HSG Wetzlar

HSG-Wahnsinn in Berlin

  • schließen

Die HSG Wetzlar spielt in Berlin groß auf - und landet im letzten Spiel der Handball-Bundesliga-Saison 2018/19 mit dem 27:25 einen Coup. Trainer Kai Wandschneider: "Das war Wahnsinn!"

Was für ein Ausklang in der Handball Bundesliga für die HSG Wetzlar! Mit einem 27:25 (11:14)-Erfolg bei den Füchsen Berlin beenden die Mittelhessen die Saison 2018/2019 auf dem zehnten Tabellenplatz. Vor allem im Jahr 2019 überzeugten die Grün-Weißen mit ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit und dem Willen, diese turbulente Runde bis zum Ende konzentriert zu spielen und das Maximale herauszuholen. "Das war Wahnsinn", freute sich HSG-Trainer Kai Wandschneider über diesen Coup. "Wir haben richtig gut gespielt. Es ist eine Sensation, dass wir in Berlin gewinnen."

Dabei sah es nach der ersten Halbzeit so aus, als hätten die Gastgeber alles im Griff. Die 8704 Zuschauer sahen eine abgeklärte Füchse-Truppe, die auch ohne Fabian Wiede im Angriff zu überzeugen wusste. Mit der Achse Paul Drux - Jacob Holm - Mattias Zachrisson wirbelten die Berliner die HSG-Abwehr ein ums andere Mal durcheinander. Mit viel Dampf ging Berlin in die Eins-gegen-Eins-Situationen und zog Freiwürfe, Siebenmeter und Zeitstrafen. So war Nils Torbrügge nach zehn Minuten gerade wieder auf dem Parkett, als Lenny Rubin von selbem durfte, nachdem er Zachrisson beim Gegenstoß zu Fall gebracht hatte. Dennoch blieben die Wetzlarer auf Augenhöhe, überraschten immer mal wieder mit Schlagwürfen aus sieben, acht Metern. Die Füchse hatten sich in der Abwehr vor allem auf die Rückraumschützen Rubin und Stefan Cavor gut eingestellt, auf die Berlin früh rausging und so vor allem Cavor in der ersten Halbzeit komplett aus dem Spiel nahm.

Nach einer Viertelstunde bekamen die Berliner das Spiel besser in den Griff, und so netzte Holm in der 20. Minute zur 10:7-Führung ein. Wandschneider antwortete mit der sofortigen Auszeit, um seine Mannen wieder in die Spur zu bringen. Er bemängelte zu viel Standhandball und Abschlüsse über den hohen Mittelblock der Füchse, sagte gleichzeitig aber auch einen Kempa-Spielzug an. Kurz darauf führte eben diese Ansage zum 8:10 - Kristian Björnsen hatte den Pass zu Olle Forsell Schefvert gebracht, der die Kugel hinter Füchse-Keeper Silvio Heinevetter versenkte. Drehen konnten die Grün-Weißen die Partie dennoch nicht, Berlin blieb am Drücker, erhöhte durch Zachrisson auf 13:9, ehe es mit einer 14:11-Führung für die Gastgeber in die Kabine ging.

Was dort passierte, konnte hinterher keiner der Protagonisten so wirklich erklären. "Wir haben die erste Halbzeit total im Griff, führen mit drei Toren vielleicht ein bisschen zu wenig", meinte Füchse-Kreisläufer Erik Schmidt hinterher. "Ich kann gar nicht sagen, was da in der zweiten Hälfte los war", grinste HSG-Torhüter Till Klimpke. "Wir haben uns vorgenommen, eine bessere Abwehr zu stellen, dadurch kamen wir zu leichten Ballgewinnen - und ich konnte auch besser die Bälle halten. Wir sind ganz locker ins Spiel gegangen, vielleicht war Berlin ein bisschen angespannter. Wir haben ein geiles Spiel abgeliefert und verdient gewonnen."

Kompakter in der Abwehr, beharrlich im Angriff - so blieb die HSG dran und machte den Füchsen das Leben schwer. Mit dem ersten Treffer von Cavor kamen die Gäste auf 14:15 ran (37.), doch der bis dahin starke Drux erhöhte wieder auf 16:14. In der Folge schien nicht nur der Berliner Nationalspieler sein Pulver verschossen zu haben. Immer öfter verloren die Füchse den Ball im Angriff, Lars Weissgerber nutzte zwei dieser Ballgewinne und erzielte per Gegenstoß-Doppelpack den 17:17-Ausgleich. Berlins Coach Velimir Petkovic zitierte seine Truppe zur Seitenlinie und erinnerte an das gemeinsame Ziel Europapokal. Doch Wetzlar witterte Morgenluft und klebte nun wie eine Klette am Fell der Füchse. "Die Mannschaft hat wieder gezeigt, was für eine starke Moral, was für einen starken Willen sie hat", lobte Wandschneider. Beim 23:22 war die erste Führung nach dem 1:0 eingetütet, und Wetzlar machte völlig unbeeindruckt einfach weiter. Spätestens beim 26:23 von Emil Frend Öfors in der 58. Minute war die Messe für die Berliner im "Fuchsbau" gelesen. "Tolle Abwehr, total diszipliniert gespielt. Krimi natürlich, aber Nerven behalten", freute sich Wandschneider, ehe er sich zum Feiern mit seiner Mannschaft verabschiedete.

Füchse Berlin: Heinevetter, Semisch; Elisson (1), Holm (1), Struck, Gojun, Lindberg (8/7), Zachrisson (6), Schmidt (2), Reissky (2), Koch, Marsenic (2), Drux (3).

HSG Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Kneer, Björnsen, Mirkulovski (3), Schreiber, Torbrügge (2), Frend Öfors (1), Holst (5/4), Forsell Schefvert (3), Rubin (7), Lux, Lindskog, Cavor (2), Weissgerber (4). / SR: Köppl/Regner (Darmstadt/Nieder-Olm). - Z: 8704. - Zeitstr.: 0:8 Min. - Siebenm.: 8/7:5/4.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare