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Das hatten sich die Wetzlarer Handballer (v. l.) Kristian Björnsen, Filip Mirkulovski, Tibor Ivanisevic und Emil Mellegard anders vorgestellt. Zur Rückkehr der Zuschauer in die Rittal-Arena setzte es eine 26:30-Niederlage gegen Absteiger TUSEM Essen.

HSG Wetzlar

HSG Wetzlar verpatzt die Zuschauer-Rückkehr

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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Bei der Rückkehr der Zuschauer kann die HSG Wetzlar nicht an die vielen Glanzleistungen der Saison anknüpfen. Der Handball-Bundesligist verliert mit 26:30 (12:14) gegen Absteiger Tusem Essen.

Ausgerechnet im ersten Heimspiel seit acht Monaten vor (772) Zuschauern hat die HSG Wetzlar einen ihrer schwächsten Bundesliga-Auftritte der Saison hingelegt. Gegen Absteiger Tusem Essen setzte es für die grün-weißen Erstliga-Handballer eine in ihrem Zustandekommen auch verdiente 26:30 (12:14)-Niederlage.

Nur nichts überstürzen lautete die Wetzlarer Devise in der Anfangsphase, in der drei Paraden von Till Klimpke bis zum 3:3 (10.) nicht zu einer klaren Führung genutzt wurden. Die bewegliche 6:0-Abwehr der Essener formierte sich stabil vor dem von Torsteher Sebastian Bliss gut geschützten eigenen Tor, rückte auf den Halbpositionen offensiv gekonnt gegen Lenny Rubin und Ivan Srsen vor und nahm so viel Druck vom Kessel. »Wir haben Lenny Rubin komplett aus dsem Spiel genommen«, analysierte ein hochzufriedener Gästecoach Jamal Naji, »wir haben viele Wetzlarer Waffen gut wegnehmen können.«

Die selbst gewollte Tempoverschleppung wurde den Gastgebern in der Folge zum Verhängnis. Sorglose Abschlüsse, Passfehler und unvorbereitete Würfe erschwerten das eigene Aufbauspiel, derweil die Essener die Gunst der HSG-Fehler nutzten und aus dem 6:6 (14.) nach 18 Minuten plötzlich eine 9:6-Führung gezaubert hatten. Der Ex-Melsunger Dimitri Ignatov über Rechtsaußen und den Gegenstoß sowie der baumlange Tim Zechel mit allein vier Treffern über den Kreis bereiteten den Grün-Weißen bis zur Pause die größten Probleme.

In die Spur fanden die Schützlinge von Wetzlars Trainer Kai Wandschneider (»Wir waren nicht präsent«) auch nach der ersten Auszeit nicht. Maximilian Holst versemmelte weiter von Linksaußen, Kristian Björnsen - im Hinspiel noch neunfacher Torschütze - kam über rechts überhaupt nicht zum Zug, Lenny Rubin scheiterte dreimal am guten Bliss im Tusem-Kasten und warf einmal voll in den Block - 10:13 (24.).

Wären die sieben Torhüter-Paraden von Till Klimpke sowie die vier Kreistreffer von Anton Lindskog nicht gewesen, wäre der Rückstand der wie gelähmt wirkenden Wetzlarer beim 12:14 zum Seitenwechsel noch deutlicher ausgefallen.

In die Gänge kamen die Grün-Weißen aber auch weiter nicht. Im Gegenteil: Als die bereits als Absteiger fest stehenden Essener die Gastgeber und deren Anhänger direkt nach der Pause mit dem 17:12 (35.) und 19:14 (37.) schockten, sah sich Trainer Wandschneider zur zweiten Auszeit gezwungen.

Das Tusem-Team um Spielmacher Justin Müller war schneller auf den Beinen, agierte mit höherem Aktionstempo und setzte in der Abwehr die richtigen Stoppfouls. Das Essener 24:17 nach 43 Minuten war der rechte Lohn für einen besseren Gegenstoß und weniger Eigenfehler.

Auf Wetzlarer Seite suchten gerade die Leistungsträger Rubin, Magnus Fredriksen und Björnsen nach ihrer Form - und fanden sie nicht mehr. In der Schlussviertelstunde, die HSG-Coach Wandschneider notgedrungen mit seiner bereits dritten Auszeit (»Ich habe befürchtet, dass so ein Tag mal kommen würde«) einleitete, um dem zuvor unansehnlichen Wildwest-Handball seines Teams ein Ende zu bereiten. Mit der offenen 3:3-Deckung konnte das Unheil aber auch nicht mehr abgewendet werden. Beim 20:26 (50.) drohte sogar ein Heimspiel-Desaster, beim 26:30-Endstand war zumindest das verhindert. Die Zuschauer-Rückkehr in die Rittal-Arena aber ordentlich verpatzt.

HSG Wetzlar: Till Klimpke, Suljakovic, Ivanisevic; Srsen (5), Henningsson (1), Björnsen, Ole Klimpke (1), Mirkulovski (1), Weissgerber (3), Holst (3/3), Fredriksen (1), Gempp (2), Mellegard (1), Rubin (4), Lindskog (4).

Tusem Essen: Bliss, Diedrich; Beyer (5/3), Rozman, Durmaz (1), Homscheid, Becher (4), Ignatow (7), Szczesny (2), Müller (2), Firnhaber (1), Seidel, Maldonado (1), Klingler, Kluth, Zechel (7).

Stenogramm / SR.: Fedtke/Wienrich (Berlin). - Z.: 727. - Zeitstrafen: Lindskog (23.), Henningsson (33.), Srsen (42./alle Wetzlar); Maldonado (24.), Müller (27.), Rozman (51./alle Essen). - Siebenmeter: 3/3:3/3.

Einen schweren Stand hat Ivan Srsen von der HSG Wetzlar (am Ball) gegen die Essener Abwehr um (v. l.) Lukas Becher, Eloy Morante Maldonado und Dennis Szczesny.

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