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Emotionalität bei Nationalspieler Kai Häfner, der sich der MT Melsungen angeschlossen hat.

Handball-Bundesliga (1)

Handball-Bundesliga: Füchse Berlin, MT Melsungen, HSG Nordhorn-Lingen im Überblick

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In wenigen Tagen beginnt die neue Saison in der Handball-Bundesliga für die HSG Wetzlar und die 17 übrigen Teams. Wir stellen die Gegner der Grün-Weißen vor.

Mit einem Schlag hat sich beim Aufsteiger HSG Nordhorn-Lingen alles verändert. Die Niedersachsen müssen auf ihren Trainer Heiner Bültmann verzichten, der an einem Erschöpfungssyndrom leidet. So wird es sicher noch schwerer werden, in der Bundesliga zu überleben. Vorne mitmischen - und die Großen drei SG Flensburg/Handewitt, Rhein-Neckar Löwen und THW Kiel mehr als ärgern - wollen dagegen die Füchse Berlin und Wetzlars hessischer Konkurrent MT Melsungen. Beide haben sich personell enorm verstärkt.

Füchse Berlin

Die Laune von Trainer Velimir Petkovic könnte besser nicht sein. Endlich kann der ehemalige Coach der HSG Wetzlar auf einen kompletten Kader zurückgreifen - und das schon in der Vorbereitung. In der letzten Saison plagten die Füchse Verletzungssorgen, die dazu führten, dass die Berliner nicht ihr wahres Potenzial abriefen und am Ende "nur" Platz sechs einnahmen.

Kommen/Gehen:Das soll besser werden. Sportkoordinator Volker Zerbe gibt eine klare Richtung vor: die Qualifikation für das internationale Geschäft und das Erreichen des Final4 im Europapokal und DHB-Pokal. Dazu sicherten sich die Berliner die Dienste eines "alten Fuchses" Michael Müller. Der bullige Linkshänder soll die Abwehr aufgrund seiner Kompromisslosigkeit stabilisieren und Fabian Wiede im rechten Rückraum entlasten. Neu sind zudem die beiden Torhüter Dejan Milosavljevic (Vardar Skopje) und der erfahrene Martin Ziemer (Hannover-Burgdorf), die den Druck auf den etatmäßigen Keeper Silvio Heinevetter erhöhen sollen, wie Petkovic in der "Handballwoche" sagt. Das brauche Heinevetter, um überragende Leistungen abzurufen. Mit Erik Schmidt (Magdeburg), Fredrik Genz (Essen), Christoph Reißky (Minden/Leihe), Malte Semisch (Minden) und Bjarki Mar Elison (Lemgo) verzeichnen die Füchse fünf Abgänge, die sie durchaus verkraften können.

Stärken/Schwächen:Die Berliner sind breiter aufgestellt und somit noch ausgeglichener. Das dürfte ein großes Plus für das Petkovic-Team sein. Ebenso bilden die drei exzellenten Torhüter einen starken Rückhalt. Petkovic wird wissen, wie er sie bei zu geringer Einsatzzeit bei Laune hält. Die Schwäche in der vergangenen Saison war die fehlende Konstanz, peinliche Heimspielauftritte trübten die Stimmung. Aus einer stabilen Abwehr heraus mit den drei starken Keepern soll der Tempogegenstoß forciert - und vor allem - die zweite Welle verbessert werden.

Trainer/Umfeld:Petkovic ist ein alter Hase im "Füchse-Team". Um die nötigte Konstanz in das Berliner Spiel zu bekommen, will der gebürtige Bosnier mit deutschem Pass weniger wechseln und eine Stammformation aufbieten. Beäugt wird sein Tun vom umtriebigen Geschäftsführer Bob Hanning. Der 51-Jährige ist permanent auf der Suche nach Höherem, aber guter Dinge, dass in dieser Saison die Ziele erreicht werden.

Prognose:Bleiben die Füchse von größeren Verletzungen verschont, sind sie ein Team, das in der Bundesliga durchaus unter die besten fünf Mannschaften kommen und dabei auch mal einen Großen schlagen kann.

MT Melsungen

Die Nordhessen könnten zur Überraschungsmannschaft avancieren. Sie wagen den Angriff auf die Top-Plätze - mit mehr Geld, neuem Ausrüster und dem wurfgewaltigen Nationalspieler Kai Häfner.

Kommen/Gehen:Mit dem Weggang der beiden Müller-Brüder Michael und Philipp fehlen Melsungen nicht nur zwei mit allen Wassern gewaschene Spieler, sondern auch zwei spezielle Typen, die mit ihrer Emotionalität einiges bewegen können - und vor allem im Deckungsverband eine Lücke hinterlassen. Die soll nun Kai Häfner schließen -immerhin Nationalspieler und letztjähriger Spielführer beim Ligakonkurrenten TSV Hannover-Burgdorf. Vom Rückraumrechts-Akteur erhofft sich Trainer Heiko Grimm einige Impulse - wie auch von Rückraumschütze Stefan Salger, der einer der Helden beim Last-Minute-Nichtabstieg der Eulen aus Ludwigshafen war. Häfner und Salger überzeugten bereits in der Vorbereitung.

