16. August 2017, 17:01 Uhr

Dreifachbelastung

Eine Frau an der Pfeife Jammern gilt nicht

16. August 2017, 17:01 Uhr
Bibiana Steinhaus ist die erste Schiedsrichterin in der Männer-Bundesliga. Ihre Generalprobe im DFB-Pokal-Spiel der Bayern in Chemnitz war gelungen, auch wenn Franck Ribéry (r./M. Robert Lewandowski) ihr aus Spaß den Schnürsenkel aufzog und hinterher eine Debatte über Respekt aufgekommen ist. (Foto: dpa)

Die Fußball-Fans müssen sich in der 55. Bundesliga-Saison auf gleich mehrere Neuerungen einstellen. Erstmals wird es den Videobeweis geben, der Spielplan wird weiter aufgefächert und im Pay-TV ist das Sky-Monopol gefallen. Die wichtigsten Änderungen zum Saisonstart am 18. August im Überblick:

Videobeweis: Nach der holprigen Premiere beim Supercup dürfte der Videobeweis auch in der kommenden Saison für Diskussionen sorgen. Beim Titelgewinn des FC Bayern bei Borussia Dortmund lagen die virtuellen Abseitslinien nicht vor, Deutscher Fußball-Bund und Deutsche Fußball-Liga entschuldigten sich für die »aufgetretenen technischen Probleme«. Das Hilfsmittel soll für weniger Fehlentscheidungen sorgen. Ein sogenannter Video-Assistent in einem Studio weist den Schiedsrichter in Absprache mit mindestens einem Supervisor auf klare Fehler hin, der Referee trifft aber die letzte Entscheidung. Dabei können Szenen korrigiert werden, in denen es um erzielte Tore, Elfmeter, Platzverweise und die Verwechslung von Spielern geht.

Anstoßzeiten: Drei neue Anstoßzeiten für die Bundesliga müssen sich die Fans in den Terminkalender schreiben. Statt des bisherigen Zweitliga-Spitzenspiels findet fünfmal pro Saison eine Partie am Montag um 20.30 Uhr statt. Ebenfalls fünfmal wird am Sonntag bereits um 13.30 Uhr angestoßen. In diesen Wochen finden jeweils nur vier Spiele am Samstags-Stammtermin um 15.30 Uhr statt. Das späte Sonntagsspiel wird dauerhaft um eine halbe Stunde nach hinten auf 18.00 Uhr verschoben.

Schiedsrichterin: Ihre historische Beförderung musste Bibiana Steinhaus erst mal etwas »sacken« lassen. Als erste Schiedsrichterin wird die 38-Jährige in der Bundesliga pfeifen. Nach zehn Jahren in der 2. Bundesliga stand sie laut DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich bei den Bewertungen »an der Spitze«. Neben Steinhaus steigen Martin Petersen, Sven Jablonski und Sören Storks in die Bundesliga auf, Wolfgang Stark, Günter Perl und Joachim Drees hören aus Altersgründen auf. Die Unparteiischen dürfen sich über gestiegene Honorare freuen – statt 3800 gibt es zukünftig 5000 Euro pro Einsatz. Auch die Grundgehälter wurden angehoben.

TV-Übertragung: Für die Fans wird es teurer und unübersichtlicher, wenn sie die komplette Bundesliga live im TV verfolgen wollen. Der Großteil der Spiele ist weiterhin bei Sky zu sehen, der Pay-TV-Sender hat aber nicht mehr alle Partien im Angebot. Insgesamt 40 reguläre Spiele werden von Eurosport übertragen – 30 am Freitagabend und jeweils die fünf am Sonntagmittag und Montagabend. Außerdem sind die Relegationsspiele beim Sportsender zu sehen. Allerdings werden die Eurosport-Partien bislang nur über die Satelliten-Plattform HD+ und im Internet angeboten. Über eine Einspeisung ins Sky-Programm können sich die Unternehmen bislang nicht einigen. Zumindest drei Partien, und damit eine mehr als bisher, werden im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt. Am 1., 17. und 18. Spieltag überträgt das ZDF jeweils das Freitagabendspiel.

Trikotärmel: Die Vereine können sich ihren Sponsoringpartner auf dem Ärmel selbst aussuchen. Bislang war dort bei allen Clubs das Werbe-Logo des Logistikdienstleisters Hermes zu sehen.

Auf den scherzhaften Rat seines Managers hat Peter Stöger nicht gehört. »Ich habe mit unserem Trainer abgesprochen, dass wir im Pokal in der ersten Runde ausscheiden«, hatte Jörg Schmadtke, Sportchef des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln, nach ständigen Nachfragen zur Dreifachbelastung irgendwann geantwortet. »Dann wird es nicht ganz so heftig.« Die Kölner setzten sich trotzdem mit 5:0 bei der Leher TS durch und sind weiter in drei Wettbewerben aktiv: Liga, Cup und zum ersten Mal seit 25 Jahren auch im Europapokal. Dass dies ungewohnt ist, eint den FC mit einigen anderen Clubs. Denn von den Dauerstartern sind in diesem Jahr nur Bayern München und Borussia Dortmund im Europapokal dabei.

Neben RB Leipzig gastiert auch 1899 Hoffenheim zum ersten Mal überhaupt auf europäischer Bühne. Hertha BSC steht erstmals seit acht Jahren wieder in der Gruppenphase der Europa League. Für den SC Freiburg ist die vierte Europacup-Teilnahme der Vereinsgeschichte nach dem Aus in der Qualifikation gegen Domzale dagegen schon beendet. »Jetzt haben wir wenigstens Zeit zum Arbeiten«, sagte Trainer Christian Streich ironisch.

Bei den teilnehmenden Vereinen hört man keine Klagen über die Dreifachbelastung. »Das wäre doch absurd«, sagte Schmadtke. »Wir haben die ganze Zeit dafür gearbeitet, da werden wir uns nicht beschweren.« Leipzigs Kapitän Willi Orban fragte: »Warum sollten wir darüber klagen? Wir haben uns alles hart erarbeitet und werden jedes Spiel genießen.« Auch Hertha-Coach Par Dardai empfindet die zusätzlichen Spiele nicht als Last. »Zu spielen ist immer Lust«, entgegnete er. Er gab aber zu bedenken: »Danach die Reise ist scheiße. Auf der Hinreise bist du motiviert, bei der Rückreise willst du nur schnell zu Hause sein. Das ist immer zäh.« Leipzig-Coach Ralph Hasenhüttl erklärte: »Wir haben nur eine Aufgabe mehr unter der Woche.« Der Arbeitsalltag verändere sich eben ein bisschen, sagte er dem Magazin »Socrates«. Einige Randaspekte werden gleichfalls anders sein. Er trage in der Champions League wohl einen Anzug statt Trainingsklamotten und wolle sein Englisch verbessern.

Doch zeigte die Vergangenheit auch immer wieder, dass Vereine ohne Erfahrung mit der Teilnahme an drei Wettbewerben in die Abstiegszone abrutschten. Oder wie Freiburg 2002 und Bochum 2005 sogar in die 2. Liga mussten.

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