11. Februar 2018, 20:41 Uhr

Ein besonderer Tag für Marco Russ

Eintracht Frankfurt mischt weiter in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga mit. Mit dem souveränen Sieg gegen den Tabellenletzten aus Köln untermauern die Hessen ihre Ambitionen auf einen internationalen Startplatz.
11. Februar 2018, 20:41 Uhr
Das besondere Tor: Der Frankfurter Marco Russ (r.) trifft erstmals nach seiner Krebserkrankung wieder für die Eintracht. Beglückwünscht wird er von seinen Teamkollegen (v. l.) Simon Falette, Ante Rebic und Marius Wolf. (Foto: dpa)

Eintracht Frankfurt


Das Wort Champions League wollte bei Eintracht Frankfurt niemand in den Mund nehmen, doch langsam reift beim Tabellenvierten zumindest der Traum von Europa. »Mal sehen, wohin uns die Beine in dieser Saison noch tragen«, sagte Vorstand Axel Hellmann nach dem 4:2 (1:0) gegen Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Köln. Und Sportdirektor Bruno Hübner stellte fest: »Wir stehen hervorragend da und haben sowohl im Pokal als auch in der Bundesliga die Möglichkeit, für Furore zu sorgen. Die Mannschaft wird alles daran setzen, aus der guten Saison eine super Saison zu machen.«

Trainer Niko Kovac wollte in diesen Chor trotz der überzeugenden Vorstellung seiner Schützlinge allerdings nicht einstimmen. »Wir werden weiter fleißig sein, um uns die Punkte zu erarbeiten. Wenn irgendetwas am Ende übrig bleibt, nehmen wir es gerne mit. Aber ich gebe keine Parolen aus«, betonte Kovac. Der 46-Jährige macht lieber weiter in Understatement. »Ich lasse mich da nicht treiben, denn ich weiß, wie schnell es gehen kann. Augsburg lässt grüßen«, sagte Kovac in Anspielung auf die 0:3-Pleite vor einer Woche.

Die Reaktion der Mannschaft erfüllte aber auch den Fußball-Lehrer mit Stolz. Drei Tage nach dem Einzug ins Pokal-Halbfinale durch das 3:0 im Rhein-Main-Derby gegen Mainz 05 lief die Eintracht auch gegen Köln heiß und verdarb FC-Manager Armin Veh die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. »Die Jungs wissen, was sie können und wozu sie imstande sind. Nie aufzugeben, immer an sich zu glauben – diese Mentalität ist aller Achtung wert«, lobte Kovac und ließ sich dann doch noch ein wenig hinreißen: »Diese Mannschaft hat richtig viel Potenzial.«

36 Zähler nach 22 Spieltagen bedeuten Rang vier – der berechtigt am Saisonende zur Qualifikation für die Champions League. Für Sport-Vorstand Fredi Bobic ist dies aber nur eine schöne Momentaufnahme. »Wir sind drin im Sammelsurium der Top-Mannschaften. Das ist ein schönes Gefühl«, sagte Bobic.

Der Auftritt gegen Köln konnte sich sehen lassen. Vor 47 700 Zuschauern trafen Ante Rebic in der 15. Minute, Marco Russ (59.), Simon Falette (65.) und Marius Wolf (67.) für die Eintracht, die erstmals in der Kovac-Ära mehr als drei Treffer in einem Bundesligaspiel erzielte. Die Gegentore durch Simon Terodde (57./Foulelfmeter, 74.) konnten die gute Stimmung nicht trüben. »Der Sieg war absolut verdient, auch in der Höhe. Die Mannschaft hat eine richtig gute Einstellung und körperliche Präsenz gezeigt«, so Kovac.

Besonders groß war die Freude bei Russ, der erstmals nach seiner Krebserkrankung wieder ein eigenes Tor für seine Eintracht bejubeln durfte – das 24. im 294. Bundesligaeinsatz. »Ich habe im April 2016 das letzte Mal getroffen, das war vor meiner Krankheit. Es ist schön«, sagte er.

Der 32-Jährige ist beim Tabellenvierten zwar nicht mehr erste Wahl. Doch wenn der Familienvater von zwei kleinen Kindern gebraucht wird, ist er da. So wie derzeit als Vertreter des verletzten Abwehrchefs David Abraham. »Marco macht das gut, hat auch heute wieder viele Duelle gewonnen«, lobte Eintracht-Trainer Niko Kovac den Routinier.

Dessen Karriere schien schon beendet, als er im Mai 2016 die niederschmetternde Krebsdiagnose erhielt. Aber Aufgeben war für Russ keine Option. Er kämpfte sich durch die Chemotherapie und ins Team zurück. Im Februar 2017 gab er sein emotionales Comeback. Der gebürtige Hesse ist ein Eintracht-Urgestein, durchlief sämtliche Jugendmannschaften und spielte – mit Ausnahme eines zweijährigen Intermezzos in Wolfsburg – für keinen anderen Verein.

»Wir sind kein Weltklasseteam, sondern eine ordentliche Mannschaft, in der jeder mitmachen muss. Deshalb appelliere ich immer wieder an die Jungs: Nur gemeinsam sind wir stark«, verriet Kovac das Geheimnis des Erfolges. Der soll noch möglichst lange anhalten. »Wir wissen, wie eng die Tabellensituation ist«, sagte Russ. »Aber je länger wir oben drin bleiben, umso größer wird die Chance, europäisch zu spielen.«

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