05. Mai 2018, 12:00 Uhr

Basketball

46ers-Coach Freyer: »Eine schwierige Saison«

Trainer Ingo Freyer reflektiert die Saison 2017/18 der Gießen 46ers. Er erzählt von seinen anfänglichen Problemen, von seinen Haaren und über seine Vision mit dem Club.
05. Mai 2018, 12:00 Uhr
Mit wehenden Haaren: Trainer Ingo Freyer kann sich nach dem ersten Jahr seiner Tätigkeit in Gießen über das Abschneiden seiner 46ers freuen. (Foto: Vogel)

Gießen 46ers


Die Frage, die sich alle Fans stellen: Welche Spieler, außer Benjamin Lischka, Jeril Taylor und Mahir Agva sowie die Doppellizenzler Bjarne Kraushaar, Alen Pjanic, Leon Okpara und Anthony Okao (alle noch Vertrag), bleiben, welche gehen?

Ingo Freyer: Das können wir momentan nicht sagen.

Gibt es Gewinner, gibt es Verlierer unter den Spielern?

Freyer: Alle haben gewonnen. Wenn man schaut, was die Spieler in der Vorsaison in ihren Teams bewegt haben, haben sie sich in dieser alle verbessert.

Spontan fällt mir Benjamin Lischka ein, der unter Ihnen leistungsmäßig einen großen Schritt nach vorne getan hat.

Freyer: Benni ist auf jeden Fall einer, der im Vergleich zum letzten Jahr eine viel bessere Rolle bekommen hat. Ihm habe ich das zugetraut. Man braucht Spieler, die in ihren Rollen glücklich sind, weil sie dann auch Topleistungen abrufen können. John (Bryant) ist auch ein Beispiel dafür, aber auch Mahir (Agva) und Mauricio (Marin) haben sich verbessert. Die jungen Spieler sowieso. Sie sind in einem Alter, in dem sie sich verbessern müssen, sonst fallen sie durch das Raster. Oder ein Spieler wie Jahenns (Manigat), bei dem wir es hinbekommen haben, dass er seine Stärken zeigte und zu einem bedeutenden Spieler im Team wurde.

Ist es von Ihnen eine Gabe, dass Sie innerhalb einer kurzen Zeit in die Köpfe der Spieler kommen, ihnen das nötige Vertrauen vermitteln und sie dadurch leistungsmäßig auf ein höheres Niveau heben?

Freyer: Ich war selber Spieler. Ich weiß, was für jeden einzelnen Spieler wichtig ist. In die Köpfe kommen und Vertrauen schenken, das ist in Richtung meiner Philosophie. Ich gewinne mit der Mannschaft, wenn ich jedem Einzelnen das Selbstvertrauen gebe. Dann sind Spieler zufrieden. Und das ist ein guter Ansatz für das große Ganze.

Sie haben mit ihrem spektakulären und offensivorientierten Basketball die Fans begeistert. Überraschen Sie sie nun mit knallharter Defense?

Freyer: Wir versuchen immer, die beste Abstimmung aus Defense und Offense zu finden. Das Wie liegt an unseren Spielern. Aber warum geht man in die Halle? Man will unterhalten werden, man will Körbe sehen. Attraktivität hat auch damit was zu tun, die Leute gut zu unterhalten.

Wenn Sie die letzten Monate Ihres Jobs reflektieren, was ist hängengeblieben?

Freyer: Eine schwierige Saison, weil die Anfangsphase schwierig war. Ich war neu. Viele Alteingesessene waren da, bei denen ich mir erst einmal das Vertrauen erarbeiten musste. Die ganze Vorbereitung mit den ganzen Verletzungen – das war alles sehr schwer. Aber dafür sind wir aus dieser Phase sehr gut rausgekommen und haben im Endeffekt das Beste daraus gemacht. Es wurde vom Vorstand kommuniziert: Es ist ein Jahr des Umbruchs: Neue Trainer, Rackelos, viele neue Spieler. Da läuft am Anfang nicht alles rund. Ich war immer positiv, wusste, wie man es anzugehen hat. Wir sind auf einem guten Weg, der noch lange nicht zu Ende ist.

