Handball

Ein Holst-Festival

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Die HSG Wetzlar überrascht in der Handball-Bundesliga mit einem 25:23-Auswärtserfolg bei der TSV Hannover-Burgdorf.

Als selbst die höchst fragwürdigen Entscheidungen der Schiedsrichter Hartmann/Schneider in den Endphasen beider Spielhälften der TSV Hannover-Burgdorf nicht mehr auf die Sprünge helfen konnten, war der hochverdiente 25:23 (14:10)-Auswärtscoup der HSG Wetzlar perfekt. Nicht einmal zwölf Monate nach der Hamburger DHB-Pokal-Demütigung durch den gleichen Kontrahenten zeigte das Team um den wie entfesselt aufspielenden und am Siebenmeterpunkt hoch konzentrierten Maximilian Holst eine von der ersten bis zur letzten Minute tadellose Vorstellung.

Während die Gastgeber am Sonntag vor 6000 staunenden Zuschauern in der TUI-Arena zwischen dem EHF-Pokal-Weiterkommen und der DHB-Pokal-Endrunde kommendes Wochenende mental zu Bundesliga-Handball nicht bereit schienen, war das Team von Trainer Kai Wandschneider von Beginn an hellwach und ließ die personell besser besetzten Niedersachsen während der gesamten Partie nur ein einziges Mal (4:3, 6.) in Führung gehen. Derweil staunten die Holst und Co. in der 34. Minute selbst Bauklötze, als von der Anzeigetafel eine ebenso ungläubiges 18:11 für die Grün-Weißen leuchtete wie vor einem Jahr beim Pausen-4:15 im besagten Final Four.

Maximilian Holst, vor zwei Wochen noch der Unglücksrabe mit dem vergebenen Last-Minute-Siebenmeter gegen HC Erlangen und am Sonntag einer der Sieggaranten, war besonders erfreut: "Wir haben ein ganz ordentliches Spiel gemacht, mit Höhen und Tiefen. Aber Hannover war heute nicht am Maximum, das war für uns ganz gut und deshalb konnten wir den Auswärtssieg mitnehmen. Hannover ist die gesamte Zeit hinterhergelaufen und wir haben den Abstand immer halbwegs im erträglichen Bereich gehalten und souverän bis zum Ende gespielt."

Waren es im ersten Abschnitt die Paraden von Till Klimpke u. a. gegen Olsen (9.) oder Pevnov (15.), die den Weg zu den deutlichen 10:6- (18., Holst-Siebenmeter) und 14:9- (27., Holst-Abstauber vom Kreis) ebneten, so sorgte im zweiten Abschnitt Tibor Ivanisevic mit seinen vier, fünf Glanztaten in der Schlussviertelstunde dafür, dass die Grün-Weißen erstens auf der Torhüter-Position deutliche Vorteile gegenüber Hannover-Burgdorf besaßen und zweitens die Niedersachsen bis zum 23:18 (50., Holst-Siebenmeter) auf Distanz gehalten werden konnten.

Von einer dubiosen Zeitstrafe gegen Anton Lindskog (28.) sowie ein klares an Maximilian Holst nicht gegebenes Foul (29.) ließen sich die Grün-Weißen kurz vor dem Wechsel aber ebenso wenig beirren wie in der Endphase von der Doppelbestrafung Siebenmeter plus Zeitstrafe gegen Olle Forsel Schefvert (51.) und ein angebliches Stürmerfoul von Lenny Rubin eine Minute später. Der TSV Hannover-Burgdorf mit einem schwächelnden Innenblock Pevnov, Srsen und Brozovic sowie einem farblosen Vorzeige-Rückraum Böhm, Olsen und Häfner half am gestrigen Sonntag gegen eine taktisch disziplinierte und in der 6:0-Abwehr bewegliche HSG Wetzlar auch dieser Schiedsrichter-Bonus nicht weiter.

"Wir haben es heute geschafft, gut zu wechseln, ohne Einbrüche. Tibor Ivanisevic ist für mich heute der Matchwinner – er war über ein halbes Jahr verletzt ausgefallen. Er hat uns den Rückhalt in der zweiten Halbzeit im Tor gegeben. Es war ein Abnutzungskampf, aber ich bin total stolz auf meine Mannschaft", resümierte Wetzlars Trainer Kai Wandschneider, der sowohl mit seinem Innenblock Forsel Schefvert, Lindskog und Kneer als auch mit seiner zweiten Reihe zufrieden sein konnte. Lenny Rubin sorgte nach einer Viertelstunde für Entlastung auf Halblinks, Nils Torbrügge räumte Anton Lindskog am Kreis Bankzeiten ein – und Tibor Ivanisevic präsentierte sich zwischen den Pfosten in großartiger Form. Auch im Rückzug ließen die Wetzlarer Erstliga-Handballer die "Recken" kaum zum Zuge kommen – und als Timo Kastening beim 21:24 in der 58. Minute auch noch vom Punkt scheiterte, war der Erfolg in trockenen Tüchern.

TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer, Lesjak; Mavers, Cehte (4), Johannsen (4), Kastening (4/4), Atman (2), Böhm (2), Büchner (2), Pevnov (2), Brozovic (1), Häfner (1), Olsen (1), Ugalde, Srsen, Feise.

HSG Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Kneer, Holst (10/5), Ferraz, Schreiber, Torbrügge, Björnsen (3), Lindskog (3), Mirkulovski (3), Cavor (2), Forsel Schefvert (2), Rubin (2), Weissgerber, Frend Öfors,

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Schneider (Barleben)/Hartmann (Magdeburg). - Zuschauer: 6023. - Strafminuten: 4:8. - Siebenmeter: 5/4:5/5. - Spielfilm: 4:6 (9.), 6:10(19.), 10:14 (Halbzeit); 10:16 (32.), 11:18 (34.), 14:18 (37.), 18:23 (50.), 20:23 (54.), 21:24 (27.), 23:25 (Endstand).

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