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Olle Forsell Schefvert und die HSG Wetzlar benötigen in Anbetracht der Personalnot schon einen Sahnetag, um das DHB-Pokal-Achtelfinale gegen Hessenrivale MT Melsungen heute Abend erfolgreich zu gestalten. (Foto: Bergmann)

HSG Wetzlar

Vor Pokal-Hit: Schwierige Situation für HSG Wetzlar

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Im Pokal-Achtelfinale gegen Melsungen ist das Handball-Publikum der HSG Wetzlar gefordert, in der schwierigen Situation Unterstützung zu bieten. Das Team benötigt seine Fans.

Das ist vor der 20-Uhr-Partie heute in der Rittal-Arena gegen den großen Rivalen aus Nordhessen kein Appell der Wetzlarer Verantwortlichen, sondern die nüchterne Bestandsaufnahme im Herbst 2018. Die letzten Leistungen und Ergebnisse lassen in Anbetracht des neuerlichen personellen Umbruchs, des wiederholten Verlustes von Leitungsträgern sowie der am Selbstbewusstsein nagenden Verletztenmisere trotz spätsommerlicher Temperaturen frösteln. Aber auch bei der mit zahlreichen Ex-Wetzlarern und internationalen Topstars gespickten MT Melsungen läuft es in Anbetracht der hohen Saisonerwartungen nicht rund. Die 27:32-Niederlage am Sonntag bei GWD Minden hat die MT im Jahr eins nach Trainer Michael Roth auf Rang neun abstürzen lassen. Von daher kommt das prestigeträchtige Pokalderby heute Abend eigentlich beiden Kontrahenten gelegen - mit einem Triumph kann der triste Bundesliga-Alltag für einen Moment ausgeblendet werden.

Wie ist die personelle Situation? Bei der HSG Wetzlar hat sich nach vier Wochen Lenny Rubin für den linken Rückraum nach überstandener Verletzung und Grippe zurückgemeldet. Das erhöht auf jeden Fall die Torgefahr aus der zweiten Reihe, auch wenn der Schweizer Youngster beim chancenlosen 26:34 vor Wochen in der Meisterschaft gegen die Nordhessen kaum zum Zuge kam. Für die beiden noch lange Zeit verletzt fehlenden Rechtsaußen Kristian Björnsen und Lars Weissgerber wird Tim Rüdiger aus der U 23 aufrücken, bis zum Punktspiel am Samstag gegen Frisch Auf Göppingen will (und muss) die HSG Wetzlar eine Nachverpflichtung für die Flügelposition auf der rechten Seite präsentieren.

Melsungens Trainer Heiko Grimm muss auf Halbrechts zunächst allein mit dem Dänen Simon Birkefeldt auskommen, da Michael Müller noch länger wegen seines Mittelfußbruches ausfällt. Ansonsten hat der nicht mehr unumstrittene Roth-Nachfolger alle Mann an Bord – auch den in Minden disqualifizierten Philipp Müller.

Die Sorgenkinder: Auf Wetzlarer Seite hat das Angriffsspiel durch das Fehlen von Jannik Kohlbacher erheblich an Durchschlagskraft verloren. Das mangelhafte Zusammenspiel Rückraum/Kreis ist eines der Hauptprobleme, auch bei der Arbeit am Kreis für den Aufbau ist man ein anderes Niveau gewohnt. "Uns fehlen zwei, drei Impulsspieler", zeigt der fortwährende personelle Aderlass der letzten Jahre in den Augen von Trainer Kai Wandschneider nunmehr deutliche Auswirkungen. Nach Philipp Müller, Ivano Balic oder Philip Weber fehlt es zudem an Ankerspielern, die Führungsqualitäten haben oder sogar als Aggressive Leader bezeichnet werden können, an denen sich das Team aufrichten kann. Gerade die knappen Ein-Tore-Niederlagen beim TBV Lemgo Lippe und gegen die Rhein-Neckar Löwen haben das gezeigt. Für Trainer Wandschneider ein Balanceakt, der zum einem die Dinge kritisch ansprechen muss, anderseits aber auch die Selbstkompetenz seiner verunsicherten Akteure zu stärken hat.

Die MT Melsungen versinkt trotz herausragender personeller Besetzung wie in den Vorjahren im Mittelmaß. Der Effekt des Trainerwechsels Grimm/Roth aus dem Frühsommer scheint bereits verpufft. Nach dem Ergebnis-Debakel in Kiel und dem Einbruch gegen die Rhein-Neckar Löwen gab es am Sonntag in Minden den nächsten Offenbarungseid. "Es fällt extrem schwer, jemanden in Schutz zu nehmen", zeigte sich Geschäftsführer Axel Geerken erbost. Trainer Heiko Grimm sprach seinem Team jedwede mannschaftliche Geschlossenheit ab.

Die Ausgangsposition: Die HSG Wetzlar befindet sich in einer schwierigen Situation und hofft auf einen Befreiungsschlag im Pokal. Denn im Sport helfen Punkte und Siege nun einmal eher der Psyche auf die Sprünge als Teambuildingmaßnahmen und anderes. Für die Grün-Weißen muss der Fokus ganz klar auf den Bundesliga-Existenzkampf gerichtet sein, für den es der Unterstützung des eigenen Anhangs bedarf.

Derweil könnte ein Pokal-Aus das Pulverfass Melsungen schon zur Explosion bringen. Hinter vorgehaltener Hand soll im Nordhessischen bereits darüber spekuliert werden, dass der vor zehn Tagen bei Telekom Veszprem in Ungarn entlassene Ljubomir Vranjes den glücklosen Heiko Grimm beerben wird. Im Falle eine Melsunger Pleite würden diese Gerüchte zusätzlich befeuert. Stürmisch genug ist der Herbst für die MT ohnehin.

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