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Wetzlar erwartet über 4000 Zuschauer

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Alle Logen verkauft, schon über 4000 Tickets vergriffen – die HSG Wetzlar zieht wieder. Die Grün-Weißen wollen zudem die TSV Hannover-Burgdorf im Bundesliga-Heimspiel verschrecken

Keine Frage, die HSG Wetzlar will nach dem knapp verpassten Coup bei Meister SG Flensburg/Handewitt gegen die mit 12:18 Punkten als Zehnter bislang weit hinter den Erwartungen gebliebene TSV Hannover-Burgdorf in die Rolle des Knecht Ruprecht schlüpfen und die Niedersachsen am Sonntag (16 Uhr, Rittal-Arena) so richtig verschrecken. Inwieweit das Hamburger PokalDebakel vom Mai noch eine Rolle spielt, als die Grün-Weißen im Halbfinale bereits zur Pause gegen die Burgdorfer hoffnungslos mit 4:15 in Rückstand lagen, wird sich mit den ersten Aktionen auf dem Parkett zeigen. Im Falle eines Erfolges würde die Mannschaft von Trainer Wandschneider (10:20) wegen des besseren Torverhältnisses in der Tabelle an den Norddeutschen vorbeiziehen.

Beide Teams haben Personalsorgen: Aufatmen bei den Wetzlarern. Kristian Björnsen, im Norden gerade aus einer mehrmonatigen Verletzungspause zurückgekehrt, hat trotz vorzeitiger Auswechslung keinen neuen Schaden genommen und kann von Beginn an mitwirken. Auch Spielmacher Filip Mirkulovski ist am Mittwoch wieder in das Training eingestiegen. Dafür bangt die HSG um den grippekranken Till Klimpke, den neben Nicola Marinovic höchstwahrscheinlich Jane Cvetkovski ersetzen muss. Definitiv weiter fehlen werden Tibor Ivanisevic, Lars Weissgerber, Stefan Kneer und vor allem Alexander Hermann, mit dessen Rückkehr wegen einer schwerwiegenden Fußverletzung vor der WM-Pause nicht mehr zu rechen ist. Deshalb wird Torben Waldgenbach aus dem Drittliga-Team wieder zum Kader gehören, Hendrik Schreiber als Backup von Filip Mirkulovski auf der Mitte fungieren und Olle Forsell-Schefvert auf die halblinke Position wechseln.

Aber auch Gäste-Trainer Carlos Ortega muss permanent umbauen. Außen Pavel Torge Johannsen sowie die Aufbauspieler Pawel Atman und Mait Patrail fehlen auf noch unbestimmte Zeit. Martin Ziemer und Kai Häfner waren bis Mitte der Woche erkrankt und Morten Olsen angeschlagen. Alle drei dürften am Sonntag aber zum Einsatz kommen. Zuletzt hinterließ Zwei-Meter-Hüne Hannes Feise im Rückraum einen guten Eindruck und der 114 kg schwere 2,02-Meter-Koloss Domagoj Srsen stand in der Deckung seinen Mann.

Die Ausgangssituation: Die HSG Wetzlar hat sich in den vielen engen Duellen der Saison bislang nicht belohnen können. Vielleicht stellt sich das Glück in der Vorweihnachtszeit endlich einmal auf die Seite der Mittelhessen. "Es ist einfach klasse, was die Jungs aus der Situation immer wieder machen", spricht Trainer Wandschneider den unbeugsamen Charakter seiner Spieler an, "obwohl bei uns eine Verletzung die andere ablöst." Dennoch: "Wir brauchen jeden Punkt, um uns von der Abstiegszone fernzuhalten."

Die auswärts erst zweimal (26:25 in Gummersbach, 31:26 in Lemgo) siegreichen Niedersachsen haben das internationale Geschäft längst abgehakt. Bei einer Niederlage im Mittelhessischen dürfte an der Leine aber so richtig der Baum brennen. Im Gegensatz zur HSG Wetzlar stellt die TSV Hannover-Burgdorf eines der defensivschwächsten Teams im Oberhaus.

Das sagen die Trainer: Wetzlars Kai Wandschneider hatte zu Beginn der Woche erst einmal Mühe, die dritte Last-Minute-Niederlage der Saison zu verdauen, zumal durch wiederholt tendenzielle Schiedsrichterentscheidungen negativ behaftet. "Das uns das Flensburger Publikum aber lange Beifall gespendet hat, zeigt, welche Leistung wir beim Tabellenführer gebracht haben." Seit Dienstag aber hat der HSG-Coach seinen Fokus schon wieder voll und ganz auf die nächste Aufgabe gerichtet. "Hannover spielt mit dem siebten Feldspieler, zuweilen mit zwei Kreisläufern, die 6:0-Deckung wird unterschiedlich interpretiert und die Indianer-5:1 mit Ugalde an der Spitze ist ungemein wirksam", hat Wandschneiders Videostudium der TSV-Partien gegen THW Kiel bzw. beim SC DHfK Leipzig ergeben. "Da werden wir spieltaktisch extrem gefordert." Für ihn als Trainer stellt sich die Frage, "wer gegen den wiedergenesenen Linkshänder Kai Häfner deckt", andererseits schwört er seine Angreifer darauf ein, "Martin Ziemer nicht wie beim Pokal-Desaster im Frühsommer heiß zu werfen".

"Wetzlar ist heimstark und gehört in der Abwehr zu den stärksten Mannschaften der Bundesliga", lobt Recken-Coach Carlos Ortega die Mittelhessen. Gefreut hat sich Ortega unter der Woche über die Nationalmannschaftsnominierung von Fabian Böhm. "Der Verein kann stolz darauf sein, einen deutschen Nationalspieler in seinen eigenen Reihen zu haben. Ich bin mir sicher, dass das Fabian noch mal einen Schub geben wird." Ortega lässt keinen Zweifel daran, dass er und seine Schützlinge in Wetzlar auf Punktejagd gehen wollen: "Es ist ein sehr wichtiges Spiel für uns, das wir gewinnen wollen."

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