30. März 2017, 07:00 Uhr

Rückzug

2. Liga ohne SG Kleenheim

Aus und vorbei! Die SG Kleenheim wird mit Ablauf dieser Saison ihre Mannschaft freiwillig aus der 2. Handball-Bundesliga der Frauen zurückziehen. Ein Neuanfang soll in der 3. Liga folgen.
30. März 2017, 07:00 Uhr
Abschied von der 2. Liga: Für die Bundesliga-Handballerinnen der SG Kleenheim gibt es keine Zukunft im Unterhaus. Die Verantwortlichen melden wegen eines zu großen personellen Aderlasses im kommenden Jahr für die 3. Liga. (Foto: Eibner)

Am Freitag läuft die Meldefrist für die Mannschaften ab, die in der neuen Saison – sofern es sportlich und wirtschaftlich stimmt – wieder in der 2. Frauenhandball-Bundesliga spielen wollen. »Wir spielen definitiv keine 2. Liga«, sagt aber Christian Straßheim, der Sportlicher Leiter der SG Kleenheim, bereits im Vorfeld.

Hintergrund ist, dass eine ganze Reihe von Spielerinnen aufhört. Christian Straßheim wollte zwar keine Namen nennen, aber u. a. verkündete Jonna Jensen schon im Februar ihren Abschied vom aktiven Handball und Lisa Tietböhl wechselt bekanntlich zum Oberligisten TV 05/07 Hüttenberg. »Bis auf Lisa Tietböhl hat uns keine Spielerin einen anderen Verein genannt, zu dem sie hinwechseln wird«, sagt Kleenheims Vorsitzender Herbert Röhrich.

Sportlich ist alles in bester Ordnung bei der SG Kleenheim, die im Frauenbereich eine lange Tradition hat. Hier haben in dieser Saison der nach sechs Jahren scheidende Trainer Lazar »Lucky« Cojocar und das Team ganze Arbeit geleistet. Mit 22:24 Punkten rangieren die Kleenheimerinnen auf Rang neun und sind aktuell bester der vier Aufsteiger.



Neustart in der 3. Liga

Viele Kleenheimer Spielerinnen haben sich noch nicht klar zu ihrer Zukunft geäußert, so der Klub auf Nachfrage, aber eben auch kein Statement mehr zugunsten der SG Kleenheim abgegeben. »Wir gehen wieder zurück in die 3. Liga und werden mit den Spielerinnen, die bleiben, sowie externen Zugängen und aus unserem eigenen Nachwuchs eine neue Mannschaft aufbauen«, sagt Christian Straßheim.

Dem Vernehmen nach kommen acht Spielerinnen aus der A-Jugend-Oberliga, die Vize-Hessenmeister wurde, wovon drei nicht mehr zur Verfügung stehen, da sie in einem anderen Bundesland studieren werden. Fünf Spielerinnen stünden demnach für den Frauenbereich in Kleenheim (erste und zweite Mannschaft) zur Verfügung. Das dürfte aber bei Weitem nicht reichen, es müssten noch externe Zugänge hinzukommen, um die Qualitätsverluste aufzufangen.

»Ich bin ständig am telefonieren«, sagt Christian Straßheim. »Wir wissen seit zwei, drei Wochen, dass uns einige Spielerinnen verlassen bzw. überlegen, sich einen neuen Klub zu suchen«, erläutert Straßheim, der betont: »Finanziell hätten wir die 2. Liga stemmen können.« Aber nicht personell, denn das neue Team hätte sportlich kein Zweitliga-Niveau.


Spekulationen um Jonna Jensen

An Spekulationen, wonach Jonna Jensen beim Landesligisten TSG Leihgestern als Trainerin im Gespräch ist und noch die eine oder andere Spielerin mitnehmen werde, will sich Straßheim nicht beteiligen. Jedenfalls ist die gesamte SG Kleenheim in Aufruhr. Vielleicht war der Aufstieg in die 2. Bundesliga schon eine Stufe zu viel.

In der nächsten Saison soll es einen Neuanfang unter Trainer Tobias Lambmann eine Etage tiefer geben. Ein weiteres Zweitliga-Engagement wäre aus Sicht der Klubverantwortlichen eine »Mission Impossible«. Denn nach Informationen dieser Zeitung ist es aber kein Geheimnis, dass auch Spielerinnen wie Sophia Wiener, Elena Schödl, Katharina Wagner, Desiree Euler oder Anna-Lena Leib bei anderen, zum größten Teil unterklassigen Verein im Gespräch sind und sich längst zu einem Wechsel entschlossen haben. Ein nicht zu verkraftender personeller Aderlass, zumal die SG Kleenheim auch nicht in der Lage ist, besondere finanzielle Anreize zu setzen.

Meinung

Ohne Perspektive

Der Frauenhandball in Mittelhessen ist mit dem sensationellen Zweitliga-Engagement der SG Kleenheim an seine Grenzen gestoßen. Die Ära des TV Lützellinden liegt lange zurück, und auch das Kapitel TV 05 Mainzlar ist längst abgeschlossen. Die Generation der Jonna Jensen, Olivia Reeh und Co. spielt bereits seit Jahren auf diesem Niveau und stammt noch aus der ehemaligen Lützellindener Kaderschmiede von Dr. Jürgen Gerlach. Leistungshandball im Frauenbereich befindet sich in der heimischen Region seit Jahren auf dem Rückzug, auch bringt die Ausbildung nur noch punktuell Akteurinnen auf dem erforderlichen Niveau hervor.
Und da wirtschaftliche Vernunft schon immer zur Kleenheimer Klubpolitik gehörte, ist der SG-Rückzug in die 3. Liga die logische Konsequenz. Der Einkauf kostspieliger in- oder ausländischer Akteurinnen verbietet sich, der Nachwuchs kann die entstehenden Lücken auch nicht schließen – und so ist der leistungsorientierte Frauenhandball hierzulande zunächst einmal wieder ohne Perspektive. Die Jensen, Wiener, Leib und Co. haben über Jahre hinweg mit hoher Trainingsintensität die Frauenhandball-Fahnen in der Region hochgehalten. Sie haben es sich verdient, künftig kürzerzutreten. (Von Ralf Waldschmidt)

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