18. Februar 2019, 22:43 Uhr

Es bleibt eine große Lücke

18. Februar 2019, 22:43 Uhr

Eintracht Frankfurt


Wer sich in aller Ruhe die Entstehung des späten Gladbacher Ausgleichs zum 1:1-Endstand in Frankfurt anschaut, erkennt schnell, wo der Hase im Pfeffer liegt. Im Mittelfeld nämlich bekam die Eintracht keinen Zugriff und konnte in der Zentrale die großen Räume nicht schließen. Das lag in erster Linie daran, dass der eingewechselte Jetro Willems – warum auch immer – in Mittelstürmerposition versuchte, die Gladbacher zu attackieren, dabei aber auch noch ausrutschte und quasi aus dem Spiel war. Deshalb hatte Tobias Strobl eine ganze Menge Platz, den er für einen Sprint und einen klugen Flachpass auf Denis Zakaria nutzte.

Das wiederum war nur möglich, da weder Jonathan de Guzman noch Mijat Gacinovic Druck auf den ballführenden Strobl ausübten und in der Mitte sogar noch eine veritable Lücke ließen. Als das Unheil seinen Lauf nahm, trabten sie ganz gemächlich hinterher. Und weil Makoto Hasebe wahrscheinlich das erste Mal in diesem Spiel eine falsche Entscheidung traf und sich zu Alassane Plea orientierte, statt sich Zakaria in den Weg zu stellen, war die Bahn frei zum 1:1. Hasebe war in dieser Situation allerdings auch gänzlich alleine gelassen, er konnte so einfach nicht mehr ausbügeln, was zuvor verbockt worden war.

Natürlich kann so ein Gegentor in der Fußball-Bundesliga immer mal passieren, doch dieser Treffer steht dennoch exemplarisch für die Probleme, die sich bei der Eintracht auftun, wenn ihre Terrier nicht im Spiel sind. Es war kein Zufall, dass im Zentrum ausgerechnet in den Momenten die größten Löcher entstanden, als Gelson Fernandes wegen einer Oberschenkelverletzung vom Feld humpeln musste. Der Schweizer hat sich längst zu einem unverzichtbaren Stabilisator entwickelt, keiner läuft und ackert mehr, keiner stiebitzt mehr Bälle oder stört den Gegner entscheidend. Fernandes fehlt an allen Ecken und Enden, auch am Donnerstag im Rückspiel in der Europa League gegen Schachtjor Donezk.

Dann wird auch Sebastian Rode wohl nur als Besucher im Stadion dabei sein können, der Rückkehrer ist mit einer nicht näher definierten Wadenblessur ebenfalls unpässlich, obwohl er gestern schon in gutem Tempo seine Runden drehte. Vielleicht dauert es aber insgesamt nicht so lange wie beim Kollegen David Abraham, der wegen einer Wadenverletzung seit Wochen zum Zuschauen verdammt war, aber gestern wieder trainierte. Rode, 28, gehört wie Fernandes in die Kategorie Zerstörer mit Herz, weiß aber auch mit dem Ball am Fuß etwas anzufangen. Das Herzstück ist der Eintracht damit aus dem Leib gerissen, Fernandes und Rode passen auch deshalb so zu dieser Mannschaft, weil sie in gewisser Hinsicht stilprägend sind, sie passen mit ihrer Spielweise, ihre Haltung und ihrem Willen perfekt zu dem, was Trainer Adi Hütter von seiner Mannschaft verlangt: pressen, jagen, draufgehen.

Die Statistik gegen Gladbach ist beeindruckend: Die Eintracht kam auf 267 Sprints – 60 mehr als die Borussia und mehr als jedes andere Team am 22. Spieltag. Sie legte 721 intensive Läufe über 12,5 Kilometer zurück – auch dies Bestwert am vergangenen Wochenende. Das ist der Weg, den die Eintracht geht, so definiert sie ihr Spiel. Und die Schaltstelle im defensiven Mittelfeld ist, wenn man so will, die Triebfeder des Ganzen, die beiden sind die Vorreiter.

Die Kardinalfrage wird sein, wie Trainer Adi Hütter ihren Ausfall kompensieren will. Natürlich hat er in Jonathan de Guzman einen erfahrenen Profi in seinen Reihen, der auf dieser Position auch daheim ist. Er kann Jetro Willems aufbieten oder Mijat Gacinovic eine Position nach hinten ziehen. Das Problem: Alle drei sind gänzlich andere Spielertypen mit anderen Qualitäten, sie kommen eher über die fußballerische Schiene, und alle drei sind auch nicht besonders gut in Form. Vielleicht wagt aber der Trainer auch ein Experiment, beordert Kapitän Abraham in die zentrale Verteidigung und zieht Makoto Hasebe eine Position nach vorne. Klingt aber alles nicht nach einer Ideallösung. Aber für eine gewisse Improvisationskunst sind Fußballtrainer ja auch bekannt. Ingo Durstewitz

Schlagworte in diesem Artikel

  • Eintracht Frankfurt
  • Fußball
  • Hasen
  • Pfeffer
  • Sebastian Rode
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.