagt Neumann weiter.

Unterdessen hat der RSV Lahn-Dill nach dem deutschen Pokal auch den zweiten im Vorjahr an die Thuringia Bulls verlorenen Titel wieder zurück nach Mittelhessen geholt. Die Wetzlarer Rollis siegten am Samstagabend in einem intensiven zweiten Playoff-Duell in Elxleben mit 71:63 (13:18/34:25/51:47) und sicherten sich damit den 13. Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Damit hat der RSV mit dem bisherigen Rekordmeister USC München, der ebenfalls 13 Titel in seiner Sammlung hat, gleichgezogen.

Zu Beginn zeigte sich der Gastgeber vor den Toren der Landeshauptstadt Erfurt jedoch fest entschlossen, das 67:72 aus dem Hinspiel von Wetzlar mit der Brechstange wettmachen zu wollen. Dem 2:2 (1.) durch RSV-Topscorer Piotr Luszynski ließen Joakim Linden und Aleksandr Halouski schnell das 9:6 (4.) und 18:10 (9.) folgen, während der Gast aus Hessen noch nach seinem Rezept suchte.

Doch wie schon so oft in der laufenden Saison kamen Michael Paye und Co. auch diesmal wieder zurück. Das 13:18 zum Ende des ersten Viertels ließ der Vizemeister des Vorjahres im zweiten Spielabschnitt seine stärkste Phase folgen. Zunächst drehte der Gast durch Luszynski und Böhme die Partie auf 19:18 (12.), ehe sich Thüringens schwedischer Pointguard Joakim Linden sein drittes Foul einhandelte und von RSB-Coach Michael Engel auf die Bank beordert wurde. Die Verunsicherung aufseiten der Bulls nutzte der RSV nun eiskalt aus, zog auf 25:20 (17.) weg und wenig später durch einen Böhme-Dreier auf 34:24 (20.) davon. So ging es für die Lahn-Diller mit sehr viel Selbstvertrauen in die Kabine, aus der sie mit zwei schnelle Körben zum 38:27 (22.) bestens wieder herauskamen.

Doch die Bulls wären nicht eines der besten europäischen Teams, wenn sie nicht in der Lage wären, auch aus einem solchen Tief wieder herauszufinden. Linden zum 33:40 (24.) und der bärenstarke Lette Raimunds Beginskis zum 43:44 (27.) – und schon war RSV-Headcoach Zeltinger zur nächsten Auszeit gezwungen.

Doch der RSV bewies eine außerordentliche mentale Stärke und einen vorbildlichen Kampfgeist, nicht nur in diesem Spiel der Finalserie. Nun waren es Joe Bestwick, Jan Haller und vor allem der Schweizer Philipp Häfeli, die für den Konter und das 55:49 (32.) sowie in der Folge für das 62:53 (36.) verantwortlich zeigten.

Am Ende gelang den Thuringia Bulls trotz großer Moral spielerisch nicht mehr die Wende. Ein Ballgewinn des schnellen Böhme und ein Fastbreak über das gesamte Spielfeld zum 69:61 rund 35 Sekunden vor der Schlusssirene sowie zwei verwandelte Freiwürfe des überragenden Luszynski machten den Sack dann verdient zu und ließen eine ausgiebige dritte Halbzeit abseits des Parketts folgen.

»Das war so anstrengend – und der Druck so riesig. Ich bin so stolz auf diese geile Mannschaft. Und ich bin so dankbar, dass ich mich so verabschieden darf. Aber gerne holen wir noch das Triple«, bilanzierte ein vor Glück ohnmächtiger Zeltinger.

Thüringen: Halouski (19), Beginskis (18), Linden (16), Bienek (7), Albrecht (2), Kenyon (1), Erskine, Gholamazad, Kietzer.

Lahn-Dill: Luszynski (25), Böhme (18/1 Dreier), Häfeli (10), Köhler (6), Paye (5), Haller (5), Bestwick (2), Breuer, Lohmann, Dreimüller (n.e.), Huber (n.e.).

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