20. Februar 2019, 20:25 Uhr

Mit den Fans im Rücken

Das 2:2 aus dem Hinspiel ist ein gefährliches Ergebnis. Die Frankfurter Eintracht will ins Achtelfinale der Europa League. Trainer Adi Hütter setzt dabei offenbar auf eine defensive Taktik.
20. Februar 2019, 20:25 Uhr

Eintracht Frankfurt


Peter Fischer, der sehr umtriebige und in diesen turbulenten Tagen auch ein wenig aufgeregte Präsident von Eintracht Frankfurt, hat am gestrigen Mittwoch beim morgentlichen Anziehen nicht lange vor dem häuslichen Schuhschrank überlegen müssen. Zielsicher griff er nach den weiß-grauen Sportschuhen, die zwar nicht perfekt zum Anzug passten, aber unbedingt getragen werden mussten. »Es sind die Schuhe, die ich auch am Tag vor dem Pokalfinale in Berlin getragen habe«, erzählte Fischer. Er wird die Glückstreter auch heute Abend im Stadion tragen, wenn ab 18.55 Uhr (live RTL Nitro/DAZN) Eintracht Frankfurt den entscheidenden Schritt ins Achtelfinale tun und Schachtjor Donezk aus dem Wettbewerb katapultieren will.

Es ist, das ist kein Geheimnis, für Eintracht Frankfurt das bisher wichtigste Spiel der Saison, es wird vermutlich ein magisches Spiel werden unter Flutlicht, ein Spiel, das Weichen stellt. Die Vorfreude auf diese Partie mit »absolut hoher Bedeutung«, so Trainer Adi Hütter, ist jedenfalls riesengroß, die Spannung ist in der Stadt mit Händen zu greifen.

»WM-Feeling« hat Fischer längst ausgemacht, »die ganze Stadt hat Fieber«. Und überall, sei es beim Metzger, sei es in der Kleinmarkthalle, sei es bei Bänkern, dort, wo Fischer am Dienstag einen Vortrag gehalten hat, gebe es nur ein Thema: »Wie wir Schachtjor schlagen.« Das Stadion ist mit 48 000 Zuschauern restlos ausverkauft, 80 000 Tickets hätte man locker loswerden könnte, sagte Vorstand Axel Hellmann.

»Es wird Starkstrom im Stadion herrschen«, vermutet Fischer. Und der Präsident ist sich auch sicher: »Das Stadion wird das Spiel gewinnen.« Die Arena im Stadtwald soll zum Hexenkessel werden, ein Hexenkessel, der selbst den ausgebufften Profis aus Donezk, gespickt mit ukrainischen und brasilianischen Nationalspielern, kräftig einheizen soll. Alles ist angerichtet für eine zauberhafte Nacht. Man wolle alles dafür tun, damit »wir am Abend ein Fest feiern können«, sagt Trainer Hütter, der die Frankfurter Anhänger als »das Nonplusultra in Europa« adelte.

Es ist ein Spiel, das auch Hütter einiges abverlangt. Der Fußballlehrer aus Österreich muss die richtige taktische Vorgabe ausgeben, muss die Balance finden. Denn so positiv ein 2:2 aus dem Hinspiel auf den ersten Blick aussieht, so gefährlich ist es. Wie soll Eintracht Frankfurt in dieses Spiel gehen? Alle Unentschieden unterhalb des Hinspielergebnisses würden den Hessen zum Einzug ins Achtelfinale reichen, dazu jeder Sieg. Gestern bei der obligatorischen Pressekonferenz sprach Hütter auffällig oft davon, das Ergebnis verteidigen zu wollen. »Alle gemeinsam wollen wir möglichst keine Torchance zulassen«, sagte Hütter. »Es geht nicht darum, ein wunderschönes Spiel abzuliefern. Es geht darum, in die nächste Runde einzuziehen«, so der Trainer erstaunlich pragmatisch. Für ein Weiterkommen zahlt die Uefa übrigens 1,1 Millionen Euro. Die Hessen hätten dann neun Millionen an Fernsehgeldern eingenommen, mit Zuschauereinnahmen kamen bis jetzt etwa zwölf Millionen Euro brutto zusammen.

Auf keinen Fall wolle man den flinken, technisch enorm starken Offensivkräften der Ukrainer ins offene Messer laufen. »Wenn man ihnen Räume anbietet, können sie einem wehtun.« Das hat Eintracht Frankfurt im Hinspiel am eigenen Leib erfahren müssen, als Schachtjor sich – mit einem Mann weniger – zurückziehen konnte, den Hessen die Mühe des Spielaufbaus überließ, um dann bei Gelegenheit eminent gefährlich zu kontern. In diese Falle will Eintracht Frankfurt nicht tappen. Andererseits sind die Ukrainer gezwungen, selbst aktiv zu werden, denn sie müssen mindestens einen eigenen Treffer erzielen. Das wiederum gibt den Frankfurtern Möglichkeiten. »Wir wollen Nadelstiche setzen.«

Aufstellungen / Frankfurt: Trapp – Hinteregger, Hasebe, N’Dicka – de Guzmán, Willems – da Costa, Kostic – Gacinovic – Haller, Rebic / Donezk: Pjatow – Matviyenko, Butko, Chotscholawa, Ismaily - Bolbat, Alan Patrick – Marlos, Kowalenko, Taison – Junior Moraes / SR: Lahoz (Spanien).

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