Handball

HSG Wetzlar: Nach der WM ist vor dem Bundesliga-Alltag

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Die deutschen Handballer zogen bei der WM die Republik in ihren Bann. Das Happy End blieb mit Platz vier aus. Wir werfen vor dem Re-Start einen Blick auf die Bundesliga und die HSG Wetzlar.

Nationalspieler wie Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen seufzen und stöhnen. Die Belastung der strapaziösen WM mit dem eng getakteten Spielplan steckt nicht nur dem Rechtsaußen in den Knochen. Für sie alle geht es bereits in dieser Woche mit Bundesliga-Alltag und dem Europapokal weiter. "Das ist eigentlich schon fast krank. Es ist deutlich zu viel", lässt er seinem Frust freien Lauf. Jedes Jahr ist es für die Handballer das Gleiche: Sie spielen WM oder EM – und dann müssen sie in ihren Teams in der Bundesliga oder im Europapokal ran. Die Überbelastung kann schwerwiegende Folgen für die Leistungsträger der Clubs haben.

Wie hat sich die HSG Wetzlar auf den Re-Start vorbereitet?

Von verletzten Spielern nach oder vor einer Großveranstaltung wie EM oder WM – davon kann die HSG Wetzlar wahrlich ein Lied singen. Die Truppe von Trainer Kai Wandschneider kommt nie ungeschoren davon. Diesmal erwischte es den Österreicher Alexander Hermann, der aufgrund eines Bruchs des Mittelfußknochens noch eine längere Zeit pausieren muss. Die Verletzung zog sich der Rückraumspieler in der Vorbereitung auf die WM zu. Erst kürzlich stieß Kristian Björnsen zum Tabellen-13., der sich nach 19 Bundesliga-Spielen ein Acht-Punkte-Polster gegenüber den Abstiegsrängen erarbeitet hat. Der Norweger holte mit seinem Land die Silbermedaille bei der WM. Die HSG testete zweimal und gewann zweimal – jeweils gegen Zweitligisten. Zuletzt in Neunkirchen im Siegerland gegen den TuS Ferndorf. Beim 28:25 erhielten Spieler wie Tibor Ivanisevic und Lars Weissgerber, die lange verletzt waren, viel Spielpraxis. Dort ließ Wandschneider, dessen hartnäckige Bronchitis abgeklungen ist, auch eine 4:2-Deckung spielen, da er im Abwehrverband die Aggressivität erhöhen wollte. Am Donnerstag steht bereits um 19 Uhr das schwere Liga-Heimspiel gegen den amtierenden deutschen Meister SG Flensburg/Handewitt in der Rittal-Arena an.

Was tut sich an der Tabellenspitze der Handball-Bundesliga?

Die SG Flensburg/Handewitt ist bislang das Maß aller Dinge: 19 Spiele in der Bundesliga, 19 Siege. Vier Punkte Vorsprung vor dem THW Kiel, sieben vor den Rhein-Neckar Löwen. Die weiße Weste ist unbefleckt. Trainer Maik Machulla hat seine Hausaufgaben mit Sternchen erledigt – auch wenn es sechsmal knapp war und nur ein Törchen den Unterschied ausmachte. Der von der HSG Wetzlar zur SG gewechselte Keeper Benjamin Buric ist der große Rückhalt und weist nach 19 Partien eine "Fangquote" von 38 Prozent auf. In Relation zu den absolvierten Spielen der Topwert der Bundesliga. Die Norddeutschen steuern auf Titelverteidigungskurs. Sie sollten dabei aber nicht vergessen, dass sie in der Rückrunde noch die drei schweren Auswärtsspiele in Kiel, Mannheim und Magdeburg vor der Brust haben.

Die Kieler sind der gefährlichste Verfolger der Flensburger und üben somit mächtig Druck aus. Coach Alfred Gislason will sein letztes Jahr bei den Zebras mit dem DM-Titel krönen. Torwart Andreas Wolff, ebenfalls früher HSG Wetzlar, ist ein Typ, der sich nur ungern mit Platz zwei anfreundet. Das alles könnte Motivation genug sein, am Ende doch noch vorne zu stehen. Dem Tabellendritten Rhein-Neckar Löwen wird nicht mehr zugetraut, dass er in den Kampf um die Meisterschaft eingreift. Sieben Punkte Rückstand sind schon eine Menge Holz. Trainer Nikolaj Jacobsen, der mit Dänemark den WM-Titel holte, scheint sich mit seinem Team voll und ganz auf die Champions League zu konzentrieren. Dort können die Löwen noch die Gruppenphase hinter dem FC Barcelona auf Platz zwei abschließen. Zudem bleibt abzuwarten, wie unter anderem die deutschen Nationalspieler Jannik Kohlbacher und Steffen Fäth (beide vormals HSG Wetzlar) die WM-Strapazen verarbeiten.

Welche Mannschaften haben Chancen, sich für Europa zu qualifizieren?

Laut Statuten der Europäischen Handball-Föderation können sich für die Spielzeit 2019/20 fünf Mannschaften qualifizieren. Die HBL erhält aber nur noch einen garantierten Startplatz für die Champions League. Früher waren es noch drei. Diese neue Regelung gilt für alle Nationen, um eine einheitlichere Verteilung zu gewährleisten. Bewerbungen um weitere Startplätze sind aber möglich. Rang zwei bis fünf kann am EHF-Pokal teilnehmen. Alles weitere wird sich je nach Situation ergeben. Auf die begehrten Plätze ist das Gerangel groß. Der SC Magdeburg, die Füchse Berlin, MT Melsungen und FA Göppingen – sie alle streben die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb an, wobei Magdeburg und Berlin momentan mit Rang vier und fünf die besten Aussichten darauf haben.

Wer hat die schlechtesten Karten im Abstiegskampf?

Der Abstiegskampf verspricht Spannung. Die Eulen Ludwigshafen belegen den letzten Rang und können erst einen Sieg und zwei Unentschieden vorweisen. Nur zwei Punkte mehr hat die SG BBM Bietigheim auf dem Konto, die vor dem Re-Start für eine Schlagzeile sorgte. Die SG trennte sich vor drei Tagen von Trainer Ralf Bader. Co-Trainer Christian Hörner übernahm. Der Zeitpunkt überrascht, denn am Sonntag kommt es beim Bundesliga-Wiederbeginn zum Kellerduell mit dem Rang-15. SC DHfK Leipzig, der vier Zähler mehr als die Schwaben hat. Dann soll aber schon ein neuer sportlicher Chef auf der Bietigheimer Bank sitzen. Als Kandidat wird auch der ehemalige Wetzlarer Markus Baur gehandelt. Ebenfalls noch stark abstiegsgefährdet ist der VfL Gummersbach. Letztlich müssen zwei Teams den Weg in die Zweitklassigkeit antreten.

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