Stärken/Schwächen:Der Blick auf den Kader verrät - die MT hat mit Häfner, Julius Kühn, Finn Lemke und Tobias Reichmann vier aktuelle Nationalspieler, die wissen, wie es geht, und für hohe Qualität bürgen. Sie müssen sie nur abrufen - und dafür sorgt der Coach, der im Positionsangriff bei dieser geballten Offensivpower das größte Plus sieht. Arbeiten müssen die Melsunger an ihrem Umschaltspiel. Was ebenfalls verbesserungswürdig scheint, ist die zu große Passivität in der Abwehr. Eine große Stärke ist sicherlich Torwart Nebojsa Simic.

Trainer/Umfeld:Trainer Grimm arbeitet mit der Mannschaft an einem schnellen Handball - das war deutlich in der Preseason zu erkennen. Der 2,10-m-Hüne Lemke kann in der Offensive ein Toregarant werden. Vier Treffer im Sparkassencup beim Finalsieg gegen Magdeburg sprechen eine deutliche Sprache und sind respektabel. Grimm versprüht Zuversicht - die Stimmung im Team ist vielversprechend. Zudem hat Manager Axel Gehrken den Etat auf rund 5,5 Millionen Euro beziffert - damit lässt sich etwas anfangen.

Prognose:Die MT Melsungen ist ein Kandidat für die Top-Fünf, vielleicht sogar mehr - unter der Voraussetzung, dass die Protagonisten verletzungsfrei bleiben. Mal sehen, wie sie die Doppelbelastung im November wegstecken, wenn sie im Europapokal die Qualifikationsrunde für die dritte Runde bestreiten. Was sie brauchen, ist eine Gewinnermentalität.

HSG Nordhorn-Lingen

Die Saison hat für den Neuling noch gar nicht begonnen, da ereilt ihn schon eine Hiobsbotschaft: Trainer Heiner Bültmann muss eine Auszeit vom Profi-Handball nehmen.

Kommen/Gehen:Kurz vor dem Start in die Saison gibt es gravierende personelle Veränderungen beim letztjährigen Vizemeister der 2. Bundesliga: Das Traineramt des gesundheitlich angeschlagenen Bültmann übernimmt vorerst "Co" Ralf Lucas. Zudem verpflichteten die Niedersachsen am vergangenen Freitag Kreisläufer Dominik Kalafut. Der 24-jährige Slowake spielte zuletzt beim französischen Erstligisten Cesson-Rennes Metropole Handball und unterschrieb einen Einjahresvertrag bei der HSG. Zuvor verstärkte sich das Zweistädteteam mit dem Weißrussen Anton Prakapenia (vormals HSC Coburg) und dem Österreicher Robert Weber. Letztgenannter wird bei der HSG als Königstransfer bezeichnet: Der 33-Jährige kommt vom SC Magdeburg. Der Rechtsaußen hat zehn Jahre Handball-Bundesliga auf dem Buckel - und hat dabei mehr als 2000 Tore erzielt.

Stärken/Schwächen:Die Eingespieltheit dürfte ein Pfund für den Aufsteiger sein, mit dem er wuchern kann. Zudem hat kein Spieler den Zweitliga-Vizemeister verlassen. Rechtsaußen Weber, Rückraum-Kanonier Prakapenia und der bundesligaerprobte Kreisläufer Kalafut sind gezielte Verstärkungen. In Liga zwei kam die HSG über ihre Abwehr. Ob sie eine Klasse höher ihre Durchschlagskraft beibehält, wird sich zeigen. Vor allem sollte man im Umfeld Ruhe bewahren, wenn es nicht läuft.

Trainer/Umfeld:Bültmann stand zehn Jahre an vorderster Front bei den Niedersachsen. Nun musste er die Reißleine ziehen. Sein derzeitiger Energielevel reiche nicht aus, um die sicherlich alles andere als leichte Aufgabe anzugehen. Er brauche eine Pause, sodass ab sofort sein Assistent Lucas das sportliche Sagen hat. Er brachte gleich den Deal mit Kalafut zum Abschluss. Ob er eine längerfristige Lösung ist, bleibt fraglich. Die Offiziellen wollen sich für eine Lösung Zeit nehmen. Der Sponsorenpool wuchs bei der HSG auf 240 Geldgeber an. 2653 Zuschauer pro Spiel strömten zuletzt im Schnitt in die Halle.

Prognose:Natürlich hat der Aufsteiger HSG Nordhorn-Lingen nur ein Ziel im Kopf - das ist der Klassenerhalt. Zuzutrauen ist das den Niedersachsen, die eine homogene Mannschaft bilden. Dennoch: Zittern ist bis zum Schluss angesagt.

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