HSG Wetzlar

Saison frisst ihre Helden

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Ein 0:10-Blackout zerstört beim 22:26 beim Bergischen HC alle Hoffnungen der HSG Wetzlar auf einen Auswärtssieg.

Nach dieser Niederlage ist Trainer Kai Wandschneider gefordert. Entweder als Psychologe, um sein Team vor dem Donnerstag-Heimspiel gegen GWD Minden wieder aufzurichten; oder als schonungsloser Kritiker, der seine Mannschaft in die Pflicht nimmt. Beim noch schmeichelhaften 22:26 (8:16) am Sonntagnachmittag beim Bergischen HC befanden sich die Grün-Weißen zum wiederholten Male in dieser Saison auf Selbstfindungsirrfahrt. Mit einer Vielzahl an technischen Fehler wurde den Gastgebern der rote Teppich zum Erfolg ausgelegt – bereits vor dem Seitenwechsel. Nach der noch Mut machenden 8:7-Führung in der 16. Minute spielten sich in Wetzlarer Reihen haarsträubende Szenen ab, die in einen 0:10-Minuslauf bis zum 8:17 in der 32. Minute mündeten. Rien ne va plus!

Dieser 0:10-Blackout zerstörte früh alle Wetzlarer Hoffnungen auf etwas Zählbares, wobei die Mittelhessen ohnehin nur als Außenseiter nach Solingen gereist waren. Spielmacher Filip Mirkulovski hätte grippegeschwächt eher das Bett hüten sollen, stellte sich aber in den Dienst der Mannschaft. Lenny Rubin, Stefan Cavor und Joao Ferraz fanden kaum ins Spiel - und zwischen den Pfosten spielte sich diesmal auch nichts Weltbewegendes ab. Es war mehr als ein gebrauchter Tag, es waren 60 Minuten, die schonungslos offenbarten, dass bezüglich der limitierten HSG Wetzlar die Saison langsam ihre Helden aufzufressen droht.

Die laufbereite, körperlich aggressive 6:0-Abwehr des Bergischen HC zwang die Mirkulovski und Co. nach deren aufmunternder 3:0-Führung (5.) immer öfter zu technischen Fehlern und bestrafte diese im schnellen Umschaltspiel mit einem Gegenstoß-Stakatto. Dem Wetzlarer Angriff fehlte das Timing, ein ums andere Mal führten Abspielfehler von Lenny Rubin, Joao Ferraz oder Olle Forsell Schefvert ins Verderben. Wobei sich der Schwede Olle Forsell Schefvert noch am meisten aufrieb, im Angriff für Tore sorgte und in der Abwehr neben Anton Lindskog seinen Mann stand. Nach einer Dreiviertelstunde verloren die Mittelhessen aber ihren an diesem Tag besten Mann, denn der schwedische Rückraum-Allrounder wurde nach einer Abwehraktion ins Gesicht von Fabian Gutbrod von den Schiedsrichterinnen Merz/Schillha disqualifiziert. Zu diesem Zeitpunkt, es stand 21:13 für die Oberbergischen, hätte aber ohnehin nur noch ein Handball-Wunder der HSG Wetzlar weiterhelfen können.

So waren es in erster Linie die Mannen um den herausragenden tschechischen Nationalspieler Tomas Babak, die nach dem 23:15 in der 50. Minute einige Gänge zurückschalteten und den Wandschneider-Schützlinge ein durchaus mögliches Ergebnis-Debakel ersparten.

Mit drastischen Worten brachte zum Beispiel BHC-Keeper Christopher Rudek die Harmlosigkeit der Würfe von Lenny Rubin oder Joao Ferraz zum Ausdruck: "Ich denke, wir waren besser als nur die vier Tor Unterschied. Wir haben Wetzlar mit unserer Abwehr zu technischen Fehlern gezwungen und dann leichte Tore gemacht. Da waren teilweise Schüsse dabei, die meine Mutter gehalten hätte." Auf Wetzlarer Seite trauerte Maximilian Holst der Anfangsphase nach, "in der wir mit 4:1 oder 5:1 hätten führen müssen. Danach aber werfen wir 13 Minuten lang jeden Ball weg. Dadurch haben wir komplett den Faden verloren.

Wetzlars Trainer Kai Wandschneider blieb nichts anderes übrig, als sich in seinem Statement an der Statistik aufzurichten und darauf zu verweisen, die zweite Halbzeit zu eigenen Gunsten entscheiden zu haben. "Da haben wir Charakter und Moral gezeigt." Im Donnerstag-Heimspiel gegen GWD Minden wird aber auch das wieder zu wenig sein.

Die auch am Sonntag wieder auffällige Fehlerzahl muss drastisch reduziert werden, Lenny Rubin bei Körperkontakt größeren Behauptungswillen zeigen, Joao Ferraz mehr spieltaktische Disziplin an den Tag legen. Im Grunde fehlte es einem Großteil der Wetzlarer Spieler in der ausverkauften Solinger Klingenhalle daran, Verantwortung für den Ball zu über- und diese nicht so schnell wie möglich wieder abzugeben. Der Bergische HC wirkte viel aufgeräumter, strukturierter in der Spielanlage und war zudem in jeder Minute der Partie bereit, im Infight mit hoher Körperlichkeit alles zu geben.

Bergischer HC: Rudeck (1), Rutschmann; Bettin, Darj (4), Gunnarsson (6/4), Nippes (1), Kotrc (2), Baena (1), Fontaine, Fraatz, Babak (3), Szücs, Gutbrod (6), Arnesson (2), Stutzke, Criciotoiu.

HSG Wetzlar: Klimpke; Ivanisevic, Kneer, Björnsen (2), Ferraz, Mirkulovski (1), Torbrügge (1), Weissgerber (1), Frend Öfors, Holst (4/1), Waldgenbach, Schefvert (5), Rubin (1), Lux, Lindskog (4), Cavor (4).

Im Stenogramm / Schiedsrichterinnen: Merz/Schillha. - Zuschauer: 2500. - Zeitstrafen: 2:6 Minuten. - Rote Karte: Forsell-Schefvert (44./HSG Wetzlar). - Siebenmeter: 4/4:1/1.

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