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Marko Mamic soll dem SC DHfK Leipzig im Handball-Oberhaus zu neuem Schwung verhelfen.

Handball-Bundesliga (Serie 2)

Die "Mittelmächte"

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In sieben Tagen beginnt die neue Saison in der Handball-Bundesliga für die HSG Wetzlar und die 17 übrigen Teams. Wir stellen die Gegner der Grün-Weißen vor.

Frisch Auf Göppingen gehört seit Jahren zum Erstliga-Establishement, der HC Erlangen und der SC DHfK Leipzig repräsentieren die neuen wirtschaftlichen "Mittelmächte" im Oberhaus.

HC Erlangen

Hinter dem HC Erlangen liegt die Saison mit der besten Punkteausbeute der Vereinshistorie. Der einzige HBL-Club aus Bayern schloss nach schwachem Beginn und trotz anhaltender Verletzungsmisere auf einem stabilen neunten Platz. Nach dem Wiederaufstieg 2016 hat sich der HC damit wieder in der Bundesliga etabliert. Ein weiterer Schritt nach vorn scheint für die Mannen um Coach Adalsteinn Eyjólfsson im Bereich des Möglichen.

Kommen/Gehen:Bereits im Herbst gab der HCE bekannt, dass Torwart Carsten Lichtlein 2019 aus Gummersbach zurück in seine fränkische Heimat wechseln würde. Der 220-fache deutsche Nationalspieler gehört mit 38 Jahren allerdings auch auf seiner Position eher zu den älteren Semestern. Mit dem Franzosen Quentin Minel konnte zudem ein spielstarker Rückraumspieler gewonnen werden. "Ich wollte schon immer in der Handball-Bundesliga spielen. Dann kam der HC Erlangen und ich habe nur sehr kurz überlegt", freut sich der 26-Jährige auf seine neue Aufgabe. Er wird in die Fußstapfen von Christoph Steinert treten, der fortan in Magdeburg auf Torejagd geht. 137 Treffer verzeichnete der französische U 21-Weltmeister von 2011 bei nur 25 Einsätzen.

Stärken/Schwächen:Mit dem neuen Torhüter-Gespann um Nikolas Katsiginannis und Lichtlein hat der HCE das Potential, defensiv verstärkt in die neue Saison zu gehen. Auch um Verletzungssorgen wie in den vergangenen Spielzeiten vorzubeugen, rückte der bisherige Fitness- und Individualtrainer Thomas Hankel auf die Position des Assistenzcoachs. Mit Šime Ivic und Antonio Metzner verfügt das Team über zwei weitere neue Spieler, die durch ihre Sprunggewalt mehr Torgefahr ausstrahlen.

Trainer/Umfeld:Coach Eyjólfsson geht in seine dritte Spielzeit bei den Mittelfranken, nachdem er den TV 05/07 Hüttenberg 2017 während der laufenden Saison verlassen hatte. Der Isländer behielt trotz vieler Niederlagen zum Saisonbeginn 2018 einen kühlen Kopf und lotste sein Team in die obere Tabellenhälfte. Dort würden sich die Verantwortlichen gerne regelmäßiger verorten. Trotz des stabilen Sponsorenpools ist dem HCE dabei bewusst, dass es schwer wird, finanziell potentere Vereine hinter sich zulassen.

Prognose:Personelle Stellschrauben wurden gezielt gedreht, um erneut mit einem breiten Kader an den Start zu gehen. Gelingt eine zügige Integration der Neuzugänge und bleibt Erlangen von einem ähnlichen Verletzungspech wie im Vorjahr verschont, ist ein einstelliger Tabellenplatz möglich.

DHfK Leipzig

2015 waren die Sachsen in die Bundesliga aufgestiegen. Dort konnten sie sich zweimal in Folge im oberen Tabellendrittel festsetzen. Im letzten Jahr aber geisterte das Abstiegsgespenst durch die Universitätsstadt. Nach schwachem Saisonbeginn konsolidierten sich die Leipziger aber und schlossen auf einem versöhnlichen elften Tabellenplatz.

Kommen/Gehen:Den Rückraum der Ostdeutschen verstärkt mit Philipp Müller ein in Handball-Hessen bekanntes Gesicht. Zu Beginn des Jahrzehnts stand der 1.97-m-Hüne bei der HSG Wetzlar unter Vertrag. "Die Stadt Leipzig kenne ich ja schon, denn meine Frau hat acht Jahre für den HC Leipzig gespielt", freut sich Müller, der zuletzt in Melsungen unter Vertrag stand und sich mit 34 Jahren nochmals einer neuen Herausforderung stellt. Verabschieden müssen die Sachsen Aivis Jurdzs. Der "Hammer von Riga", dem DHfK-Teamarzt Pierre Hepp ein schier übermenschliches Schmerzempfinden nachsagte, verlässt die Platte. "Die Zeit in Leipzig war die beste in meiner Karriere", sagte der 58-fache lettische Nationalspieler vor seiner letzten Partie.

