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Der Kieler Miha Zarabec (l.) setzt sich gegen den Wetzlar Anton Lindskog durch. (ov)

HSG Wetzlar

HSG Wetzlar lässt THW Kiel lange zittern

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Es fehlt das Quäntchen Glück. Nach einer starken Leistung verliert die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga knapp mit 23:27 (10:12) gegen den THW Kiel.

Es war ein Handball-Fest in der mit 4421 Zuschauern ausverkauften Halle der HSG Wetzlar. "Die, die heute in der Halle waren, werden wohl alle wiederkommen - vor allem, wenn der THW Kiel da ist", schmunzelte HSG-Trainer Kai Wandschneider nach dem 23:27 (10:12) im Bundesliga-Heimspiel gegen den Tabellenzweiten. Und Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp ergänzte: "Die Jungs haben alles rausgehauen, über 60 Minuten Vollgas gegeben und sich den großen Applaus der Zuschauer verdient. Das war eine richtig starke Leistung."

Es war eine kuriose erste Halbzeit, es schien so, als wollten beide Mannschaften den Faden aus dem Hinrundenspiel in Kiel wieder aufnehmen. Ballgewinne und vergebene Chancen hüben wie drüben. Stabile Abwehrreihen, mit soliden Torhütern dahinter. Bei der HSG hatte Tibor Ivanisevic den Vorzug vor Till Klimpke erhalten, bei den Gästen stand Niklas Landin und nicht der Ex-Wetzlarer Andreas Wolff im Kasten.

Anfangs gab es technische Fehler am Fließband auf beiden Seiten. So gingen sechs Minuten ins Land, ehe der Ball das erste Mal im Netz zappelte. Ausgerechnet HSG-Kapitän Filip Mirkulovski erwischte einen rabenschwarzen Tag und ermöglichte den Kielern mit zwei Fehlern die 2:0-Führung. Nach dem 3:0 von Niklas Ekberg nach Parade von Landin warf Wandschneider bereits in der achten Minute die grüne Karte auf den Tisch und bat seine Mannschaft zur Besprechung.

Der Wild-West-Handball sollte damit aber kein Ende finden. Zumindest konnte niemand behaupten, die Partie wäre langweilig gewesen. Mit 7:2 war Kiel weg, doch die Grün-Weißen gaben nicht auf, kamen durch Stefan Cavor auf 9:10 (22.) heran. THW-Coach Alfred Gislason stellte seine Abwehr auf die 3:2:1-Formation um, mit der die Wetzlarer so ihre Schwierigkeiten hatten. "Nach einem sehr guten Beginn, wo die Abwehr sehr gut stand, haben wir es uns durch die schlechte Wurfquote selbst schwer gemacht", monierte der 59-Jährige.

Auch nach der Pause arbeitete sich die HSG immer wieder heran, stand sich aber auch zu oft selbst im Weg, um die Partie wirklich noch mal zu kippen. Zudem verzweifelte man zunehmend nicht nur an den eigenen Unzulänglichkeiten, sondern auch an den teils nur schwer zu verstehenden Entscheidungen der Schiedsrichter. Dennoch: Wetzlar muss sich an die eigene Nase fassen. Denn was nutzen all die Paraden von Ivanisevic, wenn man im Gegenzug den Ball ins Nirwana befördert?

Trotzdem gelang Nils Torbrügge das 23:23, und die Arena glich einem Tollhaus. "Ab der 40. Minute kam viel Hektik ins Spiel, die uns nicht gutgetan hat", meinte Kiels Sportlicher Leiter Viktor Szilagyi. In der hitzigen Atmosphäre versagten den Grün-Weißen dann aber die Nerven, die Weltklasse-Truppe aus Kiel blieb ruhig und nutzte die folgenden vier Fehler der Gastgeber gnadenlos zum 27:23-Sieg aus. "Wir waren sehr nervös, haben in der Deckung sehr gut gestanden, aber zu lange gebraucht, um ins Spiel reinzukommen", so Wandschneider. "Wir sind gut aus der Pause gekommen, aber die technischen Fehler waren heute einfach zu viel, um noch mehr erreichen zu können."

HSG Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Kneer, Björnsen (2), Mirkulovski (1), Torbrügge (3), Frend Öfors (3), Holst (3/3), Forsell Schefvert (3), Rubin (3), Lindskog, Cavor (5).

THW Kiel: Niklas Landin, Wolff; Duvnjak (3), Reinkind (2), Weinhold (5), Wiencek (2), Ekberg (4/3), Rahmel (1), Dahmke (5), Zarabec, Bilyk (2), Pekeler (3), Nilsson.

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Brodbeck/Reich (Reutlingen/Metzingen). - Zuschauer: 4421. - Zeitstrafen: 4:2 Minuten. - Siebenmeter: 3/3 - 5/3.

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