28. März 2018, 12:00 Uhr

46ers-Co-Trainer

46ers-Co-Trainer: Der Müll trennende Rocker mit Ersatzhemd

Wo Ingo Freyer ist, ist er nicht weit: Steven Wriedt ist seit über zehn Jahren Freyers Co-Trainer. Zunächst in Hagen, nun in Gießen. Ein Gespräch über Basketball, seinen Job und Kabinen-Geheimnisse.
28. März 2018, 12:00 Uhr
Wenn es sein muss, wird Co-Trainer Steven Wriedt auch schon einmal laut. (Foto: Vogel)

Gießen 46ers


Geboren wurde Wriedt vor 47 Jahren in New Jersey, bevor es nach dem Studium an den Universitäten La Salle und Monmouth 1993 nach Hagen ging. Und seitdem lebt Wriedt in Deutschland, unterbrochen von einem einjährigen Gastspiel in Portugal. »Ich bin inzwischen mehr Deutscher als Amerikaner. Ich bleibe Nachts alleine auf der Straße an roten Ampeln stehen, trenne meinen Müll – alles, was ein guter Deutscher eben so macht«, erzählt er lachend.

Damals kam er als Basketball-Profi zu Brandt Hagen, wo er 1994 Pokalsieger wurde, wechselte zu den Ruhr Devils Oberhausen, verbrachte ein Jahr bei Ginásio Figueirense, ehe wieder Hagen und Iserlohn die letzten Stationen des Centers wurden, ehe er 2004 – auch bedingt durch zwei Bandscheibenvorfälle – die Trainerlaufbahn einschlug. Die führte ihn zunächst nicht aus dem Sauerland heraus: Erst Iserlohn, dann die BG Hagen, dann als Co-Trainer Phoenix Hagen – zwölf Jahre lang, ein Jahr länger sogar als Ingo Freyer.

Ich bin inzwischen mehr Deutscher als Amerikaner. Ich bleibe Nachts alleine auf der Strasse an roten Ampeln stehen, trenne meinen Müll - alles, was ein guter Deutscher eben so macht

Steven Wriedt

Bis zum Sommer: Da ging er gemeinsam mit seinem langjährigen Chef nach Gießen: »Ich hatte kein konkretes Angebot von Hagen«, sagt er heute. Und warum er nicht selber an die Spitze einer Mannschaft gehen wollte? »Wenn ich Cheftrainer werde, dann will ich es in einer Situation werden, in der ich auch gewinnen kann. Nicht zu einem Team, wo du kein Geld hast, keine Trainingshalle, keine Trainingszeiten«, erklärt der Hüne und erinnert sich an die Zeiten in Iserlohn, als die Mannschaft manchmal warten musste, bis eine Gruppe älterer Herren ihr Faustball-Partie beendet hatte, ehe sie selber auf das Parkett durfte.

Da assistiert Wriedt lieber weiter. Vor allem am Bildschirm: Er ist zuständig für die Videoanalyse des Gegners, sondiert zeitgleich aber auch immer den Markt nach guten Spielern – und guckt deshalb täglich mindestens drei Basketballspiele. »Ich gucke alles, von Finnland bis Mexiko. Heute habe ich mir schon Bayreuth, unseren Gegner am Samstag, angesehen, dann ein Spiel aus dem NCAA-Turnier, Duke gegen Kansas. Und nach dem Training dann Ludwigsburg gegen Bayreuth in der Champions League.«

Er sucht nach dieser einen Stärke, die ein Spieler mitbringen muss: »Ein Team, das wenig Geld hat, kann sich meistens keinen kompletten Spieler leisten – da hatten wir dieses Jahr mit John Bryant Glück. Aber Max Landis zum Beispiel ist mir aufgefallen, als er einer der besten Dreierschützen in der NCAA war. Er ist nicht der Schnellste, nicht der Kräftigste, aber er kann super werfen. Seine Statistiken in Belgien waren letztes Jahr nicht so gut, aber er hatte die Körpersprache, das gewisse Etwas. Ich vertraue da dann auf mein gutes Gefühl.« Das empfiehlt ihm dann auch, Spieler wie Jacob Burtschi zu holen. Der Forward hatte seine College-Zeit an der Air Force Academy absolviert, danach drei Jahre in der US-Luftwaffe gedient. »Keiner hatte ihn danach mehr auf der Rechnung«, freut sich Wriedt heute noch über die Verpflichtung des US-Amerikaners, der im Dress der Hagener 2011 den Dreierwettbewerb beim Allstar-Day gewann, und danach in Spanien sowie in Frankfurt und Bremerhaven spielte.

Richtig hart mag es Wriedt, wenn es um das Thema Musik geht: »Die Jungs würden mich nie in der Kabine an die Anlage lassen«, schmunzelt der Rock-Fan im Hip-Hop-Business Basketball, der die freien Tage gerne nutzt, um auf Konzerte zu gehen – zuletzt im Januar in Wiesbaden bei den US-Rockern von Hatebreed.

Ein Team, das wenig Geld hat, kann sich meistens keinen kompletten Spieler leisten

Steven Wriedt

Wriedt selber ist derweil eher ein harmonischer Typ. Auch ein Grund, warum der Vater eines Sohnes so gut mit Freyer auskommt. Wenngleich er sagt: »Manchmal muss ich die Wasserflaschen fangen, wenn Ingo im Spiel sauer wird.« Und er grinst: »Den Ball, den er gegen Ludwigsburg auf die Tribüne gekickt hat, hätte ich vielleicht gefangen.« An seine schönste Anekdote mit seinem Chef wäre das aber nicht rangekommen: »Als wir vor einigen Jahren in Würzburg spielten, hat Ingo sich in der Halbzeit das Hemd aufgerissen, als er die Jungs dazu bringen wollte, härter zu spielen. Er hatte Glück, dass ich ausgerechnet zu diesem Spiel zwei Hemden mitgenommen habe«, lacht Wriedt, bevor er nachschiebt: »Hoffentlich wird er jetzt nicht sauer, wenn er das liest.« Viel passieren könnte ihm aber wohl nicht. Schließlich gehören Wriedt und Freyer zusammen. Seit über zehn Jahren.

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