Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar abgekocht

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Nach einem Pausen-12:12 verliert die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga beim THW Kiel noch hoch mit 19:29.

Die HSG Wetzlar hat ihren Vorjahrescoup beim THW Kiel nicht wiederholen können. Trotz einer durchaus vorzeigbaren Vorstellung im ersten Abschnitt, die nach sensationellen 5:0- (7.) und 11:6-Führungen (19.) mit einem 12:12-Unentschieden zur Pause auch belohnt wurde, unterlagen die Mittelhessen am Donnerstagabend in der ausverkauften Sparkassen-Arena noch hoch mit 19:29. Dabei wurden die kräfte- und konzentrationsmäßig abbauenden Grün-Weißen in der Schlussviertelstunde vom Rekordmeister regelrecht abgekocht.

"Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt", war Trainer Kai Wandschneider nach Spielschluss ungewohnt euphorisch, "wir haben Kiel früh gezwungen, die 3:2:1-Deckung aufzugeben." Gerade das war aber der Knackpunkt der Partie, befand auch Wandschneider: "Als Alfred Gislason auf 6:0 umgestellt hat, haben wir Probleme bekommen. Bis zur 40. Minute konnten wir noch gegenhalten, insgesamt fehlten uns aber ein paar gehaltene Bälle im Tor sowie die Treffer aus dem Rückraum."

Hatte zunächst noch ungläubiges Staunen unter den 10 000 Zuschauern geherrscht, nachdem vor allem die Wetzlarer Flügelspieler Emil Frend Öfors und Lars Weissgerber eine Kugel nach der anderen im Tor von THW-Keeper Niklas Landin versenken (6:11, 20.), so hellte sich deren Stimmung in der Folge von Minute zu Minute auf. Schließlich gingen die letzten beiden "Drittel" der Partie zusammengerechnet mit 23:8 (!) an das Team von Regisseur Domagoj Duvnjak. "Wir haben letztes Jahr beide Partien gegen Wetzlar verloren, waren deshalb zu Beginn vielleicht etwas zu nervös", räumte Linksaußen Magnus Landin, mit sieben Treffern erfolgreichster THW-Werfer, ein.

Waren es nach dem 5:0-Blitzstart der Wetzlarer die fragwürdige Zeitstrafe gegen Alexander Hermann (11.), die den Gästen etwas von ihrem Selbstbewusstsein nahm, oder die vergebene freie Einwurfchance von Anton Lindskog beim 11:8 (22.), die den Abstand nicht wieder größer werden ließ – auf dem Parkett wurden die Leistungsunterschiede dan aber von Minute zu Minute zugunsten des Titelanwärters deutlicher. "Wir haben uns im zweiten Abschnitt keine Würfe mehr aus der Bewegung aus neun Metern genommen", kritisierte Trainer Wandschneider, selbst seine "Reißt euch zusammen"-Aufforderung in der letzten Auszeit in der 50. Minute beim Stand von 17:25 fruchtete kaum noch.

Bangen um Weissgerber

20 Minuten lang hatte der Mittelblock mit einem starken Anton Lindskog gehalten, 20 Minuten lang saßen die Gegenstöße über Emil Frend Öfors/Lars Weissgerber, 20 Minuten lang wurde die Eigenfehlerzahl erheblich minimiert. Was danach kam, bestätigte jedoch die limitierten grün-weißen Auftritte der letzten Wochen. Einmal vom Kopf her nach den Ein-Tore-Niederlagen beim TBV Lemgo-Lippe und gegen die Rhein-Neckar Löwen, zum anderen personell nach den Ausfällen von Tibor Ivanisevic, Lenny Rubin und Kristian Björnsen. Und zu allem Überfluss musste Björnsen-Backup Lars Weissgerber nach 22 Minuten nach einer unglücklichen Abwehraktion gegen Domagoj Duvnjak verletzt in die Kabine und konnte nicht mehr eingesetzt werden. Eine Diagnose über die Schwere der Verletzung steht noch aus, aber wie schwer das Fehlen eines etatmäßigen Rechtsaußen wiegt, hat die HSG Wetzlar von der 11:8-Führung (22.) bis zum 19:29-Endstand beim Rekordmeister schon einmal aufgezeigt bekommen.

In punkto Einstellung und taktischer Disziplin musste sich die HSG Wetzlar nichts vorwerfen lassen. Individuell treten aber Spieler wie Olle Forsell Schefvert oder Joao Ferraz auf der Stelle. Zudem sind die Kohlbacher-Fußstapfen am Kreis noch immer einige Nummern zu groß.

THW Kiel: Niklas Landin, Wolff (n.e.); Duvnjak (3), Reinkind (2), Magnus Landin (7), Firnhaber, Kristjansson (1), Wiencek (1), Ekberg (7/3), Rahmel, Dahmke, Zarabec (2), Bylik (2), Pekeler (4), Nilsson.

HSG Wetzlar: Klimpke, Marinovic; Hermann (1), Kneer, Ferraz, Mirkulovski (1); Schreiber, Torbrügge, Weissgerber (3), Öfors (5), Holst (1/1), Forsell-Schefvert, Lindskog (4), Cavor (4).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Hartmann/Schneider. - Zuschauer: 10 285. - Zeitstrafen: Forsell-Schefvert (2), Hermann (beide Wetzlar). - Siebenmeter: 3/3:1/1. - Torfilm : 0:5 (7.), 5:5 (13.), 6:11(20.), 10:12 (27.), 12:12 (Halbzeit); 14:12 (31.), 14:14 (33.), 17:14 (36.), 20:15 (42.), 25:17 (50.), 29:19 (Endstand).

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