Stärken/Schwächen:Prunkstück der Mannschaft bleibt die Verteidigung. Der abermals erweiterte Kader macht eine tiefe Rotation möglich. Verbesserungsbedarf herrscht bei Toren, die aus Tempogegenstößen entstehen. Nur Ludwigshafen kam im Fastbreak zu weniger Abschlüssen. Damit machten sich die Leipziger das Leben oft selbst schwer.

Trainer/Umfeld:Der alte, neue Verantwortliche an der Seitenauslinie ist André Haber, der Leipzig bereits 2013 und 2017 gecoacht hatte und das Amt im letzten September von Michael Biegler übernahm. Biegler war aus gesundheitlichen Problem freigestellt worden. In der Folgezeit stabilisierten sich die Sachsen. Auch der Zuschauerzuspruch wuchs im Vergleich zum Vorjahr. 4311 Fans strömten im Schnitt zu den Spielen in die Arena Leipzig.

Prognose:Neben Müller sorgte die Verpflichtung von Marko Mamic vom ehemaligen Champions League-Sieger KS Kielce für Aufsehen. Fünfzig regionale Sponsoren machten es möglich, dass der kroatische Nationalspieler bis 2022 an den Verein gebunden werden konnte. Trotz der Verletzung von Spielmacher Niclas Pieczkowski könnte das vergleichsweise leichte Auftaktprogramm für einen erfolgreichen Kickstart sorgen. So wäre der angepeilte einstellige Tabellenplatz realisierbar. Dafür sprechen auch die Ergebnisse der Saisonvorbereitung. Mit Wisla Plock konnte etwa ein Champions-League-Team geschlagen werden (31:25).

Frisch Auf Göppingen

Der Traditionsclub geht optimistisch in die neue Saison. Nach dem achten Platz im Vorjahr will man nun zurück ins internationale Geschäft. Trainer Hartmut Mayerhoffer kann bei diesem Vorhaben auf einen eingespielten Kader bauen. Für Verstärkung im Tor sorgt der 23-Jährige Urh Kastelic, der vom kroatischen Rekordmeister Zagreb kommt.

Kommen/Gehen:Da im Tor zudem der 25 Jahre alt Daniel Rebmann gesetzt ist, geht Frisch Auf mit dem jüngsten Goalkeeper-Gespann der Liga an den Start. Mit Nicolai Theilinger (HC Erlangen) und Srdjan Predragovic (HC Linz) wechselten zwei Linkshänder ins Schwabenland, die auf dem rechten Flügel mehr Variabilität ins Spiel der Baden-Württemberger bringen sollen. Vor allem der wurf- und deckungsstarke Theilinger könnte sich nach genesener Sprunggelenksverletzung als Steal entpuppen. Zuvor hatte sich der 27-Jährige in den Kreis der Nationalmannschaft gespielt. "Wir sind uns sicher, dass er dieses Niveau bei uns wieder erreichen kann", freut sich Mayerhoffer über seinen neuen Spieler, der einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat.

Stärken/Schwächen:In der Ferne konnte Frisch Auf starke neun Siege einfahren. Das kam einem fünften Platz in der Gast-Tabelle gleich. Ein deutlicher Zuschaueranstieg um 300 Zahlgäste konnte aber nicht verhindern, dass zu Hause reihenweise Spiele leichtsinnig abgeschenkt wurden. Acht Siege bei ebenso vielen Niederlagen und einem Unentschieden kamen Platz 12 in der Heim-Tabelle gleich. Hier muss Mayerhoffer ansetzen.

Trainer/Umfeld:Der Übungsleiter geht in sein zweites Jahr an der Seitenauslinie. Er genießt das Vertrauen der Verantwortlichen, die als Saisonziel eine Verbesserung der Vorjahresplatzierung ausgegeben haben. Geschäftsführer Gerd Hofele gelang es dabei, den Etat auf 5,2 Millionen Euro zu steigern: ein Plus von vier Prozent. Um die "Hölle Süd" wiederzubeleben, arbeitete der Club ein neues Stehplatzkonzept aus. Auf der Platte wird neben Spielführer Tim Kneule auch Abwehrchef Jacob Bagersted die Kapitänsbinde tragen. "Von dieser Doppelspitze versprechen wir uns auch im mentalen Bereiche Impulse", erklärt mit Christian Schöne der sportliche Leiter.

Prognose:Der Altmeister möchte sein Image als graue Maus der Liga weiter ablegen. Bleibt der Kader von größeren Verletzungen verschont und wird die EWS Arena wieder zur schwer einnehmbaren Trutzburg, ist Platz sechs in Reichweite.

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