Es hat gedauert, bis der Schulterschluss mit den Hardcore-Fans und Ihnen vollzogen war. Wie erklären Sie sich das?

Freyer: Das ist ein Prozess, der immer weitergeht. Die Fans sind sehr ehrlich. Sie zeigen viele Emotionen. Es wird auch ein bisschen provoziert – von beiden Seiten. Das ist alles förderlich für ein gemeinsames Wachstum.

Was war für Sie der emotionalste Moment?

Freyer: Das Spiel in Ulm. Wir haben einen Gegner geschlagen, der im Jahr davor noch einen Siegesrekord aufgestellt hat und zu den Topteams zählt. Danach wussten wir, dass wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun hatten.

Für mich ist der Dropkick im Heimspiel gegen Ludwigsburg im Kopf hängengeblieben. Haben Sie mal Fußball gespielt?

Freyer: Im Alter von zehn Jahren habe ich Fußball sowie Basketball gespielt und Leichtathletik gemacht. Beim Fußball und Basketball stand ich in Hamburger Auswahlen. Ich musste mich entscheiden und habe Basketball gewählt, weil ich auf einer Schule war, die basketballorientiert war.

Nehmen Sie neben dem Basketball noch andere Sportarten in unserer Region wahr?

Freyer: Leider wenig, weil ich mir die Zeit nicht nehme. Ich bleibe Tag für Tag in meinem Fokus. Ich übe meinen Beruf gerne aus, deswegen beschäftige ich mich in erster Linie mit Basketball.

Wie sieht Ihr aktuelles Zeitfenster aus?

Freyer: Diese Woche standen noch viele Gespräche mit den Spielern an. In den nächsten Tagen werde ich mit Steven (Wriedt) die Saison Revue passieren lassen, um dann die Weichen für die nächste zu stellen. Danach machen wir uns Gedanken um neue Spieler, aber das macht man sich ja auch schon während der Saison.

Sie und Ihr Co-Trainer Steven Wriedt scheinen unzertrennlich zu sein. Was bedeutet er Ihnen?

Freyer: Das ist eine lange Entwicklung. Wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem wir sehr eng zusammenarbeiten. Wir vertrauen uns hundertprozentig. Sein Wort hat für mich sehr viel Gewicht.

Sie haben eine Mähne, fallen damit auf. Wie wichtig sind für Sie Ihre Haare?

Freyer: An meinem 18. Geburtstag habe ich eine Party veranstaltet. Und meine Basketball-Mannschaft schenkte mir einen Föhn. Ich föhnte zur damaligen Zeit meine Haare in der Kabine immer nach. Früher hatte ich vorne noch einen Flattop. Ich gehe mir immer so durch die Haare, das ist schon ein Ritual. Wenn andere meine Haare als Marke sehen – okay. Ich würde sie nicht so tragen, wenn ich es nicht gut finden würde.

Wenn Sie in Richtung Weststadt an der Lahn ausgesetzt werden würden, könnten Sie ohne jegliche Hilfsmittel Ihre Wohnung finden?

Freyer: Wo die Weststadt ist, weiß ich nicht. Aber wo die Lahn ist schon. Als Mann habe ich einen guten Orientierungssinn. Ich würde den Weg ohne Weiteres zurückfinden. Ich habe leider nicht die Zeit gehabt, Gießen zu erkunden. Ich hoffe, dass ich das in diesem Sommer nachholen kann.

Was können Sie den Fans als Bonbon mit in die Sommerpause geben?

Freyer: Sie können sich darauf verlassen, dass wir uns als Verein weiterentwickeln werden und dass die verantwortlichen Personen dafür alles tun werden. Wir haben eine Vision: Zu wachsen und eine höhere Stellung in der Region einzunehmen. Wenn wir das schaffen, ist eine Basis vorhanden, um Kontinuität im sportlichen Bereich zu haben. Zudem ist wichtig, dass wir in dieser Tabellenregion wie aktuell bleiben (Elfter) und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

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