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100 Prozent vom Punkt: Maximilian Holst (22) ballt die Jubelfäuste nach dem Siebenmeter-28:28 in der Schlusssekunde. Die Erlanger Johannes Sellin (links) und Nikolai Link enttäuscht.

HSG Wetzlar

HSG Wetzlar erkämpft 28:28 gegen den HC Erlangen

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Kampf, Charakter, Leidenschaft. Die HSG Wetzlar hat in der Handball-Bundesliga gegen den HC Erlangen einen 2:12-Negativlauf noch gestoppt und ein 28:28 erkämpft. Chapeau!

»Ich hasse die 3:3-Deckung«, lachte Anton Lindskog im Interview bei Sky nach der Aufholjagd gegen den HC Erlangen in der Handball-Bundesliga. Der taktischen Coup seines Trainers Kai Wandschneider bescherte der HSG Wetzlar ein 28:28 (12:17)-Unentschieden, nachdem es zwischenzeitlich nach einer derben Klatsche für die Mittelhessen aussah.

»Aber das hat gut geklappt. Unser Coach ist schlau, das muss man sagen«, schmunzelt der Vizeweltmeister, der selbst mit neun Toren bei zehn Versuchen und zwei Assist einen nicht unerheblichen Beitrag zum Punktgewinn seiner Mannschaft beigesteuerte. Immer wieder wurde der Schwede bevorzugt von Mittelmann Magnus Fredriksen im Angriff in Szene gesetzt und hielt hinten im Mittelblock den Laden dicht.

Doch es stotterte im Spielverlauf erheblich im HSG-Motor. Erlangens Coach Michael Haaß wartete von Beginn an mit seiner gefährlichsten Rückraumreihe auf. In der Mitte zog Nico Büdel die Fäden, während Simon Jeppsson auf der linken und Antonio Metzner auf der rechten Seite darauf lauerten, von ihrem Mittelmann in Szene gesetzt zu werden. Metzner hatte keinen guten Start, dafür steuerten Jeppsson und Metzner-Backup Sime Ivic in der ersten Halbzeit jeweils vier Treffer zum 17:12-Pausenstand bei.

HSG Wetzlar: Starker Till Klimpke

Nach Jeppssons 5:3 in der neunten Minute kamen die Hausherren besser ins Spiel. Eine Zeitstrafe von Büdel und zwei Paraden von HSG-Keeper Till Klimpke bedeuteten erst den 5:5-Ausgleich, dann legten die Wetzlarer nach. Insgesamt fünf Mal zeichnete sich Klimpke im ersten Durchgang aus und verhalf seinen Vorderleuten damit zur 10:7-Führung nach 18 Minuten.

»Es war klar, dass wir die enorme Wurfstärke von Jeppsson und Metzner offensiv bekämpfen mussten«, erklärte Wandschneider. »Das hat Olle Forsell Schefvert sehr gut gemacht, der sich immer aus dem Innenblock gelöst hat.« Doch wer jetzt dachte, die Grün-Weißen hätten das Spiel im Griff, sah sich schwer getäuscht. Auf allen Positionen fehlte es an der nötigen Konzentration, um den Erlangern weiter Paroli bieten zu können. Etliche Ballverluste und Zeitstrafen warfen die Grün-Weißen wieder zurück und sorgten so für den hohen 12:17-Rückstand zur Pause.

»Ganz klar, wir führen hoch und müssen das Spiel gewinnen«, sagte auch Erlangens Ex-Nationaltorhüter Martin Ziemer hinterher bei Sky. »Sie haben umgestellt, Kai Wandschneider ist volles Risiko gegangen mit dem siebenten Feldspieler und der 3:3-Deckung«, lautete seine einfache Begründung für den Punktverlust aus Sicht der Gäste. Denn die hatten bis zum 19:12 und 20:13 (33.) eindeutig die Nase vorn. Erlangen ließ den Ball vorne gut laufen und nutzte die Wetzlarer Fehler konsequent. In der Folge wurde allerdings Tibor Ivanisevic zum Faktor, der für Klimpke in den Kasten rückte.

Wir haben uns über eine verbesserte Deckungsarbeit, aber vor allem wegen Tibor Ivanisevic wieder herangekämpft.

HSG-Trainer Kai Wandschneider

Tor um Tor knabberte die HSG am Vorsprung der Franken und war beim 18:20 von Maximilian Holst per Siebenmeter in der 41. Minute dran. »Wir haben uns über eine verbesserte Deckungsarbeit, aber vor allem wegen Tibor Ivanisevic wieder herangekämpft«, so Wandschneider.

Der HCE setzte nach, erhöhte wieder auf 23:18 (47.) und der Trainer der HSG rief seine Truppe zur spielentscheidenden Besprechung. Obwohl seine Spieler bereits vom Spiel gezeichnet waren, setzte er auf die 3:3-Abwehrformation und brachte vorne den siebenten Feldspieler.

»Gegen die 3:3-Deckung waren wir zu statisch, haben keine Lösungen gefunden«, haderte HC-Coach Haaß hinterher bei Sky. »Wenn wir Lösungen gefunden haben, haben wir verworfen. Das ist ein Punktverlust für uns, weil wir über das ganze Spiel die bessere Mannschaft waren, das Spiel dominiert haben. Wir waren mit sieben Toren vorne, das sollte eigentlich für uns reichen.«

Tat es aber nicht, denn die Gäste ließen sich verunsichern und zu Ballverlusten zwingen. Im Angriff agierte die HSG mit sieben gegen sechs und so war es Cavor per Gegenstoß, der den 25:25-Ausgleich in der 55. Minute markierte. Beim 27:26 hatten die Grün-Weißen sogar noch die Chance auf einen Ballgewinn, doch Ivanisevic konnte den geblockten Ball von Metzner nicht aufnehmen. Der frisch gebackene Familienvater Holst sorgte mit seinem Siebenmetertor nach dem Schlusspfiff für das 28:28-Unentschieden.

HSG Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Feld, Srsen, Henningsson, Björnsen (3), Mirkulovski, Weissgerber (3), Holst (3/3), Fredriksen, Forsell Schefvert (1), Gempp (2), Mellegard (2), Rubin (1), Lindskog (9), Cavor (4).

HC Erlangen: Ziemer, Ferlin; Sellin (4), Overby, Fäth (1), Kellner, Firnhaber (2), Ivic (7/2), Büdel (2), Bissel (2), Schäffer, Metzner (4), Link, von Gruchalla, Jeppsson (6), Olsson.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg). - Zeitstrafen: 10:14 Minuten. - Siebenmeter: 4/3:3/2.

Zehn Würfe,neun Treffer: Wetzlars Kreisläufer Anton Lindskog war auch von Petter Overby (l.) und Antonio Metzner (r., beide Erlangen) nicht zu halten.

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