Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar: Jährlich grüßt das Murmeltier

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Die HSG Wetzlar überrascht sich selbst zum x-ten Mal. Leistungsträger sind gegangen, viele Verletzte im Kader – und dennoch finden die Grün-Weißen immer wieder zu sich selbst.

Nach dem starken 24:19-Auftritt beim VfL Gummersbach am Sonntag ist die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga zwar noch nicht aus dem Gröbsten heraus, bei allen Rückschlägen der letzten Wochen wächst aber die Zuversicht, der Erstliga-Konkurrenz auch 2018/19 ein Schnippchen schlagen zu können. Vielleicht ja auch den Füchsen Berlin am Donnerstag im Heimspiel in der Rittal-Arena (19 Uhr). Nach den Doppel-Erfolgen gegen FA Göppingen und beim VfL Gummersbach hätte es die Mannschaft verdient, dass erstmals in dieser Spielzeit auch die 4000er-Zuschauer-Marke überschritten wird.

Die Gründe für den Erfolg: Geschäftsführer Björn Seipp sprach davon, "dass es mit Kampf und Leidenschaft gelungen ist, den VfL nie ins Laufen kommen zu lassen". Debütant Maximilian Lux freute sich darüber, "die vielen Ballgewinne in der Abwehr in Tempo umgesetzt" zu haben. Vorneweg und individuell legten die 19 Paraden von Till Klimpke – allein fünf in den ersten acht Minuten – den Grundstein, führte Filip Mirkulovski glänzend Regie und verzeichnete selbst fünf erfolgreiche Abschlüsse (u. a. das 4:8 mit einem selbst eingeleiteten klassischen Absetzen zum Kreis), setzte Stefan Cavor ein halbes Dutzend Ausrufezeichen (z. B. den Doppelpack zum 13:8 und 14:8) aus dem rechten Rückraum. Dazu kamen die höhere Effektivität vom Kreis mit einem verbesserten Anton Lindskog sowie ein Deckungszentrum, das sowohl seit- als auch vor- und rückwärts hinreichend schnelle Beine hatte.

Herausragende spiel- und wurftaktische Disziplin

In Summe mit ausschlaggebend dürfte aber eine andere Statistik gewesen sein: Selten zuvor in dieser Saison unterliefen den Wetzlarern derart wenige Eigenfehler. Die spiel- und wurftaktische Disziplin waren herausragend, weshalb Trainer Kai Wandschneider zwei Tage nach seinem 59. Geburtstag die vielen zusätzlich noch vergebenen Chancen verkraften konnte. "Ich hoffe, die beiden Punkte werden uns noch freier im Kopf machen." Sprachs und hatte schon wieder die Aufgabe Berlin im Blick.

Was war los mit dem VfL Gummersbach? Die Gastgeber vermissten ihren ukrainischen Rückraum-Kanonier Stanislav Zhukov nicht nur im Angriff, wo es aus der Distanz praktisch keine Torgefahr gab. Sondern auch im Deckungszentrum, weshalb sich HSG-Kreisläufer Anton Lindskog ordentlich in Szene setzen konnte. Zudem hatte es den Anschein, dass sich der aus einer Verletzung zurück gekommene Routinier Drago Vukovic und sein Spielmacher-Stellvertreter, der junge Iraner Norou Pouya, nicht verstanden, gemeinsam somit kaum etwas auf die Platte brachten. Und am Kreis konnte Moritz Preuss auch nicht einmal ansatzweise beweisen, dass er einmal im Nationalteam in Konkurrenz zu Patrick Wiencek oder Jannik Kohlbacher stehen könnte. Bezeichnend auch, dass der zuvor hochgelobte 20-jährige Ivan Martinovic einen rabenschwaren Tag erwischte und bei acht Würfen null Treffer zustande brachte.

Gummersbach Defensivstratege Alexander Becker, für Preuss ungewohnt lange auch am Kreis aktiv, zählte die VfL-Defizite selbstkritisch auf: "Wir haben unser Zentrum nicht dicht bekommen und im zweiten Abschnitt kein Kapital aus den Wetzlarer vergebenen Großchancen schlagen können. Wetzlar hat immer wieder Lösungen gefunden und in Klimpke natürlich einen starken Keeper gehabt. Ganz klar, uns fehlen die Würfe aus der Distanz." Über die Beurteilung der Partie gab es für VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler, der sich hoch oben stehend auf der Tribüne ein Dutzend mal frustriert die Hände vor die Augen gehalten hatte, "keine zwei Meinungen: Wir haben auf der ganzen Linie enttäuscht. Das ist bitter, vor allem, weil wir erstmals in dieser Saison über 3500 Zuschauer hatten."

Erfolgserlebnisse speisen Zuversicht

Welche Rolle spielt Torwartrainer Jasmin Camdzic? "Jasko" ist einer der Wegbereiter der Wetzlarer Erfolge der letzten Jahre. Von Andreas Wolff über Jose Hombrados bis Nikola Marinovic sind alle Torsteher begeistert von der Zusammenarbeit mit dem Torwarttrainer, den deshalb kürzlich sogar die MT Melsungen loseisen wollte. Camdzic hat zudem ein gutes Auge für Torwart-Juwele, denen er den entscheidenden Schliff verpasst – wie Andreas Wolff, Benjamin Buric und jetzt Till Klimpke. Aus der Trainerkabine Wandschneider/Camdzic drang jüngst der Spruch nach außen: "Uns gibt es nur im Doppelpack." Kein Wunder, dass der Wetzlarer Torwart-Youngster Till Klimpke in seinem Statement seinen Förderer nicht unerwähnt ließ: "Jasko hat mit glänzend auf die Werfer des VfL vorbereitet."

Welche Schlüsselspiele hat die HSG Wetzlar noch bis zum Jahresende? Im November noch winken bei GWD Minden (18.11.) sowie zu Hause gegen die Eulen Ludwigshafen (24.11.) Punkte, im Dezember stehen die aussichtsreichen Heimspiele gegen TSV Hannover-Burgdorf (9.12.) und SC DHfK Leipzig (23.12.) sowie das bedeutsame Auswärtsspiel beim HC Erlangen (15.12.) an. Aber wer weiß, vielleicht zeigen die Mirkulovski und Co. ja schon Donnerstag gegen die personell ebenfalls gebeutelten Füchse Berlin eine ähnliche starke Leistung wie bei der unglücklichen Ein-Tore-Niederlage gegen die hochfavorisierten Rhein Neckar Löwen vor fünf Wochen. Die jüngsten Erfolgserlebnisse speisen jedenfalls die Zuversicht, dass bis zum Jahresende weitere entscheidende Zähler eingefahren werden und somit die Distanz zur gefährdeten Region gebührend vergrößert wird.

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