04. Mai 2018, 17:43 Uhr

46ers vollziehen Umbruch mit Erfolg

04. Mai 2018, 17:43 Uhr
Gießens überragender Kapitän John Bryant feiert mit den 46ers-Fans in Frankfurt, rechts Max Landis und links daneben Austin Hollins. (Foto: Vogel)

Gießen 46ers


Wer erst in den letzten fünf Jahren den Weg zum Gießener Basketball fand, kann es wohl nicht verstehen: Fünf Saisons in Folge waren die Gießen 46ers nun erfolgreich – zwei Jahre in der ProA, gekrönt mit der Meisterschaft 2015, seitdem drei Jahre ohne Abstiegssorgen und in jeder Spielzeit mit Playoff-Ambitionen bis in die letzte Woche der Hauptrunde.

Ein fast schon unwirklicher Lauf, wenn man sich die Jahre zuvor ansieht: Seit der legendären Saison 2004/2005 beendeten die 46ers bis zum Abstieg 2013 kein Jahr mehr mit mehr als zwei Siegen Vorsprung auf einen Abstiegsplatz (mit Ausnahme der Spielzeit 2006/2007, als man zwar auch nur 16. wurde, aber sechs Siege Vorsprung vor den abgeschlagenen Nürnbergern hatte). In Zahlen ausgedrückt: Über acht Jahre hinweg schafften die Gießener damals nur eine Siegquote von 26,5 Prozent.

Und so war es verständlich, dass diejenigen, die diese Zeiten miterlebt hatten, erst einmal skeptisch waren, als Ingo Freyer im Sommer die Nachfolge von Denis Wucherer antrat: Schließlich war dieser maßgeblich für die vier erfolgreichen Jahre (mit-)verantwortlich, die auch viele Fans als etwas Besonderes empfanden. Würde der Neue den Menschenfänger Wucherer ersetzen können?

Diese Frage war spätestens nach dem ersten Heimspiel, damals ganz im Zeichen der 50. BBL-Saison, das Thema Nummer eins: Mit 53:87 war man gegen Bayern München untergegangen, Star-Einkauf John Bryant war mit zwei Pünktchen und einem Rebound kein Faktor. Als es eine Woche später beim zweiten Heimspiel gegen Aufsteiger Erfurt eine 71:96-Klatsche gab, die Halle lange lautstark den auf der Bank schmorenden Marco Völler forderte und Freyer dem Drängen dann eine Minute vor dem Ende noch nachgab, war die Trainerdiskussion voll entbrannt.

Doch im Schlüsselspiel in Ludwigsburg schafften die Gießener die Kehrtwende: Knapp holten sie den Auswärtssieg in der Barockstadt und fanden langsam in die Spur. Selbst als die Verletzungssorgen immer größer wurden, plötzlich Spieler aus der neu etablierten ProB-Mannschaft in den Kader des BBL-Teams rückten – die Mannschaft entwickelte sich.

Und auch Freyer überraschte: Offensiv suchte der Trainer, der bei der Saisonabschlussfeier zugab, dass die Umstellungen nach dem Wechsel nach zehn Jahren in Hagen für ihn nicht einfach waren, nach den Spielen auf der Ehrenrunde den Kontakt mit den Fans. Auf dem Feld gab es Tempobasketball, den er aber bei Gelegenheit anpasste: Gegen Jena ging der Ball immer wieder in die Zone zu John Bryant, der die am Brett völlig unterlegenen Thüringer mit 25 Punkten und elf Treffer bei zwölf Versuchen aus dem Zweierbereich fast im Alleingang erlegte.

Spätestens mit dem ersten Derbysieg kurz vor Weihnachten reifte langsam die Erkenntnis, dass sich diese Mannschaft nicht hinter den Teams der vergangenen Jahre verstecken musste.

Mit dem überragenden Bryant hatte sie ein klares Herzstück, einen Akteur, der selbst an seinen schlechten Tagen besser ist als 90 Prozent der anderen BBL-Spieler. Weltklasse seine Auftritte gegen Oldenburg (38 Punkte, 13 Rebounds) und in Ulm (33 Zähler, 13 Bretter).

Dass es mit den Playoffs dennoch nichts wurde lag auch daran, dass so manche Chance liegen gelassen wurde: Die Niederlage gegen Bamberg nach Verlängerung, das schwache Schlussviertel gegen Bonn, die Alibi-Defense beim 102:111 gegen Göttingen – drei Heimspiele, die gut und gerne anders hätten ausgehen können. Der letzte Killerinstinkt fehlte der jungen Truppe manchmal.

Ein guter Teil der Spieler hat die Chance, auch in der kommenden Saison weiter zu wachsen: Mit Benjamin Lischka, Mahir Agva, Jeril Taylor und den Doppellizenzspielern hat das Management um Heiko Schelberg Teile der Mannschaft auch für die kommende Spielzeit unter Vertrag genommen. Bereits in der kommenden Woche könnten weitere Personalentscheidungen folgen.

Dass John Bryant, der im Sommer einen deutschen Pass erhalten soll, auch weiter an der Lahn bleibt, wollen die Verantwortlichen nicht ausschließen. Gering ist die Chance wohl dennoch, den Superstar weiter im 46ers-Dress zu sehen. Aber egal, ob die Vertragsverlängerung mit Bryant gelingt oder nicht, derzeit dürfen alle Verantwortlichen den kurzen Zeitraum genießen, in dem sie ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit ob einer erfolgreichen Saison durchfließt. Dann muss wieder hart gearbeitet werden – auf dass die Erfolgsserie der Gießen 46ers auch in der kommenden Saison nicht reißt.

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