29. Juli 2018, 21:44 Uhr

»Mit Angriffsfußball zum Erfolg«

Die Profis der Frankfurter Eintracht schwitzen seit Sonntag im Trainingslager in Südtirol, um sich auf die Bundesliga-Saison vorzubereiten. Im Interview spricht Trainer Adi Hütter über seine ersten Wochen am Main, die Verpflichtungen und die neue Runde.
29. Juli 2018, 21:44 Uhr
Bei der Eintracht hört die Mannschaft nun auf das Kommando von Adi Hütter. (F.: Eibner)

Eintracht Frankfurt


Herr Hütter, Sie sind jetzt knapp einen Monat in Frankfurt. Haben sich Ihre Erwartungen von der Eintracht erfüllt?

Hütter: Absolut. Es ist so, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Eintracht ist ein Traditionsverein, das habe ich schon am ersten Tag gespürt. Ein Verein, der durch den Pokalsieg viel Euphorie hat, der mit vielen Emotionen ausgestattet ist. Ich wurde gut aufgenommen – sowohl von den handelnden Personen als auch von der Mannschaft. Die Trainingsmöglichkeiten sind top.

Gibt es auch ein Aber?

Hütter: Nun ja. Es ist auch klar, dass noch nicht alles einwandfrei laufen kann. In einem WM-Jahr wie diesem ist in allen Vereinen transfermäßig noch viel Bewegung drin, das betrifft uns natürlich auch.

Am vergangenen Freitag wurde der achte Neuzugang verpflichtet, Chico Geraldes. Was hat Sie an ihm überzeugt?

Hütter: Chico Geraldes ist sehr interessant, weil er ein junger Spieler ist, laufstark, der in der Offensive auf der Achter- oder Zehnerposition spielen kann. Er kommt aus dem Land des Europameisters, das darf man nicht vergessen. Die Portugiesen haben gute Fußballer, bei Sporting Lissabon hat er eine gute Ausbildung genossen. Deshalb hatten wir ihn schon länger im Auge. Er ist ein Spieler, mit viel Entwicklungspotenzial.

Geraldes, Goncalo Paciencia und Allan Souza wurden zuletzt häufig von ihren Klubs verliehen, Evan Ndicka und Lucas Torro spielten in ihren Heimatländern jeweils in der zweiten Liga. Viel Erfahrung ist das nicht. Ein Problem?

Hütter: Es beginnt ja jeder mal irgendwo. Wie man nach oben kommt, das ist egal. Ob man gleich bei einer Spitzenmannschaft spielt oder mal einen Umweg über die zweite Liga nimmt. Da gibt es unterschiedliche Wege. Entscheidend ist, dass wir Spieler gesucht haben, die Potenzial besitzen. Das sind vielleicht noch keine fertigen Fußballer, aber sie sind gewillt, bei uns den nächsten Schritt zu gehen. Sie sind hungrig. Und außerdem haben wir noch genug Erfahrung in der Mannschaft.

Vor allem sind aber auch wichtige Führungsspieler gegangen. Sind die Neuen schon so weit, Abgänge wie die von Kevin-Prince Boateng, Marius Wolf oder Omar Mascarell zu kompensieren?

Hütter: Es ist immer spannend, diese Frage von der anderen Seite zu betrachten. Wer hat zum Beispiel vor zwei Jahren Marius Wolf gekannt? Und auch in der vergangenen Saison sind Spieler wie Boateng oder Ante Rebic erst im letzten Moment verpflichtet worden. Damals wusste auch nicht jeder, ob das funktioniert. Außerdem ist es ja nicht so, dass wir keine Spieler hätten, die Führungsqualitäten mitbringen. David Abraham, Marco Russ oder Carlos Salcedo haben zum Beispiel viel Erfahrung. Klar, ein Boateng war ein Schlüsselspieler, der viel geregelt hat. Aber natürlich hoffe ich, dass wir Spieler finden, die in diese Rolle hineinwachsen.

Haben Sie bestimmte Namen im Kopf?

Hütter: Das ist schwierig, für diese Rolle jemanden herauszudeuten. Am Ende wird es dann vielleicht ein ganz anderer. Ich möchte auch nicht, dass sich alles auf ein oder zwei Spieler fokussiert. Wir brauchen eine homogene Mannschaft.

Bis kommenden Sonntag steht nun das Trainingslager in Südtirol an. Was wollen Sie mit Ihrer Mannschaft dort erarbeiten?

Hütter: Wir sollten grundsätzlich langsam dahinkommen, wo wir hinwollen. Es ist wichtig, dass wir nicht zu leicht ausrechenbar sind und mehr als eine Grundordnung spielen können. Wir wollen variabel sein. Deshalb geht es jetzt im mannschaftstaktischen Bereich darum, unser Spiel zu verfeinern.

Sie wollen mit Ihrer Mannschaft den Gegner früh attackieren. Pressing und Gegenpressing lauten die Stichworte. Welche Vorteile bringt diese Spielweise mit? Und welche Gefahr?

Hütter: Wer meinen Weg ein bisschen verfolgt hat, der kann herauslesen, dass ich schon immer gerne versucht habe, mit Angriffsfußball zum Erfolg zu kommen. Aber das ist nur der Plan A, es gibt auch einen Plan B. Denn ich glaube nicht, dass man in jedem Stadion der Bundesliga die ganze Zeit nach vorne rennen und hinten offen wie ein Scheunentor sein kann. Wir brauchen schon eine richtige Balance im Spiel.

In knapp zwei Wochen steht das erste Spiel im Supercup gegen den FC Bayern an. Welche Wertigkeit hat die Partie für Sie? Ein besseres Testspiel oder eine echte Titelchance?

Hütter: Es geht um einen Titel, also möchte man auch gewinnen. Nicht nur die Bayern, sondern auch wir. Es gibt sicher keinen besseren Test, als zu Hause vor ausverkauftem Haus gegen Bayern München zu spielen. Man spürt, dass die Zuschauer schon wieder gierig auf die Eintracht sind. Wir wollen uns gut präsentieren. Aber natürlich wissen wir, dass wir danach immer noch 14 Tage bis zum ersten Bundesligaspiel haben.

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